Aachen: Idylle in der Soers: Umweltausschuss im Müsch-Park

Aachen: Idylle in der Soers: Umweltausschuss im Müsch-Park

Wieder ist Napoleon an allem Schuld. In Aachens „Franzosenzeit” (1792 - 1814) wurde um das Jahr 1805 ein Park angelegt, der nach zwei Jahrhunderten in wechselvollem Privatbesitz seit drei Jahren der Stadt gehört.

Noch kennt kaum einer das öffentlich zugängliche Kleinod: In der Soers klettert der rund zehn Hektar große Müsch-Park den Nordhang des Lousbergs hinauf.

Wer sich in der Kurve Purweider Weg/Strüverweg vor dem ehemaligen Kloster St. Raphael von der Aufschrift „Privatweg” am rot-braunen Steintor nicht abschrecken lässt, steht schon nach wenigen Metern in einer Landschaft wahrhaft arkadischer Idylle.

Auf den Spuren Arkadiens, das griechische und römische Poeten als das Land guter ländlichen Sitte und stillen Friedens besangen, wandelte dieser Tage der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz, geführt von Christoph Ruckert vom Fachbereich Umwelt. „Ein wunderschönes Stück Natur. Man kann jedem empfehlen, einmal hinzugehen”, schwärmte nach dem Rundgang nicht nur die Ausschussvorsitzende Sabine Göddenhenrich.

Aber zurück zu Napoleon: Der Generalsekretär der französischen Präfekte im damaligen Roer-Departement mit der Hauptstadt Aachen, ein Mann namens Wilhelm Körfgen, kaufte 1803 den Wirtschaftshof Müsch. Auf den Wald- und Wiesenflächen ließ er einen Landschaftspark mit exotischen Bäumen anlegen, dessen Charakter noch heute gut zu erkennen ist.Und mittendrin grast eine Schafherde - ganz so wie in Arkadien. In den Höhlen von Roteichen und Rotahorn, nordamerikanischem Mammutbaum, Buchen und Eiben hausen die Fledermäuse, der Schwarzspecht und vielfach der Waldkauz.

Ein wenig steil, aber gut begehbar führt der Weg links an der nördlichen Aussichts-Plattform des Lousbergs - der „Hängemattenwiese” - vorbei, bis er oben auf die Buchenallee trifft. Von dort lockt eine Treppe den Wanderer wieder den Müsch-Park abwärts. Allenthalben öffnen sich atemberaubende Blickachsen über den Park und in die Soers und über die Berensberger Höhe jenseits des Tals bis hin zur riesigen Abraumhalde des Alsdorfer Reviers.

In der Kastanienallee wird der Schritt zu einem mondsichelförmigen dunklen Teich gelenkt, wo die Erdkröte laicht. Der Weiher ist eine von drei durch ein hydrauliches System miteinander verbundenen Teichanlagen nebst einem Zierbecken im Park, raffiniert die geologische Besonderheit der reichlich Wasser leitenden Tonschicht des Lousbergs nutzend.

Noch eine Attraktion - schon in einem Exkursionsbericht einer baumkundlichen Gesellschaft 1913 hervorgehoben - tut sich rechts eines Pfades auf: Im Stamm einer Blutbuche prangt eine im Lauf der Jahrzehnte mit der Baumrinde gewachsene und sich breit auseinanderziehende, immer noch lesbare Inschrift: 1845 Heinrich und Johanna Kesselkaul - „frühere Besitzer, die 1845 Gut Müsch verkauften und sich dort im Abschiedsschmerz verewigt haben”, erzählt Christoph Ruckert. Am Ende des Rundgangs stößt der Parkbesucher wieder auf das steinerne Eingangstor und entdeckt zum Abschied rechts hinter Büschen verborgen den größten Teich der Parklandschaft, ein stilles romantisches Biotop.

Eingetragenes Gartendenkmal

Die Stadt handelte vor drei Jahren entschlossen: Sie kaufte den zum 1903 in einer ehemaligen Textilfabrik gegründeten Kloster St. Raphael gehörenden Müsch-Park nach der Klosteraufgabe im Rahmen der Euregionale 2008 vom Orden der „Töchter vom Heiligen Kreuz”. Die frommen Schwestern, die lange auch ein „Heim für schulentlassene und gefährdete Mädchen” führten, hatten den Park 1929 zu ihrem Kloster hinzuerworben, um die beabsichtigte Einrichtung eines „Etablissements zweifelhaften Rufs” in einem der ehemaligen Wirtschaftsgebäude von Gut Müsch zu verhindern.

Der Müsch-Park, seit 2010 eingetragenes Gartendenkmal, zählt nun zum Landschaftspark Lousberg. Von der dortigen Buchenallee entlang am Nordhang führt der im Rahmen der Euregionale 2008 angelegte „Weiße Weg” durch den Müsch-Park weiter in den Pferdelandpark Aachen-Herzogenrath-Kerkrade.

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