Aachen: Hilfe für Obdachlose in kalten Nächten: Es fehlen Handschuhe und Süßes

Aachen : Hilfe für Obdachlose in kalten Nächten: Es fehlen Handschuhe und Süßes

Eigentlich hatten die Kältehelfer der Johanniter vor, während des Winters zweimal pro Woche nach den Obdachlosen in der Stadt zu sehen, als sie im vergangenen Jahr ihren neuen ehrenamtlichen Dienst starteten. „Doch aufgrund der extrem niedrigen Temperaturen haben wir uns entschlossen, in dieser Woche jede Nacht zu fahren“, sagt Tim Hermanski von den Johannitern auf Anfrage der „Nachrichten“.

Das Angebot der Johanniter, bei dem die Ehrenamtler nachts Decken, Handschuhe, Lebensmittel und Heißgetränke verteilen, werde gut angenommen, sagt Hermanski. Jeden Tag wird frisch gekocht: Es gibt Suppen, Eintöpfe oder Chilis. „Es gibt rund 20 Personen, die auch bei diesen extrem kalten Nächten draußen übernachten, und die freuen sich, wenn wir kommen.“ Natürlich vermittle man auch wohnungslose Menschen an das Café Plattform und die Notunterkünfte der Stadt. „Die Zusammenarbeit klappt sehr gut“, betont Hermanski, das gelte auch für die Zusammenarbeit mit der Polizei.

Polizei macht sich ein Bild

Apropos Polizei: Auch die war in der vergangenen Nacht wieder unterwegs, um Obdachlosen zu helfen. Den Nachtschichten gehen, so erklärt es Polizeisprecher Paul Kemen, immer Dienstbesprechungen voraus. „Dabei werden die Besonderheiten der kommenden Schicht besprochen.“ Eine Besonderheit waren die herrschenden Temperaturen im Hinblick auf Obdachlose im Stadtgebiet. „Sie bei diesen Temperaturen zurückzulassen, wäre nicht zu verantworten gewesen“, betont Kemen. „Sich ein Bild zu machen und dann den Leuten zu helfen, war gerade in der ersten klirrend kalten Nacht geboten.“ Ähnliche Aktionen habe es auch in Vorjahren gegeben, wenn Betroffene bereit gewesen seien, untergebracht zu werden. Hinsichtlich dieser Unterbringungsmöglichkeiten gebe es eine Liste von möglichen Aufnahmequartieren, auf die die Polizei zurückgreifen könne.

Wenn ein Obdachloser beispielsweise einen Hund dabei habe, sei die Unterbringung im Café Plattform, wo Tiere aus Rücksicht auf andere Übernachtungsgäste nicht gestattet sind, schwierig. Grundsätzlich sei die Zusammenarbeit mit dem Café Plattform jedoch völlig unproblematisch. „Wir sind als Polizei froh, dass es solche Einrichtungen wie das Café Plattform gibt.“ Auch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hätten Kollegen drei Personen aufgefunden, diese dann an Hilfseinrichtungen übermittelt“, sagt Kemen. Zwei davon hätten im Café Plattform übernachtet, der dritte habe das nicht gewollt. Von daher sei sehr zu begrüßen, dass das Netzwerk an Aachener Hilfeeinrichtungen so engmaschig sei.

Apropos Netzwerk: Die Johanniter freuen sich weiterhin über Sachspenden, die das Kältehelfer-Team an die Obdachlosen verteilen kann. „Wir könnten Handschuhe gut brauchen, außerdem Obst und Süßigkeiten“, sagt Tim Hermanski. Süßes enthalte viel Zucker und spende wichtige Energie für die kalten Nächte. Wer den Johannitern helfen möchte, kann sich telefonisch bei den Kältehelfern melden. Sie sind unter Telefon 0241/9183851 erreichbar.

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