Aachen: „Henger Herrjotts Fott“ ist drei Tage Party

Aachen: „Henger Herrjotts Fott“ ist drei Tage Party

„Henger Herrjotts Fott“, das ist die mundartliche Bezeichnung für das Viertel hinter der Kreuzigungsgruppe an der Wirichsbongardstraße. „Henger Herrjotts Fott“ („hinter dem Hintern des Herrgotts“) ist immer bei Aachenern wie Touristen für ein Schmunzeln gut. Am Wochenende richtete die Bürgergemeinschaft „Henger Herrjotts Fott“ ihr 30. Bürgerfest am Kreuz aus, das drei Tage Festäng bot.

Für super Stimmung und nicht enden wollende Polonaisen sorgten gleich am ersten Abend die Öcher Troubadoure, die mit ihrem neuen Sänger Serkan Sistermanns nun zu zehnt sind. Stimmgewaltig brachten sie ihr „Leilo leilo“ dar, und alles sang mit. Bei schönem Wetter füllte sich der kleine Festplatz immer mehr.

Am Sonntag gibt es einen ökumenischen Gottesdienst mit Pfarrer Claus Wolf und seinem evangelischen Kollegen Armin Drack.

Tradition wird gewahrt

Monika Kühn-Schröder aus Essen war zum ersten Mal beim Bürgerfest dabei, hatte Schwester und Schwager dabei. „Uns gefällt es sehr gut, dass hier die Tradition bewahrt wird, gemeinsam im Viertel zu feiern. In den 70er Jahren habe ich hier in der Nähe an der Lothringerstraße gewohnt und hatte eine Fahrgemeinschaft mit Leuten aus dem Viertel“, erzählte sie.

So wie sie waren viele begeistert von dem fröhlichen Beisammensein inmitten der Innenstadt. Am Samstagabend traten die Oecher Stadtmusikanten und Hubert Aretz auf, am Sonntag sang Dirk Gier nach dem ökumenischen Gottesdienst mit Pastor Armin Drack und Pfarrer Claus Wolf seine Evergreens. DJ Ted Harald versorgte die Festgemeinschaft rundherum mit tanzbarer Musik.

Ganz nah dran am Kreuz trafen sich die Anwohner an der Biertheke, im kleinen Pavillon und rund um den Grillstand. Zum 30. Geburtstag gab es diesmal Kaffee, Kuchen und Kaltgetränke zum Sonderpreis von einem Euro — ein kleines Dankeschön an die treuen Mitglieder.

Für ihre 25-jährige Mitgliedschaft wurden Freunde der Bürgergemeinschaft geehrt: Agnes, Gabi, Heinz und Norbert Kreuz, Michael Stirnberg, Marie-Luise Hamacher, Ewald Clermont, Rosemarie Korr, Astrid Siemons und Wipa Wongtao. „Ein Gründungsmitglied lebt heute in Radebeul und ist eines der ältesten und am weitesten entfernt lebenden der aktuell 160 Mitglieder“, erzählt der Vorsitzende Albert Radermacher. Und natürlich durfte zum 30-jährigen Bestehen ein Blick in die Historie nicht fehlen.

Blick in die Historie

Am 9. Dezember 1986 wurde die Bürgergemeinschaft „Henger Herrjotts Fott“ gegründet. Ernst Stirnberg und weitere Gründungsmitglieder setzten sich damals zum Ziel, die 1897 von Spendengeldern der Bürger errichtete Kreuzigungsgruppe an der Wirichsbongardstraße, die 1941 von Nationalsozialisten entfernt wurde, durch eine neue zu ersetzen.

„Der Name Bürgergemeinschaft ‚Henger Herrjotts Fott‘ wurde nicht aus Respektlosigkeit gewählt, sondern um ein Stück ‚Alt Aachen‘ wieder aufleben zu lassen“, erklärt Albert Radermacher. Es habe dem Willen der Bürgerschaft entsprochen, die neu zu errichtende Kreuzigungsgruppe den Bürgern der Stadt zum Geschenk zu machen.

Spenden von Bürgern, Geschäftsleuten und Institutionen machten es möglich, schon nach drei Jahren das neue Denkmal zu errichten. Am 27. August 1989 wurde die vom Künstler Bonifatius Stirnberg geschaffene Kreuzigungsgruppe feierlich eingeweiht. Am 10. Mai 2003 wurde der Platz vor dem Parkhaus als „Henger Herrjotts Fott“ in das offizielle Straßenverzeichnis aufgenommen.

Seitdem wird der Zusammenhalt im Viertel durch die Mitglieder gestärkt. Immer am ersten Wochenende im August steigt ein dreitägiges Fest, das von vielen ehrenamtlichen Helfern ermöglicht wird. „Mit unseren Mitgliedsbeiträgen, dem Erlös aus dem Bürgerfest, der Unterstützung durch die Pfarre St. Adalbert, von Geschäftsleuten und Spendern möchten wir auch weiterhin Gutes tun für gemeinnützige Zwecke“, betont Radermacher. Zuletzt ging zum Beispiel eine großzügige Spende an die Wabe.

Das Buffet steht im Parkhaus

„In diesem Jahr hatten wir mit sehr hohen Auflagen für unser Fest zu kämpfen. Für die Stromversorgung kamen Kosten in Höhe von 1000 Euro auf uns zu. Da wollte ich das Fest schon fast absagen. Zum Glück hat Christian Weigelt sich dann mit seiner Firma darum gekümmert und uns geholfen, die hohen Auflagen zu erfüllen. Es wird uns nicht gerade leicht gemacht als kleinem Verein“, beklagte Albert Radermacher.

Ohne die jahrelange Unterstützung von Herbert Sliwinski vom benachbarten Parkhaus gehe nichts, denn dort würden unter anderem die Vorräte gelagert und das Kuchenbüffet aufgebaut. Der 73-jährige Albert Radermacher wünscht sich dringend Unterstützung von jüngeren Leuten aus dem Viertel. „Gerne bleibe ich weiter im Amt, aber wir werden nicht jünger, und es wäre schön, wenn wir da zum Mittun begeistern könnten.“

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