Aachen: Hexenprozesse werden ein Fall für den Geschichtsverein

Aachen: Hexenprozesse werden ein Fall für den Geschichtsverein

Der Aachener Geschichtsverein soll auf Wunsch von Oberbürgermeister Marcel Philipp die Zeit der Hexenverbrennungen in Aachen aufarbeiten.

Über den weiteren Umgang mit den grausamen Geschehnissen soll erst beraten werden, wenn ein entsprechender Bericht vorliegt. An eine formelle Rehabilitierung der Opfer von vor mehr als 350 Jahren denkt Philipp zunächst nicht.

Der Düsseldorfer Hobbyforscher Andreas Vogt hat den Antrag gestellt, die im 17. Jahrhundert in Aachen zu Unrecht ermordeten Frauen zu rehabilitieren und mittels einer Gedenktafel an ihr Schicksal zu erinnern. Gemeinsam mit dem Hexenforscher Hartmut Hegeler setzt er sich in mehreren Städten für die Aufarbeitung dieser lange Zeit verdrängten Thematik ein.

Die Hexenprozesse zeigten, dass Vorurteile und Diskriminierungen ein sehr altes Phänomen seien. Falsche Beschuldigungen und Gewalt gegen Andersdenkende, Andersgläubige und Andersaussehende seien auch heute noch zu erleben, sagen sie. Eine Rehabilitierung wäre ein symbolisches Zeichen gegen die Ausgrenzung von Minderheiten.

Entsprechende Anträge an den Rat können jedoch nur Bürger der Stadt stellen, argumentiert der OB, der die Sache nicht zu einer offiziellen Angelegenheit erklären will. Einfach wegdrücken wolle er sie jedoch auch nicht, wie der städtische Pressesprecher Hans Poth mitteilt. Deshalb komme nun der Geschichtsverein ins Spiel.

Bürgermeisterin Hilde Scheidt, Grüne, bringt zudem die laufenden Arbeiten an der Route Charlemagne ins Spiel: „Wenn die Stadt ihre Geschichte aufschreibt, sollte man auch dieses Kapitel recherchieren”, meint sie. Der Aachener Historiker Werner Tschacher hat sich bereits im Vorfeld zustimmend geäußert: Der „weltoffenen Europastadt Aachen” würde eine öffentliche Debatte über die Hexenthematik gut zu Gesicht stehen.

Auch ein Mahnmal - etwa im Rahmen der „Wege gegen das Vergessen” - für alle Ausgegrenzten und Verfolgten einschließlich der Hexen und Ketzer würde er befürworten. Belegt sind für Aachen mindestens acht Hexenverbrennungen im 17. Jahrhundert.

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