Aachen: „Hilfe für krebskranke Kinder“: Gründerin Hambücker zieht sich zurück

Aachen : „Hilfe für krebskranke Kinder“: Gründerin Hambücker zieht sich zurück

In der Geschäftsstelle des Förderkreises „Hilfe für krebskranke Kinder“, in direkter Nachbarschaft zum Uniklinikum, hängen Bilder. So weit nichts Ungewöhnliches. Doch diese Bilder sind durchaus etwas Besonderes.

Aus gut 50 quadratischen, schwarzen Rahmen schauen Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters. „Das sind die, die wir in den 35 Jahren des Bestehens unseres Förderkreises verloren haben“, erklärt Marlies Hambücker ernst. Sie kannte sie alle.

Und zusätzlich auch die, die den Kampf gegen den Krebs gewonnen haben. Zum Glück sind das deutlich mehr. Im Schnitt erkranken pro Jahr 20 bis 25 Kinder und Jugendliche neu in der Region und werden dann im Klinikum behandelt. Dazu kommen Patienten, die nach einer ersten Therapie wegen eines Rezidivs — eines Rückfalls — wiederkommen müssen.

Alle Familien kennengelernt

Hambücker hat den Verein 1983 zusammen mit dem damaligen Leiter der Kinderkrebsstation des Uniklinikums, Professor Dr. Rolf Mertens, sowie zwei Vätern, deren Söhne an Krebs erkrankt waren, gegründet und ebenso lange als stellvertretende Vorsitzende des Vorstandes ehrenamtlich gewirkt.

Sie hat nahezu jede Familie, deren Kinder in der Pädiatrischen Onkologie behandelt wurden, kennengelernt und viele von ihnen in der schweren Zeit und darüber hinaus begleitet. „Als wir anfingen, machte sich niemand in irgendeinem Krankenhaus Gedanken, die über die medizinische Betreuung hinausgingen: Welche psychischen Probleme haben Eltern, Patientenkinder und Geschwister? Wie geht es mit der Ausbildung und Schule weiter? Damit standen die Familien allein da“, erinnert sich Hambücker. Als Leiterin der Krankenhausschule bekam sie die Sorgen hautnah mit. Und wollte zusammen mit den anderen Gründern daran etwas ändern.

Erwachsen ist daraus ein Verein, der mittlerweile in vielen Bereichen die Kinderkrebsstation des Uniklinikums unterstützt — alles mit Hilfe von Spenden: Der Förderkreis hat schon so manche Ausstattung auf der Kinderkrebsstation bezahlt und hilft auch bei der Finanzierung von zusätzlichem Personal. Gerade klärt der Vorstand mit dem jetzigen Sektionsleiter, Professor Dr. Udo Kontny, inwieweit der Förderkreis die Pläne für Stammzellen- und Knochenmarktransplantationen bei Säuglingen unterstützen kann. Auch die Krebsforschung in Aachen, in diesem Fall eine Studie über Tumore im Hals-Nasen-Rachen-Raum, die besonders Jugendliche betreffen, wird mitfinanziert.

Doch besonders präsent ist der Förderkreis, wenn wieder neue Kinder mit ihren Eltern auf der Station ankommen. Zunächst bedeutet das: Zuhören! Denn: „Manche Eltern sind mit der Erkrankung ihres Kindes nicht nur psychisch, sondern auch finanziell überfordert. Dann können wir mit Fahrtkostenzuschüssen helfen oder bei notwendigen Anschaffungen für das betroffene Kind einspringen. Manchmal beteiligen wir uns an Kosten für eine Nachsorgekur für die ganze Familie. Die halten wir für absolut notwendig, sie wird aber nicht für alle Familienmitglieder von den Krankenkassen bezahlt“, listet Susanne Göschel nur einige Unterstützungsangebote für Kinder und Eltern auf.

Göschel hat seit den Vorstandswahlen am 14. März das Ehrenamt der stellvertretenden Vorsitzenden von Hambücker übernommen, die nach 35 Jahren ihr Engagement aufgeben möchte. Hambückers Aufgaben wurden zugleich auf verschiedene Schultern übertragen, „weil eine Person das eigentlich gar nicht alles schaffen kann“, bewundert Göschel nach wie vor die Tatkraft ihrer Vorgängerin.

Während eine Mutter von einem ehemals kranken Kind die Ansprache der Eltern auf der Station übernommen hat, fühlt sich Göschel besonders der Spenderpflege und dem guten Kontakt zur Station verpflichtet. „Sie ist ein wahres Organisationstalent und wird als solches auch wahrgenommen“, bescheinigt Hambücker ihr wichtige Fähigkeiten.

Die wird Göschel auch brauchen, wenn es darum geht, die neueste Herausforderung für die Station und damit für den Förderkreis weiterhin gut zu meistern: Mit der Zahl der Geflüchteten in der Region ist auch die Zahl der krebskranken Kinder und ihrer Eltern auf der Station, die nicht oder nur wenig Deutsch sprechen und verstehen, angewachsen. „Die Kinder und Eltern sind in dieser Situation ohne Sprache völlig verloren“, kann Hambücker die Angst der Familien gut nachvollziehen. Und Göschel meint: „Natürlich findet man in der Belegschaft des Uniklinikums mal jemanden, der arabisch oder eine afghanische Sprache spricht. Aber es geht auch darum, die medizinischen Zusammenhänge richtig vermitteln zu können.“

Deshalb hat der Förderkreis Kontakt zur Fachschaft Medizin der RWTH Aachen aufgenommen, um in den Reihen der Studierenden zu schauen, ob es nicht dort Hilfe gibt: Studenten, die die wichtigsten Sprachen von Geflüchteten sprechen. „Wir waren sehr stolz, schnell eine umfassende Liste zusammenstellen zu können“, berichtet Hambücker. Allerdings gibt es immer auch Sprachen, die auf dieser Liste nicht stehen — neulich zum Beispiel ein sehr seltener kurdischer Dialekt. „Aber selbst da hat der kurze Draht zur Fachschaft funktioniert.“

Win-win-win-Situation

So konnte der Förderkreis wieder einmal eine Win-win-win-Situation herstellen: Die Familien auf der Station tragen nicht noch zusätzlich schwer an der Kommunikation, die Studierenden lernen in den Stationssituationen hautnah für ihren späteren Beruf und verdienen sich auch noch ein kleines, vom Förderkreis finanziertes Zubrot, die Mitarbeiter der Station müssen elementar wichtige Informationen nicht mit Händen und Füßen vermitteln. Das ist so ganz nach dem Geschmack von Göschel und Hambücker.

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