Aachen: Herausforderung: Schüler gehen zu Fuß nach Trier

Aachen: Herausforderung: Schüler gehen zu Fuß nach Trier

So ganz genau wissen sie noch nicht, was passieren wird. Aber die Vorfreude, auf die Erlebnisse und Erfahrungen, die sie in den kommenden Tagen machen, die ist da. „Auch wenn ich noch nicht so genau weiß, wie es wird“, sagt Florian Schauer (17).

Vor fünf Jahren hat Leo Gielkens, Lehrer an der Heinrich-Heine-Gesamtschule (HHG) in den Osterferien eine Pilgerreise nach Trier angeboten. In einer Woche in den Osterferien sind 13 Schüler mit ihm die etwa 140 Kilometer gegangen. In diesem Schuljahr wurde Gielkens von den Schülern selbst angesprochen, ob er, inzwischen stellvertretender Schulleiter der HHG, nicht wieder eine solche Reise anbieten könne.

Unterschiedliche Gründe

Gesagt, getan. Seine Kollegin Kirsten Hoffmann und Gielkens entschieden sich mit den Schülern auf die Reise zu gehen. Der stellvertretende Schulleiter machte in der ganzen Schule Werbung für die Pilgerreise. Acht Jungs aus den Klassen acht, neun und zehn haben sich für die Wanderung in ihren Osterferien entschieden. Aus ganz unterschiedlichen Gründen. Luka Hinrichs (17) etwa, der wollte eigentlich gar nicht mit, gesteht er. „Aber dann habe ich doch meinen Bruder gefragt und Marco.“

Marco Wilson (16), ein Klassenkamerad, und auch Lukas Bruder fanden die Idee der Pilgerreise super. „Jetzt gehe ich eben pilgern“, sagt Lukas. Und das obwohl der Bruder doch abgesprungen ist, weil er in der kommenden Woche dann doch arbeiten muss. Hundertprozentig überzeugt davon, dass es eine gute Idee war, scheint er aber noch nicht: „Ich hätte mir denken können, dass Marco ja sagt. Jetzt komme ich da nicht mehr ras.“

Marco hingegen hat sofort zugesagt, weil er die Herausforderung der anstehenden Reise spannend fand. „Ich will das einfach geschafft haben. Es ist immer gut, ein Ziel zu haben.“ Und Ziele, die gebe es auf der Reise täglich, sagt Gielkens. Schließlich müssen die Schüler und ihre zwei Lehrer täglich ihre Unterkünfte erreichen.

Florian und seine drei besten Freunde aus der zehnten Klasse gehören zu den Initiatoren der Reise. Sie wurden von Freunden inspiriert, die die Reise vor fünf Jahren mit gemacht haben. „Es geht darum Zeit miteinander zu verbringen und ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln — schließlich sind wir in diesen Tagen aufeinander angewiesen.“ Dass Mitschüler sich eher belächelnd über die vier äußern, stört sie weniger. „Die anderen sagen, dass wir unsere letzten Ferien vor dem Abschluss verschenken. Aber wir haben ja frei im Sommer.“

Und hinterher wird es bestimmt eine Menge zu erzählen geben. Die Pilgerreise ist nicht strikt auf Glaubensbesinnung gemünzt, das betonte Gielkens bereits bei der ersten Reise 2012. Aber Denkanstöße „über das Leben“ werden den Schülern immer morgens und mittags gegeben. „Das und sich aufeinander verlassen zu können werden die größten Aufgaben — neben dem Durchhaltevermögen“, sagt Gielkens.

Neue Wanderschuhe

Sicherlich kommt noch die eine oder andere Blase am Fuß hinzu, denn traditionelle Wanderer sind die Schüler nicht. Die meisten tragen nigelnagelneue Wanderschuhe, als sie sich in Hallschlag auf machen, für die ersten 22 Kilometer Wanderung an Tag eins. „Spätestens am zweiten Tag werde ich richtig fertig sein“, sagt Luka, der auf den letzten Drücker seine Sachen für die Reise organisiert hat.

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