Aachen: Hörgeschädigten-Zentrum: Herzensprojekt wird langsam Realität

Aachen : Hörgeschädigten-Zentrum: Herzensprojekt wird langsam Realität

Die Verwirklichung eines Herzensprojektes und den 80. Geburtstag innerhalb von zwei Tagen feiern zu können, das wirkte für Karl Merkelbach fast schon zu schön, um wahr zu sein. Am Samstag lud der Ehrenvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter, Freunde und langjährige Wegbegleiter in das Hörgeschädigten-Zentrum (HGZ) in der Talbotstraße ein und freute sich einen Tag nach seinem runden Geburtstag über den Beginn eines lang geplanten Bauvorhabens.

Doch alles nach der Reihe. Merkelbach und die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Hörgeschädigter sind seit über 50 Jahren untrennbar miteinander verbunden. Schon kurz nach der Gründung 1966 machte er sich mit großem Einsatz für die Interessen von Schwerhörigen sowie Gehörlosen in Aachen einen Namen und baute ein Kontakt-Netz auf, das heute von diversen Ämtern des Stadtbezirks bis hin in die Bundespolitik reicht.

Grundsteinlegung: Karl Merkelbach begrüßte die Gäste zu dem kleinen Festakt, den dann Architekt Hans Jansen und AG-Vorstand Arno Flachskampf (kleines Bild rechts) mit Zement und Spachtel abschlossen. Foto: Lamar-Aron Klassen

Nach jahrzehntelangem Einsatz krönte er sein Engagement am Samstag quasi in Eigenregie mit dem Start seines bislang größten Projekts. Wobei, ein bisschen Hilfe benötigte er dann doch: Zusammen mit HGZ-Geschäftsführerin Anne Elsen und der Vorstandsvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Brigitte Rothkopf, plante Merkelbach seit Monaten den Bau eines integrativen Wohnhauses für Hörgeschädigte. Nun erfolgte für dieses Vorhaben die lang ersehnte Grundsteinlegung.

„Immer wieder neue Hürden bei der Finanzierung konnten mit viel Einsatz übersprungen werden“, erzählte der Ehrenvorsitzende von den Schwierigkeiten bei der Planung einer Herzensangelegenheit. Denn wo häufig Kritik an mangelndem sozialen Wohnraum laut werden würde, da handle man lieber anstatt zu klagen, signalisierten Merkelbach, Elsen und Rothkopf im Einklang.

Die Finanzierung des 2,2 Millionen Euro teuren Projekts setzt sich schlussendlich aus Fördermitteln der NRW-Bank, der „Aktion Mensch“ sowie verschiedenen Spenden zusammen.

14 Wohnungen, davon acht für Alleinstehende, vier für Paare und zwei für Familien, wird das integrative Wohnhaus, dessen Fertigstellung bis zum 30. Juni 2019 erfolgen soll, bereitstellen und mit einem geplanten „Sinnesgarten“ auch eine Möglichkeit bieten, die Nachbarschaft zu sich einzuladen.

„Wir wollen hier nicht isoliert leben, sondern gerne den Kontakt zu Nachbarn in der Talbotstraße oder der Jülicher Straße suchen“, verriet Geschäftsführerin Elsen im Rahmen der Grundsteinlegung. Dazu sollen im HGZ, das direkt neben dem Wohnhaus liegt, weitere Freizeitangebote organisiert und womöglich auch ein kleines Café eröffnet werden.

Arno Flachskampf, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft, und der Architekt des Hauses, Hans Jansen, übernahmen am Samstag die praktische Arbeit. Mit Eimer und Spachtel ausgestattet legten sie den Grundstein für ein Haus, das nach Merkelbach „auch in 300 Jahren“ noch ein willkommenes Zuhause für Menschen mit Hörschädigung bieten soll.

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