Aachen: Im Ludwig-Forum entsteht ein Archiv für zeitgenössische Kunst

Aachen: Im Ludwig-Forum entsteht ein Archiv für zeitgenössische Kunst

„Aachen ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Künstler und Sammler und eine bedeutende Kunststadt“, betont Brigitte Franzen, Direktorin des Ludwig-Forums für Internationale Kunst Aachen. Gemeinsam mit den Projektpartnern und Sponsoren stellte sie jetzt die Details für das Projekt „Plattform Aachen“ vor.

Ab Oktober soll in den Räumen an der Jülicher Straße in Nähe zur bestehenden Bibliothek und dem Videoarchiv ein Archiv für Innovative Kunst etabliert werden.

„Es geht darum zu dokumentieren, dass Aachen eine einzigartige Plattform für Künstler war und ist, von der aus sich die Kreativität in ganz Deutschland und Europa ausgebreitet hat“, erklärt Franzen. International bekannte Künstler und Architekten wie Rudolf Schwarz, Mies van der Rohe, Karl Otto Götz, Karl Fred Dahmen, Gottfried Böhm, Peter Lacroix, Irmel Kamp-Bandau und Wilhelm Schürmann stehen durch ihre Herkunft oder ihre Tätigkeit von Aachen aus exemplarisch für diese Entwicklung.

Private Sammler, Kuratoren, Kritiker, Journalisten und Wissenschaftler haben von Aachen aus international agiert — allen voran Peter und Irene Ludwig, gefolgt von Klaus Honnef, Eduard Beaucamp, Walther Grasskamp, Renate Puvogel, die Zeitschrift Arch +, Hugo und Ingrid Jung, Manfred Speidel und Marie Hüllenkremer.

Wie Kulturdezernent Wolfgang Rombey unterstrich, ginge es darum, die Bedeutung des Hauses als Nachfolgerin der „Neuen Galerie“ sowie Aachens als Standort für die Bildende Kunst herauszustellen, zu erforschen und für die Nachwelt zu dokumentieren. „Schon länger hat der Wunsch nach einem solchen Archiv bestanden.

Die Jubiläumsschau im vergangenen Jahr hat bereits das Augenmerk auf die Ursprünge der heutigen Sammlung gelegt. Nun erfolgt ein zentraler nächster Schritt, es geht hierbei um die jüngere Geschichte unserer Stadt“, sagt Rombey.

In der Nachkriegszeit hat Aachen die bundesweite Kunstszene beeinflusst. Das Archiv soll den Zeitraum ab den 60er Jahren bis heute umfassen und in den nächsten fünf Jahren aufgebaut werden. Die Gesamtkosten liegen für fünf Jahre inklusive Ausstellungen und Abschlusspräsentation bei 541.000 Euro, wobei auch die Einrichtung einer befristeten zusätzlichen Kuratorenstelle inbegriffen ist.

Hubert Herpers vom Vorstand der Jugend- und Kulturstiftung der Sparkasse Aachen und Ingrid Stoppa-Sehlbach, Referentin des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, unterstützen das Vorhaben mit jeweils 150.000 Euro. Hinzu kommen Eigenmittel aus dem laufenden Etat, und auch die Freunde des Ludwig-Forums unter Vorsitz von Ernst Höhler tragen zur Finanzierung bei.

„Wir haben bereits 2011 mit dem großen Ausstellungsprojekt „Nie wieder störungsfrei! Aachen Avantgarde seit 1964“ begonnen, die ortsspezifische Geschichte der zeitgenössischen Kunst zu dokumentieren. Ziel ist nun ein aktives Archiv, das sich in Aachen verankert und auch als Anlaufstelle für Wissenschaftler und Künstler fungieren soll“, erklärt Franzen, die mit großer Leidenschaft an die Arbeit geht, um das Aachener Netzwerk für zeitgenössische Kunst erlebbar zu machen.

Mies van der Rohe

Ideen, einzelne Aspekte anhand von Ausstellungen der Öffentlichkeit zu präsentieren, gibt es viele. 2015 gibt es zudem eine Sonderausstellung zu Mies van der Rohe, und auch eine Buchreihe zu Einzelthemen im Archiv ist denkbar. „NRW ist ein lebendiges Kulturland. Von Aachen aus gingen in der Nachkriegszeit viele Impulse, die zu erforschen wir fördern wollen“, betont Stoppa-Sehlbach, die nach eigenen Worten von der Projektidee sofort begeistert war.