Aachen: Hochschule Aachen muss sich weiter mit Provisorien behelfen

Aachen: Hochschule Aachen muss sich weiter mit Provisorien behelfen

Des Rektors Wunschtermin ist schon längst verstrichen. „Im Oktober 2013 brauche ich die Hütte hier“, hatte Ernst Schmachtenberg beim ersten Spatenstich für das neue Hörsaalgebäude an der Claßenstraße gesagt.

Seither sind zwei Jahre ins Land gegangen, der Bau ist immer noch nicht fertig, und die RWTH Aachen stellt sich auf das nächste Provisorium ein. An der Schinkelstraße entsteht in den kommenden Monaten ein weiteres „temporäres Seminargebäude“.

Eins von der Sorte gibt es schon: Am Republikplatz wurde bereits der Hörsaalbau „Temp“ in Betrieb genommen. Das Kürzel steht für temporär und drückt damit die Hoffnung aus, dass es irgendwann nicht mehr nötig sein wird. Wie lange die Hochschule aber noch auf ihr Hörsaalzentrum warten muss steht in den Sternen. „Auf den Zeitplan haben wir keinen Einfluss, sagt Bernd Klass, der Pressesprecher des Bau- und Liegenschaftsbetriebs (BLB), der das Gebäude für die RWTH hochzieht.

Warten auf die Vergabekammer

Diesen Zeitplan bestimmt derzeit die Vergabekammer der Bezirksregierung in Köln. An die hatten sich Unternehmen gewandt, die sich an der Ausschreibung beteiligt hatten und nicht zum Zuge gekommen waren. „Wir werden regelmäßig darüber informiert, dass diese Nachprüfungsverfahren noch nicht entschieden sind“, sagt Klass. Und so lange geht es an der Claßenstraße nicht voran. Betroffen von der Zwangspause seien wichtige Gewerke, sagt Klass, „da können wir nichts vorziehen“.

Also behilft sich die Hochschule mit „Temp“ am Westbahnhof. Das Provisorium in Leichtbauweise bietet in zwei Hörsälen Platz für jeweils 500 Studierende. „Mit Videotechnik kann eine Vorlesung auch in den anderen Raum übertragen werden“, erklärt Renate Kinny von der Pressestelle der RWTH. Damit würden dann 1000 Studenten erreicht, was der Kapazität des größten Hörsaals im ausgebremsten Neubau entspricht. Dort ist er aber nur einer von elf Hörsälen,

Die Hochschule muss also weiter improvisieren, um den Studentenansturm zu bewältigen. Die Absolventen des doppelten Abiturjahrgangs haben zum Wintersemester ihr Studium begonnen und der RWTH damit laut Kinny einen „historischen Höchststand“ von über 40.000 Studierenden beschert.

Um für sie genügend Lehr- und Lernräume zu schaffen, muss gehörig improvisiert werden. Dazu gehört auch eine weitere Interimslösung auf dem Parkplatz hinter dem Reiffmuseum. Auf einer Länge von 75 Metern und einer Breite von 12 Metern entstehen hier in den nächsten Monaten acht Seminarräume von jeweils 80 Quadratmetern. Weil‘s barrierefrei sein soll, sind sämtliche Nutzungen ebenerdig geplant.

Dafür fallen Parkplätze weg, die Hochschulleitung verweist jedoch auf Ausweichmöglichkeiten im nahen Parkhaus an der Professor-Pirlet-Straße. Das Interimsgebäude soll im April fertig sein, dann haben RWTH-Angehörige dort wieder 50 Auto-Stellplätze zur Verfügung. Zudem soll es 60 neue Stellplätze für Fahrräder geben.

Bis in die Abendstunden

Doch nicht nur mit provisorischen Bauten kämpft die Hochschule gegen den Platzmangel. Mit einer speziellen Software namens „carpe diem“ bemüht sie sich um die optimale Belegung der verfügbaren Räume optimal genutzt werden. Doch die Devise „Nutze den Tag“ bedeutet für Lehrende und Lernende auch oft: „verlängere den Tag!“ Manche Veranstaltungen müssten in die Abendstunden verlegt werden, erklärt Renate Kinny. Nicht nur deshalb wünschen sich alle baldige Fortschritte an der Claßenstraße.

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