Helmut Irmen hält Vortrag über "Aachens Sondergerichte"

Aachener Geschichtsverein : Ein Vortrag über nationalsozialistische Rechtsprechung

Der Aachener Geschichtsverein will mit einem Vortrag über die sogenannten Sondergerichte in der Zeit des Nationalsozialismus nicht nur erinnern, sondern auch appellieren. Denn das Interesse an den furchtbaren Geschehnissen des vergangenen Jahrhunderts nehme ab.

Die Arbeit gegen das Vergessen ist keine leichte. Sie kostet viel Kraft, da sie ein ständiges Erinnern ist, eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Vergangenen, um Mahnungen und Lehren daraus ziehen zu können. Wie wichtig diese Arbeit ist, weiß Harald Müller, Professor für mittlere Geschichte der RWTH. Er ist Vorsitzender des Aachener Geschichtsvereins und beschäftigt sich neben verschiedenen Epochen auch intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus. Gemeinsam mit der Volkshochschule Aachen wird der Aachener Geschichtsverein am Freitag, 15. Februar, einen Vortrag im Haus Löwenstein präsentieren. Der Rechtsanwalt und Vorsitzende des Dürener Geschichtsvereins, Dr. Helmut Irmen, wird einen Vortrag zu den Aachener Sondergerichten in der Zeit des Nationalsozialismus’ halten.

Insbesondere nach Beginn des Zweiten Weltkriegs repräsentierten die sogenannten Sondergerichte eine besonders strenge Form nationalsozialistischer Rechtsprechung. Auch das Aachener Landgericht wurde unter dem Regime der Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 zum Sondergericht. Um an die antidemokratische und menschenverachtende Rechtsprechung der damaligen Zeit zu erinnern, ist seit Juli 2018 auch eine Gedenktafel am Landgericht auf dem Adalbertsteinweg angebracht. Bereits eine Vielzahl dieser Gedenktafeln wurde durch die Aachener Volkshochschule an entscheidenden Orten des gesamten Stadtgebiets installiert – im Rahmen des Projekts „Wege gegen das Vergessen“.

Nun soll der Vortrag „Aachens Sondergerichte“ tiefergehend informieren und Bürgerinnen und Bürger dazu anregen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Es leben immer weniger Zeitzeugen, weswegen der Fortbestand einer intakten Erinnerungskultur zunehmend schwierig wird“, erläutert Müller den Sachverhalt. Um Menschen mit Themen des Nationalsozialismus und damit ihrer eigenen Geschichte zu konfrontieren, seien solche Vorträge wichtig.

Damit ein solches Portfolio aus Vortragsreihen und Lehr-Ausflügen, wie es seit Jahrzehnten beim Aachener Geschichtsverein existiere, weiterhin bestehen könne, müssten sich Vereine öffnen und „Synergien nutzen, statt sich abzuschotten“, erklärte Müller. „Die Zusammenarbeit zwischen Vereinen stärken“, das sei enorm wichtig, um weiterhin gegen das Vergessen der Gräueltaten des Nationalsozialismus ankämpfen zu können.

Die Mitgliederzahlen gingen zwar nicht drastisch, doch schleichend zurück; das Interesse an den furchtbaren Geschehnissen des vergangenen Jahrhunderts nehme ab, und Veranstaltungstermine verschiedener Vereine schössen sich oft gegenseitig ins Aus. Die Kooperation des Aachener Geschichtsvereins mit der Volkshochschule anlässlich Irmens Vortrag sei deshalb ein „ausgesprochen gutes Signal.“ Genau so dürfe es weitergehen. Hoffentlich geht diese Forderung nicht den Weg des Vergessens.

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