Tag der Excellenz des ACA an der Hochschule: Hilfe bei den ersten Hürden des Studiums in der Fremde

Tag der Excellenz des ACA an der Hochschule : Hilfe bei den ersten Hürden des Studiums in der Fremde

Beim „Tag der Exzellenz“ der Association des Camerounais d’Aix-la-Chapelle (ACA), des Vereins der Kameruner in Aachen wurden Studierende und Absolventen ausgezeichnet, die mit guten Leistungen in ihrer Ausbildung überzeugen.

Jeder Vierte in Aachen lebende Mensch ist nicht in unserer Stadt geboren. Einen Anteil daran haben nicht zuletzt die Studierenden an den Aachener Hochschulen, die für ein Studium oder eine Ausbildung in die Domstadt kommen und nach ihrem Examen bleiben, um sich eine berufliche Existenz aufzubauen. Sie tragen zur Vielfalt einer Gesellschaft bei. Doch wie genau sieht diese Vielfalt aus? Eine Frage, die beim „Tag der Exzellenz“ der Association des Camerounais d’Aix-la-Chapelle (ACA), des Vereins der Kameruner in Aachen, im Ford-Saal der RWTH diskutiert werden sollte.

Der ACA ist der älteste Verein eines afrikanischen Landes in Aachen. Die Mitglieder helfen jungen Kameruner Studierenden, sich in ihrer neuen Umgebung zurecht zu finden, beraten bei Anträgen, helfen bei der Wohnungssuche, geben Orientierung im Studium und bieten die Möglichkeit, ein Netzwerk zu bilden.

Von diesem Netzwerk, erzählt Joel Mekedje, derzeitiger Vorsitzender des ACA, habe auch er profitiert, als er sein Studium der E-Technik hier begann und er sei den älteren Studierenden sehr dankbar dafür, das sie bereits viele Hürden für die heutige Generation etwas abgetragen haben. Vor drei Jahren hat der Verein darüber hinaus das Projekt „Solidaritätskette“ gestartet, das mit einem Mentoring-Programm und einem Stipendium kamerunischen, aber auch Studierenden aus anderen afrikanischen Ländern hilft, finanzielle Engpässe zu überbrücken und die Hürden im Studium zu meistern.

Idee von Alexis Kamewe

Auch Alexis Kamewe hat beim ACA eine Anlaufstelle gefunden, als er vor 18 Jahren zum Studium nach Aachen kam. Er hat Elektrotechnik studiert, sein Examen gemacht, arbeitet als Sales Manager im Alsdorfer Unternehmen Rohm, das Halbleiter herstellt. Und er hat sich engagiert: an der Uni, beim ACA, im Integrationsrat der Stadt Aachen. Der „Tag der Exzellenz“ ist seine Idee. Sie entstand im Zuge der Ereignisse im Herbst 2015, als Deutschland knapp eine Million Flüchtlinge aufnahm, die über die Balkanroute kamen und in Ungarn festsaßen. „Wir haben danach in den Medien viele schlechte Beispiele von Integration gesehen und wollten zeigen, dass es auch anders geht“, sagt Kamewe.

Gute Leistungen

Beim Tag der Exzellenz werden Studierende und Absolventen ausgezeichnet, die mit guten Leistungen in ihrer Ausbildung überzeugen. In diesem Jahr sind es neun, die ausgezeichnet werden. Das ist einerseits eine Bestätigung für die Ausgezeichneten, andererseits auch ein Zeichen an die jüngeren Kommilitonen: Hier sind Vorbilder, die es bereits geschafft haben, das kannst du auch.

Solche Vorbilder sind auch Dr. Paulette Dounstop, die 1993 für ihr Medizinstudium nach Gießen kam und seit 2018 am Uniklinikum als Hals-Nasen-Ohrenärztin arbeitet, Martin Mbassi, der als Softwaremanager in Bergisch-Gladbach lebt und arbeitet. Steve Pentang, der in Aachen studierte und jetzt bei Nokia Düsseldorf arbeitet. Dr. Martin Hyun, Sohn südkoreanischer Gastarbeiter, der bei den Krefeld Pinguinen als Eisockeyspieler Karriere machte und zuletzt sportlicher Leiter für Eishockey bei den Olympischen und Paralympischen Spielen in Pyongchang war. Außerdem zu Gast war Moses Sichone, ehemaliger Profispieler beim 1. FC Köln, Alemania Aachen und in der Nationalmannschaft von Sambia, jetzt Tainer, unter anderem der Alemania-Jugend.

Positive Fähigkeiten

Wie beantworten sie die Frage, was Vielfalt zu einer Gesellschaft beitragen kann? „Wir bringen eine Menge positiver Fähigkeiten mit, zum Beispiel Intelligenz und Durchsetzungsvermögen“, ist Steve Pentang überzeugt. Im Laufe ihres Studiums mussten die Studierenden bereits mehrere Hürden bewältigen: Sie mussten eine andere Sprach lernen, mit Leistungen überzeugen, oftmals, wie Paulette Dounstop sagt, auch zu 200 Prozent mehr als man dies von deutschen oder anderen ausländischen Studierenden erwarten würde. Gleichzeitig bedeute Integration aber nicht Assilimation, unterstreicht Martin Mbassi. „Man muss wissen, wer man ist und versuchen, diese Person zu bleiben“. Die Verbindung zur Heimat ist dabei wichtig. „Wir haben eine Verantwortung, auch, wenn wir inzwischen woanders leben“, sagt Steve Pentang. Paulette Dounstop organisierte ein Projekt, bei dem Ärzte aus Deutschland Kinder in Kamerun operierten.

Mehr Präsenz zeigen

Hier kehrten sich die Vorzeichen um. Auch die empfangende Gesellschaft müsse sich öffnen, sagt sie. Als Mutter appelliert sie, müssten Frauen und Mütter mehr Präsenz zeigen, sich zum Beispiel mehr in Elternräten in Kindergärten und Schulen engagieren und so ein Zeichen setzen: „Das mitgebrachte Bunte muss nicht negativ sein.“ Trotz der vielen positiven Erfahrungen wurden viele der Teilnehmer auf und vor dem Podium mit Alltagsrassismus und Ausgrenzung konfrontiert. Es bleibe immer eine Schwelle, konstatiert Martin Hyung. Diese aufzubrechen, erfordere viel Arbeit auf beiden Seiten.

Mehr von Aachener Nachrichten