Aachen: Im Hof wird ein 125 Meter langer Tunnel gegraben

Aachen: Im Hof wird ein 125 Meter langer Tunnel gegraben

Weil selbst dem Oberbürgermeister irgendwann der Kragen geplatzt ist, werden Baustellen in Aachen später eingerichtet, teilweise bis ins Jahr 2017 verschoben. Das teilte Planungsdezernentin Gisela Nacken nun auf der turnusgemäßen Pressekonferenz über die anstehenden Planungen für die nächsten drei Monate mit.

Ein Beispiel für die Verschiebung: die Hartmannstraße, die im unteren Teil noch erneuert werden muss. Doch gleich nebenan geht es trotzdem weiter: Nach Karneval wird in der Elisabethstraße ausgeschachtet, Gas, Wasser und Strom werden neu verlegt. Mit Verzögerungen durch archäologische Funde ist zu rechnen, am Mittwoch, 30. Januar, 19 Uhr, im Besitos, ist eine Bürgerinformation.

Ebenfalls nach den tollen Tagen beginnen die Arbeiten in zwei noch sensibleren Bereichen der Innenstadt, dem Hof und einem Teil des Pfalzbezirks (Katschhof/Ritter-Chorus-Straße/Johannes-Paul-II.Straße), wo die Abwasserrohre erneuert werden müssen. Dort werden Wühlmäuse sich unterirdisch vorarbeiten. Durch einen Stollenvortrieb wie im Bergbau, Abbau des — wahrscheinlich ebenfalls archäologisch durchsetzten — Erdreichs per Hand in einem nur 1,40 Meter hohen und 125 Meter langen Tunnel im Hof, wird der Fortgang der Arbeiten sehr langsam sein, entsprechend hoch sind die Personalkosten.

Doch die Straßenoberfläche wird geschont, zu sehen ist jeweils nur die Einstiegsgrube. Im Hof wird sie an der Seite vor dem kleinen Platz angelegt, etwa fünf mal 15 Meter groß. Durch die unterirdische, sehr kostspielige Vorgehensweise ist auch der Aushub sehr gering, wahrscheinlich wird ein Lkw pro Tag den Abraum über die Krämerstraße abfahren (Bürgerinformation am Montag, 28. Januar, 19 Uhr, über dem „kafarna:um“). Im Pfalzbezirk wird die vorhandene Grube an der Ecke Jakobstraße/Johannes-Paul II.-Straße genutzt. Weiter gehen auch die Arbeiten auf der Ursulinerstraße, die vor Weihnachten unterbrochen worden waren, Fertigstellung jeweils Ende 2013. Nacken: „Zum Karlsjahr wollen wir keine Baustelle offen haben.“

Die Dezernentin zeigte Verständnis für durch Staus und Umleitungen genervte Verkehrsteilnehmer, erläuterte aber noch einmal die Notwendigkeit vor allem der Kanalbauten. Die vorhandenen Rohre in der Innenstadt stammen nämlich aus den Jahren 1860 bis 1900 und befinden sich in einem sehr schlechten Zustand. Sie sei froh, dass es — bis auf einen Fall in Burtscheid — nicht zu Fahrbahneinbrüchen gekommen sei.

Zwei Vorurteilen trat Gisela Nacken allerdings entschieden entgegen. Dass Baustellen in Aachen erstens immer länger dauerten und zweitens immer teurer würden als geplant. Zu diesem Behufe hat sie alle Straßenbauprojekte aus den letzten drei Jahren, die mehr als 200.000 Euro gekostet haben, unter die Lupe nehmen lassen (Gesamtvolumen 20 Millionen Euro). Das Ergebnis über alle: Sie wurden vier Prozent schneller fertig als vorgesehen und unterschritten das vorgesehene Budget um 1,5 Prozent. Nacken: „Das waren im Schnitt Punktlandungen.“ Die Viktoriaallee etwa war auf 1,6 Millionen Euro veranschlagt, am Ende waren es 300.000 Euro weniger.

Nicht auf der Fahrbahn, sondern auf dem Bürgersteig arbeiten in der Regel die Baukolonnen im Auftrag von NetAachen. Nachdem die Innenstadt schon weitgehend mit Glasfaserkabel versorgt ist und 2000 Gebäude schon angeschlossen sind, geht man nun weiter in Richtung Rehmviertel vor. Mehr dazu: www.aachen.de/baustellen.