Aachen: „Hotel Total“: Aus der alten Kirche wird ein neuer Ort der Begegnung

Aachen : „Hotel Total“: Aus der alten Kirche wird ein neuer Ort der Begegnung

„Wir wünschen uns viele positive Schwingungen“, sagt Patricia Yasmine Graf vor der Eröffnungsfeier für das „Hotel Total“ — das Projekt, in das sie mit ihren Partnerinnen Julia Claire Graf und Anke Didier so viel Arbeit gesteckt hat. Und sie bekommt positive Schwingungen. Denn am Freitagabend sieht man nur glückliche Gesichter in der umgebauten Kirche St. Elisabeth. Alle Beteiligten sind erleichtert und stolz.

Im April war das Gotteshaus an der Jülicher Straße entwidmet worden. Aber was tut man mit einer Kirche, die keine mehr ist? „Wir hatten die Vision von einem urbanen Ort, an dem man Dinge sieht, die es sonst nicht gibt“, erklärt Patricia Graf die Idee zum „Hotel Total“.

Übernachten mal anders: Design-Studenten haben fünf würfelförmige Hotelzimmer konzipiert. Foto: Andreas Herrmann

Und diese Vision, ein Pilotprojekt im Rahmen des Programms CreateMedia.NRW, ist mit Fördermitteln und Sponsoren sowie mit engagierten Partnern Wirklichkeit geworden. Aus der Kirche ist ein Hotel der besonderen Art geworden. In fünf Cuben — kunstvoll gestaltet von Studenten der FH Aachen — können bis Oktober Gäste übernachten.

„Auf jeden Fall ist es sehr individuell, das habe ich so noch nie gesehen“, sagt Studentin Katharina Kunsti. Sie hat über Facebook von der Eröffnung erfahren und wollte sich das Event nicht entgehen lassen. „Es ist sehr schön, die ganzen Farben gefallen mir gut“, beschreibt sie ihren Eindruck.

Die ehemalige Kirche ist aber auch ein Begegnungszentrum. Wer mag, kann donnerstags bis sonntags von 11 bis 22 Uhr vorbeikommen. „Das Wichtigste für uns ist das Offensein“, betont Patricia Graf. Dabei spielt die „Gloria Bar“ eine zentrale Rolle — hier können Hotelgäste frühstücken, es wird ein Mittagsangebot geben, und abends kann man bei einem Getränk zusammensitzen. Dank der Leuchtbuchstaben des alten Gloria-Kinos ist die Bar ein echter Hingucker, der sofort ins Auge fällt.

Um 18 Uhr am Freitag öffnet das „Hotel Total“ seine Türen. Es riecht noch neu, nach Holz und Farbe, doch steht alles an seinem Platz und ist bereit, entdeckt zu werden. Unter den zahlreichen Besuchern sind die verschiedensten Menschen, von jung bis alt und mit unterschiedlichen Nationalitäten — der Wunsch der Organisatorinnen, mit dem „Hotel Total“ Integration zu leben, geht schon bei der Eröffnung in Erfüllung.

Mit etwas Verzögerung aufgrund von technischen Schwierigkeiten startet das Programm mit Musik von Organist Christian Debald, gefolgt von einer außergewöhnlich-experimentellen Tanzperformance, die das Publikum begeistert. Den Gästen wird viel geboten: Livemusik von Shanti Powa und Maziar Hakkak sowie DJ-Sessions von Dex Dexter und Youssef Elis sorgen für ausgelassene Stimmung.

Die Eröffnungsfeier macht Lust auf mehr. Und für Patricia Graf und ihre Partnerinnen steht fest: Schluss ist noch lange nicht! „Wir sind noch nicht fertig — bewusst. Denn wir lassen Raum für mehr“, sagt Anke Didier. Da es jetzt schon mehr Übernachtungsanfragen als Nächte in den kommenden drei Monaten gibt, hoffen die Organisatorinnen auf eine Verlängerung des Projekts. „Wir haben hier den Ort geschaffen, den wir selbst vermisst haben“, sagt Julia Graf.

Zum Jahresende wird die Kirche von der Aachener Landmarken AG erworben. Dann sollen die Weichen gestellt werden für die weitere Nutzung des Gebäudes.

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