Hörgeschädigte drehen eigenes Musikvideo

So wird Inklusion mit Leben gefüllt : In den Fußstapfen von Adel Tawil und Co

Ein ganzes Jahr Projektarbeit zwischen hörenden, hörgeschädigten und gehörlosen Jugendlichen hat sich mehr als gelohnt. Im letzten Jahr entstand innerhalb des Gebärdenchors „HandsUp“ der Wunsch für ein besonderes Projekt: Das Lied „Bis hier und noch weiter“ von Adel Tawil ft. KC Rebell & Summer Cem in Gebärdensprache zu übersetzen und es in einem Musikvideo darzustellen. Unter anderem durch die Unterstützung von Aktion Mensch konnte dieser Wunsch nun ermöglicht werden. Jetzt durften die 25 Jugendlichen ihr eigenes Video zum ersten Mal sehen.

Der Kinosaal des Apollo ist prall gefüllt, mit Eltern, Geschwistern oder Freunden, die stolzer nicht sein könnten. Die teilnehmenden hörenden Jugendlichen haben ihre Gebärdenkenntnisse in einer AG in der Grundschule KGS Am Römerhof erlernt. Durch die rege Nachfrage der Grundschüler, weiterhin Gebärdensprache zu lernen, ist der Gebärdenchor entstanden. Inzwischen sind die einige Mitglieder schon in der elften Klasse. Den Songtext haben sich die Schüler hauptsächlich selbst beigebracht, so dass in dem Video nicht mehr zu erkennen ist, wer hörgeschädigt oder hörend ist. „Der Song ist auch gleichzeitig unser Motto. Es wurde schon viel erreicht, aber es muss immer noch weiter gehen“, sagt Andrea Rogat, die das Projekt mit betreut hat.

Gedreht wurde das Musikvideo gemeinsam mit der Kölner Produktionsfirma „WirmachenFilm“ am alten Bahnhof in Raeren und dem benachbarten Mamorwerk.

Stunden vor der Kamera

An zwei Wochenenden im Sommer standen die Jugendlichen täglich zehn Stunden vor der Kamera. „Das war schon ziemlich anstrengend, viele Szenen mussten wir oft wiederholen, aber es hat sich gelohnt“, sagt Schülerin Eva.

Berührungsängste gab es keine. Viele Schüler kannten sich durch den Gebärdenchor ja schon vorher. „Am Anfang hatte man etwas Angst sich zu blamieren. Aber dann hat sich jeder wohlgefühlt“, freut sich Schüler Finn. Es wird schnell deutlich, dass durch das Projekt viele neue Freundschaften entstanden sind.

Auch die Produktionsfirma hat nur Lob für die Teilnehmer übrig: „Die Szenen waren relativ spontan, aber trotzdem habt ihr das unglaublich professionell gemacht.“

Über sich hinausgewachsen

Viele Jugendliche sind in dem Projekt über sich hinausgewachsen. Vor der Kamera stehen, in der Maske helfen, Kostüme aufeinander abstimmen, Regie­an­weisungen befolgen, möglichst synchron und ausdrucksstark gebärden und das mitten im Sommer – eine Herausforderung, die von jedem gemeistert wurde. „Ohne die Geduld, Motivation und Hilfsbereitschaft des Filmteams und die Unterstützung der Eltern, wäre das so nicht möglich gewesen“, sagt Silke Zaborsky.

Adel Tawil selbst habe das Video auch schon gesehen und findet es großartig. Es soll nun unter anderem auf seiner Homepage erscheinen.

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