Aachen: Hymne „Et jölde Hazz va Oche“: Da tobt der Saal

Aachen : Hymne „Et jölde Hazz va Oche“: Da tobt der Saal

Als nach einer glänzenden Laudatio von Karl Allgaier im Krönungssaal des Rathauses die Zeit gekommen war, den designierten Thouet-Preisträger von 2016, Markus Krings, in den Rang eines ordentlichen Ritters der Öcher-Platt-Tafelrunde zu erheben, da dachte das Publikum: Bislang war es super, was soll da noch kommen?

Doch nachdem Oberbürgermeister Marcel Philipp und Jury-Sprecher Oliver Thouet den renommierten Preis für überragende Verdienste um Erhalt und Verbreitung der Öcher „Modder­sproech“ übergeben hatten, legte der 24-jährige Preisträger erst einmal richtig los.

In seiner Dankesrede, in echtem Öcher-Deutsch „Merssi-Wooet“ genannt, brillierte das jüngste Mitglied des Aachener Vokalensembles „capella a capella“ mit eingängigen Sprachbildern und öffnete einen großen Karton voller vaterstädtischem Humor. Mit seinen sprachphilosophischen Betrachtungen etwa der Semantik des simplen Öcher Zweibuchstaben-Wortes „dä“ brachte er den Saal binnen Sekunden auf seine Seite.

„Dä“ sage der Öcher in verschiedensten, selbst oftmals gegensätzlichen Bedeutungen. Etwa wenn etwas Unabänderliches passiert ist und der Öcher es begreift, rufe er ergeben aus: „Dä!“ Als erstaunten emotionalen Unterstrich benutze er die zwei Buchstaben ebenso selbstverständlich: „Dä“, sage der Öcher, wenn er auf Erstaunliches oder Unbegreifliches hinweisen wolle.

Ähnliches gelte für den im Hochdeutschen kaum zu interpretierenden Ausruf „och herm!“, ein seelischer Seufzer, der sprachlich anscheinend universal einsetzbar ist. Und auch das „aue Büll“ klinge wesentlich versöhnlicher als das böse Wort „alter Sack“.

All das, klärte der junge Doktorand der Biologie das Publikum auf, habe er in seiner Familie vor allem der Oma zu verdanken, die ihm die „Moddersproech“ von Kindesbeinen an beigebracht habe. Weiterer Dank galt seinen Lehrern Gerhard Dünnwald, dem ehemaligen Leiter der Domsingschule, natürlich dem Altmeister der Öcher Sprache, Hein Engelhardt, und Franz Baumann, der ihn sehr unterstützt habe.

Als junger Gewinner des Öcher-Platt-Wettbewerbs für Schulen unterstützt der Preisträger heute nun selbst die Kinder bei ihren eifrigen Bemühungen.

Flott und abwechslungsreich

So mochte es kaum verwundern, dass aus dem aktuellen Öcher-Platt-Wettbewerb für Schulen der kleine Paul Hahn, der etwas größere Jason Kocurek und die sehr begabte Feli Zwingmann mit ihren Rümmselchern den Saal begeisterten, getoppt nur durch den fantastischen und anrührenden Auftritt der Kinder der Domsingschule, die so richtig Applaus einheimsten. Das Programm in diesem Jahr war flott, wie gewohnt professionell begleitet von Ägid Lennartz am Keyboard.

Nach hochklassigem Öcher Dichtgut von und mit Hein Engelhardt wechselte das Genre zum Musical. Nicole Malangré und Dietmar Ziegler sangen Auszüge aus dem Musical „Karl der Große“, von Autor Karl Frenzel selber angekündigt.

Verena Clemens und Marianne Windmüller von den Öcher Nölde glänzten mit dem Sketch um schwierige Hochzeitsvorbereitungen, das Moderatoren-Duo Jan und Manfred Savelsberg hatte die Lacher mit einem eigenen Sketch, Titel „Minge Laptop“, auf seiner Seite. Richtig Stimmung machte dann das Ensemble „De Originale“. Unter dem Motto „mal anders“ sang man die Hymne auf „et Körverjäjßje“.

Dann brachte es Herbert Oprei beinahe mühelos fertig, den Saal zu einem recht wohlklingenden „Öcher Kanon“ anzuleiten. Die besondere Überraschung für den Preisträger erbrachte seine „Heimatkapelle“. Mit dem „Gaststar“ Dompropst Manfred von Holtum in seiner Mitte sang das „capella a capella“-Ensemble verschiedene Melodien für seinen Markus, es ging von zarten Jodeleinlagen bis hin zum Weihnachtslied.

Als dann am Ende — aber noch vor dem traditionellen gemeinsamen Singen von „Urbs Aquensis“ — Krings selbst zum Mikro griff und gemeinsam mit seinem Chor-Freunden die Hymne „Et jölde Hazz va Oche“ anstimmte, da waren ihm und allen die Standing Ovations sicher.

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