Aachen: ICE-Halt: Bunker wird durchbohrt

Aachen: ICE-Halt: Bunker wird durchbohrt

Als Martin Fauck, kommissarischer Leiter des Planungsamtes, seine Präsentation beendete, waren die Mitglieder des Planungsausschusses durchweg angetan. Fauck hatte in anschaulicher Form die Pläne für den neuen ICE-Halt am Aachener Hauptbahnhof samt dazugehöriger Planung für einen neuen Südzugang des „schwierigen” Bahnhofs auf den Tisch gelegt.

Wichtig für die Politiker wie natürlich für potenzielle Nutzer der Hochgeschwindigkeitsverbindung London/Frankfurt ist die Nachricht, dass der Halt in Aachen trotz erheblicher Kosten nun im Bahnentwicklungsplan gleichrangig mit Bonn, Köln und Brüssel rangiere. Fauck legte denn auch offen, dass die Berechnungen der Bahn mit Gesamtkosten von 10,4 Millionen Euro rund vier Millionen Euro höher sind, als die von dem Aachener Planungsbüro Kempen/König getätigten Berechnungen.

Beide Planergruppen hätten allerdings bereits an einem Tisch gesessen und sich ausgetauscht, berichtete der Verwaltungsmann über den Stand der Dinge. Wichtig zu wissen ist, dass bei den von der Bahn berechneten Kosten am Ende nach Abzug der Fördermittel etwa 1,5 Millionen hängen bleiben würden. „Dieser Betrag verringert sich natürlich entsprechend, wenn wir unsere eigenen Berechnungen zu Grunde legen”, meinte Fauck. Und er machte keinen Hehl daraus, dass er selbst die Einschätzung der hiesigen Ingenieure teile.

Die Planung sehe eine Überdachung der Gleise 8 und 9 vor sowie einen neuen Abfertigungsterminal, das für die Ausreisekontrolle nach Großbritannien nötig sei. Die scharfen Bestimmungen, die der Deutschen Bahn insbesondere von der britischen Tunnelgesellschaft auferlegt werden, bringen die hohen Kosten mit sich. In einer ersten Phase habe Kempen/König die Bausumme auf 2,6 Millionen berechnet. Da werde dann eine neu zu bauende Brücke von der Kasinostraße aus auf dem Bahnsteig der Gleise 8 und 9 enden.

In der letzten Ausbauphase wird jene Brücke über die gesamte Breite der Gleisanlage verlängert und endet dann auf Gleis 1. Für die Anbindung des Hauptbahnhofs an die Burtscheider Seite seien, das bestätigte auch Baudezernentin Gisela Nacken, bereits alle notwendigen Grundstücke im Besitz der Stadt. Der inzwischen unter Denkmalschutz stehende Luftschutzbunker aus Hitlers Zeiten ist bereits an einen Investor verkauft.

Der habe sich, erläuterte Fauck, sogar damit einverstanden erklärt, eine Zufahrt durch das Unter- und Erdgeschoss des Bunkers zu legen. Die Zufahrt erreiche das nötige Maß von acht Meter Breite und fasse zwei Fahrspuren. Schneller geht die fußläufige Anbindung des Südzugangs, die gegenüber der Bend­straße beginnt, eine Fahrradanbindung ist bereits ab Kapitelstraße vorgesehen. Das alles könne auch durch Fördermittel mitfinanziert werden, die für die Verbesserung des Regional- und des Nahverkehrs bereitstehen, erklärte Nacken.

Maike Schlick (CDU) hörte das gerne, denn sie wollte gemauer wissen, welche Fördermittel beantragt seien. Für Claus Haase würden mit der ICE-Planung „zwei Fliegen mit einer Klappe” geschlagen, weil „das ICE-Gleis” endlich eine Überdachung brauche. Auch jetzt schon stünden die Fahrgäste bei den langen Zügen des öfteren im Regen.

Sigrid Moselage fand es einen „Knaller”, dass der Bunker bereits unter Denkmalschutz stehe und somit nicht abgerissen werden kann. Gisela Nacken hellte auf mit dem Einwurf „da war wohl vorrangig die Inneneinrichtung von Interesse”, was leider den nicht attraktiven Baukörper drum herum einschließt.

Schließlich stimmte der Ausschuss einstimmig für die Beantragung der Fördermittel. Es geht mächtig voran mit dem ICE-Halt.