Illegales Autorennen in Aachen beschäftigt das Amtsgericht

Illegales Autorennen : Mit Tempo 140 ging’s an der Justiz vorbei

Illegale Straßenrennen mit PS-starken Fahrzeugen haben in der Vergangenheit Tote gefordert und mehrfach die Gerichte beschäftigt. Beim Vorfall vom 30. Juni 2018 soll es ein Autorennen nachts gegen 1.15 Uhr auf dem Adalbertsteinweg gegeben haben, das jetzt vor Amtsrichterin Katharina Detering anhängig ist.

Die Zeugenaussagen am ersten Prozesstag gegen den Lenker eines der beiden mutmaßlichen Raserfahrzeuge, ein 24-jähriger Industriemechaniker aus Aachen, zeigten bereits, dass der Fall nicht die Brisanz hat wie etwa das Berliner Mordverfahren gegen einen Todespiloten bei einem illegalen Renn auf dem Ku’damm. In Aachen kam niemand zu Schaden. Doch das kann keine Entschuldigung für nächtliche Raserei sein. Laut Aussage der Polizei erreichte der Fahrer exakt auf Höhe des Landgerichts Tempo 140. Kurz hinter der Josefskirche gaben beide Fahrzeuglenker laut Polizei auf, einer von ihnen wurde gestellt.

Das Rennen soll laut staatsanwaltschaftlicher Anklageschrift unmittelbar nach dem parallelen Einbiegen eines Audi S3 Sportback (rund 300 PS) und eines silbergrauen Opel – technische Ausführung unbekannt – am Kaiserplatz auf dem Adalbertsteinweg begonnen haben. Die Staatsanwaltschaft klagt ein illegales Kfz-Rennen auf innerstädtischen Straßen an. Was kein Beteiligter nachts auf der Rückfahrt aus der Pontstraße nach Hause ahnte: Auf normaler Streifenfahrt nahte aus Richtung Heinrichs­allee die Polizei mit einem BMW, ein Fahrzeug, das ebenfalls gut motorisiert ist, darin zwei Beamte und ein Auszubildender.

Der Fahrer des Polizeifahrzeuges, ein 45-jähriger Beamter, berichtete vor der Richterin, wie die beiden Wagen parallel abbogen und plötzlich nach dem Passieren des Steffensplatzes Tempo aufnahmen und in Richtung Josefskirche jagten. „Wir fuhren sofort hinterher. Als die Tachonadel 140 km/h anzeigte, war bei unserem Fahrzeug nichts mehr zu holen“, schilderte der Fahrer die Verfolgungsjagd. Doch da seien die beiden Wagen, die auf den zwei Spuren den leeren Adalbertsteinweg hochdonnerten, bereits an der scharfen Kurve an der Josefskirche aus dem Gesichtsfeld verschwunden.

Als der Streifenwagen um die Biegung fuhr, habe man unmittelbar rechts einen silbernen Wagen auf Höhe der dortigen Spielhalle bemerkt, der auf der Spur parkte. Weiter hinten an der Einmündung Oranienstraße stand der zweite Wagen. Jenen Audi stellte die Polizei, vom Fahrer ließ sie sich die Papiere zeigen. Alle Insassen mussten aussteigen, neben dem Angeklagten ein Freund auf dem Beifahrersitz und die Lebensgefährtin des Angeklagten im Fonds. Auf die Raserei angesprochen, habe der Angeklagte gesagt: „Es war eine Dummheit, ich hätte mich nicht darauf einlassen sollen.“

Wo denn der andere Wagen geblieben sei, fragte die Richterin. Das Thema war dem Beamten sichtlich peinlich. Nein, man habe weder Kennzeichen noch sonst etwas. Der Fahrer habe sich unbemerkt mit dem Fahrzeug aus dem Staub gemacht, erklärte der Zeuge. Warum man niemanden dorthin geschickt habe, wollte auch der Anwalt des Angeklagten wissen. Darauf gab es keine Antwort.

Eigentlicher Auslöser

Nach der weiteren sehr glaubhaften Zeugenaussage des Audi-Beifahrers wird kaum zu widerlegen sein, dass der Fahrer des silbernen Pkw der eigentliche Initiator der Fahrt war. Er habe Gas gegeben und sich immer wieder zurückfallen lassen, erklärte der Beifahrer. Zweifellos habe sodann auch sein Kumpel „etwas beschleunigt“, aber über geschätzte 80 km/h sei man nicht hinausgekommen. Die Freundin des Angeklagten erklärte, dass ihr Freund ansonsten „ein vorausschauender und ausgeglichener Fahrer“ sei. Sie selber habe die schnelle Fahrt gar nicht bemerkt. Der Angeklagte äußerte sich bislang nicht zu den Beschuldigungen.

Der Prozess wird mit weiteren Zeugen am kommenden Dienstag ab 9 Uhr im Amtsgericht fortgesetzt. Ein Urteil wird dann bereits erwartet.

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