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Aachen: „Helferhände“: Mit lila Westen und Rucksäcken unterwegs

Aachen : „Helferhände“: Mit lila Westen und Rucksäcken unterwegs

„Man darf nicht erst agieren, wenn da schon eine offene Wunde ist“, meint Axel Büker, Jugendreferent des Evangelischen Kirchenkreises Aachen und Initiator des neuen Projektes „Kullener Helferhände“. Auf die Menschen im Viertel zuzugehen sei ein wichtiger Schritt, sozialen „Wunden“ rechtzeitig zu begegnen und entgegenzuwirken.

In Teams, ausgestattet mit lila Westen und Rucksäcken, sind die „Helferhände“ auf Spielplätze und Grünanlagen unterwegs, sprechen mit Jugendlichen vor dem Supermarkt und helfen, wo sie können.

Bei dem Projekt handelt es sich um einen sozialen Hilfsdienst von Ehrenamtlichen im Stadtteil Kullen, das in der Offenen Tür Gut Kullen (OT) angesiedelt ist. Das Konzept entstammt dem schulischen Bereich und soll helfen, anonyme Streitschlichtung durch individuelle Hilfen, die sich auf die Situation der jeweiligen Schule beziehen, zu ersetzen.

Sozialer Erste-Hilfe-Dienst nennt sich diese Idee. Projektentwickler Jirka Bükow, Trainer und Therapeut für systemische Gewaltprävention, fragte sich, „warum diesen Dienst in Schulen lassen und nicht auf die Straße tragen?“

Momentan gibt es neun Helfer zwischen 17 und 27, die alle eine enge Verbindung zur OT und zum Stadtteil haben. Hier reihen sich anonyme Wohnblöcke aneinander, Menschen aus über 80 Nationen leben auf engem Raum und ein Großteil der Bewohner ist abhängig von Sozialleistungen. „Kullen ist ein anonymes Viertel“, fasst Michael Sarasa, Erzieher in der OT, die Situation zusammen. Auch dagegen hoffen die Helferhände etwas tun zu können.

Leitsätze

Sechs Leitsätze prägen das Projekt: ehrenamtliches Helfen, Präsenz im Viertel zeigen und niederschwellig ansprechbar sein, Mitbürgern wertneutral und mit Respekt zu begegnen, sich individuell um Menschen zu kümmern, Hilfestellung und Begleitung zur Problemlösung zu bieten und in den Fällen, in denen es nötig sein sollte, weiterführende Hilfe zu vermitteln.

Besonders wichtig ist dabei, die Niederschwelligkeit. „Bisher reagieren andere Gemeinden abwartend und lassen die Leute auf sich zukommen“, erzählt Jirka Bükow. Die Helferhände sollen den umgekehrten Weg gehen. Die Mittel dazu sind einfach: Handreichungen und spontane Hilfestellungen, ein offenes Ohr haben für die Leute, die reden möchten oder ein Gesprächspartner sein, der auch weitere Hilfe vermitteln kann.