Aachen: Höckerlinie an der Vaalser Straße muss nun der Tiefgarage weichen

Aachen : Höckerlinie an der Vaalser Straße muss nun der Tiefgarage weichen

Was macht man, wenn man neue große Gebäude errichten will, auf dem Grundstück aber ein Stück des Westwalls gefunden wird, 13 Meter breit und 70 Meter lang, so geschehen an der Vaalser Straße? Erst einmal ein dummes Gesicht.

Architekt Klaus Bernardi: „Es wirbelt den Zeitplan etwas durcheinander. Wir wollten schon längst bei den Pfahlgründungen sein.“ Was geschieht eigentlich mit den massiven Betonklötzen in fünf Reihen? „Sie werden zerstört. Wir hoffen, dass wir in 14 Tagen nicht mehr drüber reden müssen.“ Doch so einfach ausbaggern kann man die Kriegsreste nicht, normale Bagger würden sich an ihnen die Zähne ausbeißen. So ist nach einer Testphase eine Methode entwickelt worden, den Panzerhindernissen mit einer Art gewaltiger Kneifzange zu Leibe zu rücken. Die ersten Höcker sind damit schon zerkleinert worden.

Weshalb werden sie nicht erhalten, schließlich stellen sie auch einen Teil der jüngeren Geschichte dar — immer wieder bleiben zum Fußgänger oder Radfahrer an der Baustelle stehen, um die Höcker zu betrachten? Es gebe noch genug Relikte, entgegnet Dietmar Kottmann, der Vorsitzende der Laurensberger Heimatfreunde: „Der Westwall war 630 Kilometer lang.“

Das Ende der 1930er Jahre errichtete militärische Verteidigungswerk, das von den Alliierten Siegfried-Linie genannt wurde, bestand aus mehr als 18 000 Bunkern, Stollen sowie zahllosen Gräben und Panzersperren. Das Aachen-Saar-Programm wurde 1939 aufgelegt. Im Bereich des jetzigen Gut Kullen sei es aber nicht zu Kampfhandlungen gekommen.

Bis in die 1950er Jahre waren die fünfreihigen Drachenzähne, die noch auf alten topographischen Karten der Gemeinde Laurensberg verzeichnet waren, in diesem Bereich noch sichtbar, dann seien sie abgedeckt oder entfernt worden, etwa für den Bau des wenig entfernten Supermarkts oder einer Häuserzeile entlang der Schurzelter Straße.

Auf der anderen Seite verlief der Westwall, der oftmals im Zickzack angelegt war, in Richtung Reinartzkehl. Metertief unter der Oberfläche befänden sich die Höcker, weil das Gelände beim Bau der nicht weit entfernten Hollandlinie (A4) mit großen Mengen Abraum aufgefüllt wurde, es handele sich also nicht um Kriegstrümmer, sondern Erdaushub. Kottmann: „Damals haben viele Landwirte ihre Böden neu modelliert.“

Keine Bedenken

Außerdem hat die Gewoge eine gültige Baugenehmigung, die nun einmal in diesem Abschnitt des Wohn- und Geschäftsgebäudes eine Tiefgarage vorsieht, und da sind die Höcker im Wege. Sie seien kartiert worden und könnten deshalb nun weg, sagt Architekt Bernardi: „Der Denkmalschutz hat keine Bedenken.“ Das bestätigt Stadtarchäologe Andreas Schaub: „Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Höckerlinie so tief liegt und so gut erhalten ist.“ Schaub hofft nun darauf, auf weitere Funde aus der Jungsteinzeit zu stoßen, wenn die Fundamente des Westwalls abgebaggert sind: „Unter den Höckern könnten sich noch Reste befinden.“

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