Aachen: Hier gehört auch Toben zum Unterricht dazu

Aachen : Hier gehört auch Toben zum Unterricht dazu

Toben, Körperwahrnehmung entwickeln und lernen, die eigene Power in geordnete Bahnen zu lenken: Diese Chance bekommen jetzt Kinder der Förderschule Elsassstraße unter Anleitung der Fachkraft für Motopädie und Ergotherapie, Iris Egbers-Hoff. „Um eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht zu gewährleisten, ist dieses Angebot für viele Kinder genau das Richtige“, sagt Schulleiter Thomas Weinen.

Justin und Goran toben auf den Matten, die wie eine Rutsche aufgebaut sind. Justin beginnt, mehrere Seile miteinander zu verknoten, die so den Aufstieg gleichsam als Handseil erleichtern sollen. Dass er Spiele erfinden kann, nimmt die Therapeutin wohlwollend zur Kenntnis. Sie leitet die beiden wilden Jungen an, ohne allzu dominant aufzutreten.

Gut für die Entwicklung

„Die Kinder profitieren in ihrer Gesamtentwicklung von diesem Angebot“, sagt sie. Die psychomotorische Förderung sei wichtig, um Entwicklungs- und Lernvoraussetzungen für die erfolgreiche Teilnahme am Unterricht nachholen zu können. Die Kinder der Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung leiden etwa an Aufmerksamkeitsproblemen, Entwicklungsverzögerungen, Lernblockaden oder Problemen in der Gruppe. Entsprechend wichtig sind spezielle Angebote wie die psychomotorische Förderung.

Mitglieder des Lions-Clubs Aquisgranum konnten jetzt vor Ort sehen, wie dieses besondere Angebot angenommen wird. Der Lionsclub unterstützt die psychomotorische Maßnahme über den Förderverein der Schule mit 7500 Euro. Hartwig Hillebrand, Activity-Beauftragter des Lions-Clubs Aquisgranum und Schulleiter der Heinrich-Heine-Gesamtschule, und Sigrid Reimann, Lions-Club Aquisgranum, waren zu Gast an der Elsassstraße.

Justin und Goran sind mit Begeisterung bei der Sache. Sie haben laut Therapeutin Iris Egbers-Hoff einiges nachzuholen in Sachen „Körperwahrnehmung“ und bekommen hier die Gelegenheit, ihren großen Bewegungsdrang auszuleben. Die Therapeutin unterstützt sie dabei und versucht, die Power der beiden Jungen mit kleinen Spielen in geordnetere Bahnen zu lenken. „Die Kinder kommen sehr gern“, sagt sie.

Sie hat sich zunächst den Bedarf an der Förderschule Elsassstraße angeschaut und wählte dann die Kinder aus, für die ihr Angebot besonders wichtig ist. Etwa die Hälfte davon leidet unter ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom). „Je früher sie solche Angebote nutzen können, umso besser für die Kinder“, sagt Schulleiter Weinen. Viele von ihnen haben laut Iris Egbers-Hoff im Laufe ihres Lebens schon viel Frust erlebt. Denn auch wenn sie durchaus sportlich sind, ecken sie im Verein häufig an.

Während der Therapiestunden sollen sie ihre Defizite spielerisch ausgleichen. „Und das ist laut Weinen für ihre gesamte Entwicklung wichtig. „Ohne die Unterstützung des Lionsclubs Aquisgranum und des Fördervereins ‚Fundevogel‘ unter dem Vorsitz von Angelika Greiwe-Krapohl wären solche Angebote gar nicht machbar“, sagt er und freut sich, das gerade jüngere Schüler zum Zuge kommen.

Der Lionsclub Aquigranum seinerseits hilft laut Hillebrand nur zu gern. Er sammelt Spenden in Form von altem Zahngold. Allein 80.000 Euro vergibt er für Maßnahmen im Bereich „Activity“.

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