Aachen: Illegale Altkleidercontainer machen caritativen Träger Konkurrenz

Aachen : Illegale Altkleidercontainer machen caritativen Träger Konkurrenz

Die örtlichen Hilfsorganisationen können weiter darauf hoffen, dass ihnen das Altkleider-Geschäft nicht völlig entrissen wird. Dezernent Lothar Barth kündigte am Dienstag an, in Kürze die Vertreter aller Wohlfahrtsverbände einzuladen und mit ihnen gemeinsam eine „rechtssichere Lösung“ für die Vergabe von Container-Konzessionen zu erarbeiten.

Damit geht die Verwaltungsspitze zunehmend auf Distanz zu ihren eigenen Plänen, wonach Stellplätze für Altkleidercontainer europaweit ausgeschrieben und meistbietend vergeben werden sollten. Die Stadtspitze verbindet damit gleich mehrere Hoffnungen: Sie will dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz gerecht werden und glaubt, höhere Einnahmen erzielen und zugleich die Zahl wilder Container eindämmen zu können. Übersehen hat die Stadt aus Sicht der Wohlfahrtsverbände dabei jedoch einen wichtigen Aspekt: Den sozialen Einrichtungen vor Ort ginge eine wichtige Einnahmequelle verloren.

Wie lukrativ das Geschäft mit den Altkleiderspenden ist, ist alleine an der wachsenden Zahl wild abgestellter Container im Stadtgebiet zu erkennen. Pro Kilo Alttextilien zahlen nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) seriöse Verwerter derzeit 24 Cent. Als größter Sammler in der Stadt mit rund 60 Containern nimmt alleine das DRK Aachen jährlich rund 140.000 Euro durch Altkleiderspenden ein — Geld, das für soziale Projekte oder den Katastrophenschutz eingesetzt wird.

Auch der gemeinnützige Verein Wabe ist mit sechs Containern auf Spenden angewiesen, aus denen insbesondere die drei Sozialkaufhäuser bestückt werden. Wabe-Geschäftsführer Alois Poquett ärgert nicht nur, dass die Stadt das Feld künftig ganz legal der privaten Konkurrenz bereiten will, sondern dass sie schon jetzt so wenig gegen die illegale Konkurrenz unternimmt. Schließlich würden caritaive Organisationen wie DRK, Wabe, Malteser oder Johanniter seit Jahren brav Anträge auf Genehmigungen stellen und Container-Gebühren zahlen, „während andere dreist sich irgendwo hinstellen“, ohne ein Eingreifen der Stadt fürchten zu müssen.

Denn die tut sich mit der Entfernung illegal aufgestellter Container sichtlich schwer. Man könne nicht einfach fremdes Eigentum einsammeln, heißt es. Ein aufwendiges Vollstreckungsverfahren sei nötig. Und die gewerblichen Aufsteller seien kaum zu ermitteln.

Diese Zögerlichkeit und Ängstlichkeit vor Regressansprüchen hält Poquett für unverständlich: So hat er bereits vor Monaten vorgeschlagen, mit illegalen Containern nicht anders zu verfahren, als mit am Straßenrand abgestellten Schrottautos oder Schrottfahrrädern. Auch die werden nach einer gewissen Frist abtransportiert, zwischengelagert und schließlich beseitigt. Die Wabe könne sich vorstellen, alle wilden Container einzusammeln und auf dem Betriebsgelände drei Monate abzustellen. „Wenn der Besitzer in der Zwischenzeit kommt, kann er den Container gegen eine Gebühr wiederhaben. Wenn nicht, werden sie umgespritzt und den Caritativen überlassen“, bietet er an.

Gut möglich, dass Poquett bald Gehör findet und die caritativen Träger weiterhin den ersten Zugriff auf das Altkleidergeschäft haben. Um eine „rechtssichere Lösung“ zu finden, will die Stadt nun laut Dezernent Barth auch Rat beim Städtetag und beim Verband kommunaler Unternehmen suchen.

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