Hexenverfolgungen ist Aachen: Serie geheimes Aachen "Hexenberg"

Geheimes Aachen : Wo „Hexen“ einst den Feuertod starben

Eine Hochburg der Hexenverfolgungen ist Aachen allem Anschein nach nie gewesen, die wenigen Fälle, die jedoch bekannt sind, sind schaurig genug. Abgespielt haben sie sich vor gut 350 Jahren außerhalb der Stadtmauern auf dem Königshügel.

Eine vor fünf Jahren aufgestellte Infotafel am Hexenberg hält heute die Erinnerung an die grausamen Taten wach, die sich dort in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts abgespielt haben.

Mindestens sieben Frauen sind dort zwischen 1604 und 1649 als „Hexen“ verbrannt worden, wie der Aachener Historiker Werner Tschacher in seinen Untersuchungen über die Hexenverfolgung im Spätmittelalter herausgefunden hat. Weitere Urteile sind nicht belegt. Lückenhaft sind allerdings die Unterlagen, weil viele Dokumente beim großen Stadtbrand 1656 verloren gegangen sind.

Für Tschacher markieren die Hexenprozesse, den nach heutigen Erkenntnissen europaweit rund 60 000 Menschen zum Opfer gefallen sind, den Beginn aller Verschwörungstheorien, die bis heute ihre furchtbare Wirkung entfalten und zu Hetze und Ausschreitungen gegen Minderheiten wie Schwule, Farbige, Juden, Moslems und Flüchtlinge führen. Der Drang, Sündenböcke zu finden und zu bestrafen, hat in Mitteleuropa einst zu einer regelrechten Hetzjagd vornehmlich auf Frauen geführt, die im Verdacht standen mit dem Teufel im Bunde zu stehen und für das Böse verantwortlich zu sein. Durch Folter wurden ihnen Geständnisse abgepresst, die sie zu „Hexen“ machten.

Zauberei und Teufelsbuhlschaft

Als besonders grausames Beispiel gilt in Aachen die Verbrennung eines 13-jährigen Waisenmädchens, das als vermutlich letzte „Hexe“ in Aachen im Jahr 1649 verbrannt wurde. Der Name des Mädchens ist nicht überliefert, ihren Fall hat Hetty Kemmerich in ihrem Buch „Sagt, was ich gestehen soll“ geschildert. Ihm seien der christliche Glaube und der Sonntagsgottesdienst fremd, hieß es über das Mädchen, das wegen Zauberei und Teufelsbuhlschaft zum Tode verurteilt und bei lebendigem Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Mindestens sechs weitere Frauen wurden auf dem Richtplatz am Königshügel als Hexen hingerichtet. Ihre Namen sind Maria Kroiseti, Catharina Brandt, Gertrud Eulrichs, Zey Kaußen, Eiff von Montzen und Catharina von Thenen. Einige von ihnen wurden vor ihrer Verbrennung auch enthauptet oder erdrosselt, was damals wegen des schnelleren Todes als Akt der Gnade galt.

Die Infotafel, die heute an die bestialischen Vorgänge auf dem Königshügel erinnert, ist auch in der Folge einer Diskussion über eine mögliche Rehabilitation der damals hingerichteten Frauen aufgestellt worden. Den Antrag dazu hatte der evangelische Pfarrer und Hobbyforscher Hartmut Hegeler 2011 gestellt, der sich seit Jahren bundesweit dafür einsetzt, die Opfer nachträglich freizusprechen und ihnen „ihre Würde wiederzugeben“.

Warum der Hexenberg Hexenberg heißt, erklärt seit einiger Zeit eine auf einer Grünfläche angebrachte Infotafel. Foto: Harald Krömer

In Aachen hatte er damit allerdings keinen Erfolg. Niemand zweifle heute mehr an dem krassen Unrecht, das damals begangen worden ist, lautete eine Begründung.

Und geholfen wäre den Opfern von damals mit einer förmlichen Rehabilitation auch nicht mehr. Schon richtig. Aber geschadet hätte eine moralische Wiedergutmachung eben auch niemandem, argumentierten die Befürworter, die mit ähnlichen Anträgen in anderen Städten mehr Erfolg hatten.

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