Aachen: Im Öcher Bösch geht es rund

Aachen: Im Öcher Bösch geht es rund

Die Wanderstiefel fest geschnürt, das Gesicht von der Mittelmeersonne gebräunt - Wolfgang Rombey war quasi die Idealbesetzung für die Präsentation des neuen Angebots der Stadt an Wanderfreunde. „Dann wolln wir mal”, sprach der Stadtdirektor und nahm mit strammen Schritten den „Waldrundweg Schwarz” in Angriff.

Die 3,3 Kilometer lange Piste vom Parkplatz Monschauer Straße/Brückchenweg über die Pionierquelle und den Elleter Berg zurück zum Ausgangspunkt ist eine von sechs Routen, die die städtischen Fachbereiche Sport, Geoinformation und Bodenordnung sowie das Gemeindeforstamt nun wiederbelebt haben.

„Die Älteren werden sich vielleicht noch erinnern”, sagte Forstamtsleiter Dr. Gerd Krämer und zog schmunzelnd eine alte Karte aus der Tasche. Das Faltblättchen aus den 1980er Jahren ist eines der wenigen übriggebliebenen Exemplare aus jenen Jahren, als Bundeskanzler immer nur Kohl hießen, und schon deshalb viel zu schade für den Rucksack.

Drum hat die Stadt für Ersatz gesorgt. In einer Auflage von zunächst 10.000 Exemplaren liegt die neue Karte mit dem ebenso schlichten wie griffigen Titel „Waldrundwege” in Verwaltungsgebäuden, Bezirksämtern aber auch im Eurogress oder bei der Volkshochschule aus.

Den Anstoß für die Neuauflage von Pisten und Plänen gab vor rund zwei Jahren der Sportentwicklungsplan. Seinerzeit wollte die Stadt von ihren Bürger auch wissen, wie sie es denn am liebsten halten mit den Leibesübungen. „Selbst organisiert, zeitlich unabhängig und in der Natur”, hat Petra Prömpler vom Fachbereich Sport erfahren. Da bieten sich die alten Rundwege zum Wandern, Spazieren, Joggen oder zum Nordic Walking geradezu an.

Die Routen in den Farbschattierungen von gelb über grün, orange, rot und blau bis schwarz sind zwischen 2,7 und 5,5 Kilometer lang. Wer sich mehr zumuten möchte, kann sie miteinander verknüpfen. Deshalb hat das Gemeindeforstamt nicht nur Pflöcke mit jeweiligen farblichen Markierungen an den Rundkursen eingeschlagen, sondern auch die Verbindungswege dazwischen entsprechend zweifarbig gekennzeichnet. Und damit Wanderer oder Jogger auch wissen, worauf sie sich einlassen, gibt es auf der Rückseite der Karte Streckenprofile.

Dafür habe man nicht eigens die Höhenmeter im Aachener Wald neu vermessen müssen, erklärte Hermann-Josef Roder vom Fachbereich Geoinformation und Bodenordnung. Vorhandene Daten wurden allerdings so aufbereitet, dass Anstiege und Gefälle gut erkennbar sind.

Zudem gibt es Kurzbeschreibungen der Routen und eine Eingruppierung nach Schwierigkeitsgraden. Die reichen von niedrigen Ansprüchen auf der gelben Strecke mit einem Höhenunterschied von gerade einmal sieben Metern bis zu hohen Herausforderungen auf der grünen Route, die unter anderem Steigungen von bis zu 15 Prozent zu bieten hat.

Nichts für Radfahrer

Das zeigt dann auch, dass die Rundwege eher für Fußgänger als für Radfahrer ausgelegt sind. Bei Radtouren hört an solchen Steigungen die Gemütlichkeit auf. Laut Forstamtsleiter Krämer gibt es zudem einige schmale Passagen, die für Pedaltreter - gerade auch bei Gegenverkehr - problematisch werden könnten. Erlaubt ist die Radelei ohnehin nur auf befestigten Wegen, die sportliche Herausforderung im Unterholz ist auch für Mountainbiker tabu. „Für Radler gibt es speziell gekennzeichnete Wege”, so Krämer, die Rundkurse sollten sie eher den Wanderern, Walkern und Joggern überlassen.

Und für Jogger, bei denen es nach Einbruch der Dunkelheit noch in den Beinen kribbelt, gibt es beleuchtete Laufstrecken. Auch auf diese Pisten - etwa am Hangeweiher - wird auf der Rückseite der Wanderkarte hingewiesen, damit möglichst niemand auf die Idee kommt, im Dunkeln noch einen der ausgewiesenen Rundkurse zu absolvieren. Einerseits stört das nämlich die Nachtruhe von Fuchs, Hase & Co. („auch das Ökosystem Wald muss mal seine Ruhe haben”, betonte der Forstamtsleiter) und außerdem ist die Lauferei auf dem mitunter unebenen Waldboden nicht ohne Risiken.

Aber an den Fall der Fälle ist auch gedacht: Auf der Rückseite der Wanderkarten wird das System der Rettungspunkte erklärt. Insgesamt 37 Tafeln sind im Aachener Wald installiert, auf denen neben der Rufnummer der Feuerwehr-Leitstelle (Tel. 0241/19296) auch die Nummer des jeweiligen Rettungspunktes angegeben ist. Diese sind auf der Wanderkarte markiert und auch im Computer der Feuerwehr hinterlegt. Wer Hilfe braucht, kann mit dieser Nummer den Rettern präziser seinen Standort angeben als mit Beschreibungen wie „ich sehe lauter Bäume”.

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