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Aachen: Im Digital Hub sollen die kreativen Köpfe rauchen

Aachen : Im Digital Hub sollen die kreativen Köpfe rauchen

Von der Schlosskirche in Wittenberg einmal abgesehen, waren Kirchen in Europa lange Zeit nicht gerade die Orte, an denen Revolutionen entfacht wurden. Nichts weniger soll aber nun in der ehemaligen Kirche St. Elisabeth entstehen, das war zumindest der Tenor bei der Eröffnung des Digital Hub, der sich darin eingenistet hat.

Es soll ein Treffpunkt für kleine Start-ups und etablierte Unternehmen sein, um sich auszutauschen, zu arbeiten und neue Ideen zu entwickeln.

Einige markante Details hat die Eigentümerin, die Firma Landmarken AG, aus der Zeit übernommen, als der Sakralbau noch als „Hotel Total“ von sich reden machte. Zum Beispiel die Bar anstelle des Altars, nur dass darüber jetzt der leuchtende Schriftzug des inzwischen abgerissenen Elisée-Kinos prangt. Auch die Kubusse, in denen früher übernachtet wurde, stehen noch im Kirchenschiff — nur sind es jetzt eben Arbeitsplätze.

Oberbürgermeister Marcel Philipp zeigte sich jedoch überzeugt von dem Konzept: „Wir sind in Aachen bei so vielen Forschungsbereichen schon in der Zukunft angelangt, warum also nicht auch bei der Digitalisierung?“ Bei solchen Entwicklungen sei man ansonsten in der Kaiserstadt ja bislang eher etwas vorsichtig gewesen, sagte er.

Malte Brettel, RWTH-Prorektor und Vorstand des Vereins Digital Hub, war guter Dinge, dass diese Melange aus Tradition und Moderne nicht nur im architektonischen Sinn gut zusammenpassen wird. „Viele Studierende sind hier hereingekommen und haben gesagt, dass man diesen Raum jetzt mit Leben erfüllen müsse“, sagte er. So habe er die Hoffnung, dass es dereinst wieder mehr Gründer aus dem Umfeld der Hochschule geben werde.

Ein kühles Plätzchen

Der Ehrengast an diesem Abend, FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner, unterstrich die Grundidee dieses neuen Tummelplatzes: „Ich kann mir keinen besseren Ort vorstellen als diesen Digital Hub, um die traditionelle Kraft der Industrie, die uns über ein Jahrhundert lang Wohlstand gesichert hat, mit dem Neuen zu verbinden.“ Den rund 550 anwesenden Gästen versuchte er auch ein wenig die Angst vor der Digitalisierung zu nehmen. „Natürlich können 30 Prozent der Arbeitsplätze dadurch wegfallen, aber dafür entstehen 50 Prozent zusätzliche Arbeitsplätze, die wir heute noch gar nicht kennen“, sagte er.

Und auch wenn die großen Technologiegiganten allesamt aus den Vereinigten Staaten kämen, müsse Europa lernen, den Schutz von Verbrauchern und ihren Daten als Standortvorteil zu begreifen. Welchen Beitrag dazu die einstige Kirche am Blücherplatz leisten kann, muss sich erst noch zeigen, wenn die Arbeit dort Fahrt aufgenommen hat.

Eines aber ist jetzt schon gewiss, und für die bevorstehenden heißen Sommertage nicht ganz unwichtig: auch bei sengender Hitze ist es in dem steinigen Gemäuer immer angenehm kühl. Jetzt müssen nur noch die guten Einfälle her.