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Galerie Freitag 18.30: Heller Schein in tristen Zeiten

Galerie Freitag 18.30 : Heller Schein in tristen Zeiten

Hochglanzpoliert hängt das Röhrenobjekt „Flex“ von der Decke und fängt mit seiner spiegelnden Oberfläche das Licht der Galeriestrahler ein, um es zu reflektieren. So erhalten die großen Schwarz-Weiß-Fotografien, die Momentaufnahmen vom Alltag in Köln zeigen, nicht nur mehr Aufmerksamkeit, sondern profitieren auch von der Eleganz des silberfarbigen Objekts.

Aufgenommen hat die Kölner Ansichten und Stimmungen  der aus Aachen stammende und in Köln lebende Künstler Michael Birmanns, der grundsätzlich analog arbeitet und seine Abzüge selbst im eigenen Labor erstellt. Mit der analogen Fototechnik kommt eine gewisse nostalgische Note in den Raum, die sich auch in dem Röhrenobjekt, das auf die Ästhetik der sechziger Jahre anspielt, behauptet. Künstlerische Frische bringt  eine nahezu wandfüllende Zeichnung einer heruntergelassenen Jalousie von Birmanns, die er zuvor fotografiert hatte.

Während „Glow“ grundsätzlich eine besondere Lichtstimmung in die Galerie Freitag 18.30 bringt, inszenieren sich weitere Röhrenobjekte wie moderne Skulpturen und greifen selbst dort Raum, wo eigentlich kein Kunstwerk hingehört: in der Ecke.

Entworfen und selbst erarbeitet werden die lichtgebenden Objekte von Anna und Fabian Sänger, die als  „Atelier Sänger“ nun bereits das zweite Mal in der Galerie Freitag 18.30 ausstellen, in ihrer Werkstatt in Köln. Zusätzlich zu ihren eigenen Arbeiten zeigen die Sängers eine gemeinsame Lichtarbeit mit Sascha Berretz und eine weitere mit dem Rotterdamer Designer Stefan Leuchter: Starlight im wahren Sinne des Wortes verbreitet ein dem großen schwarzen Stern von Sascha Berretz nachempfundenes Objekt, das an der Wand sanftes Licht verströmt und dieses noch einmal ganz bewusst in den Mittelpunkt der gesamten Ausstellung setzt.

„Zeichnen mit Licht“ ist die wörtliche Übersetzung von Fotografie. So ist die analoge Fotokunst von Michael Birmanns ein Lichtwerk, das wunderbar mit den reflektierenden  und leuchtenden Objekten des Ateliers Sänger zusammenpasst, im tristen November „Glow“ bringt und die von Corona getrübte Stimmung aufhellt.