Aachen: Heiße Gefechte rund um den Radschnellweg

Aachen: Heiße Gefechte rund um den Radschnellweg

Man kann doch nicht nur jenen das Feld überlassen, die am lautesten gegen etwas sind, sagte sich Claudius Wettstein, der am vergangenen Freitag die Initiative „Pro Radschnellweg Aachen“ ins Leben gerufen hat. Mit seiner Online-Kampagne, die nun aber auch ins richtige Leben übertragen werden soll, konnte er bereits in den ersten 40 Stunden gut 200 Unterstützer gewinnen.

Er wertet das als Zeichen, dass die Gegner des geplanten Radschnellwegs Aachen-Herzogenrath, die sich vielfach öffentlich äußern, wohl doch nicht die Mehrheit in der Bevölkerung hinter sich haben.

Der passionierte Radfahrer, der aus beruflichen Gründen dreimal wöchentlich auch die Strecke Aachen-Jülich zurücklegt, will jenen etwas entgegensetzen, die „immer aufschreien, wenn sich in ihrem Umfeld etwas ändern soll“. Denn er ist fest überzeugt, dass sich in der Verkehrsinfrastruktur viel ändern muss — und zwar zugunsten der Radfahrer. „Ich möchte zeigen, dass es diesen Bürgerwillen gibt.“

Die Straßenverkehrsplanung sei in Aachen seit Jahrzehnten nur aufs Auto ausgelegt, beklagt Wettstein. Der Radschnellweg sei „ein erster Tropfen auf den heißen Stein, den man nun auch fallen lassen sollte.“

Solch sichere und komfortable Strecken für Radfahrer — ausreichend breit, möglichst ohne Kreuzung und getrennt von anderen Verkehrsteilnehmern — seien in den Niederlanden oder Dänemark längst ein Erfolgsrezept, um den Radverkehr deutlich zu erhöhen. Profitieren würden davon auch Autofahrer.

Und so sehen es auch Verwaltung und mehrheitlich die Politiker in Stadt und Städteregion, die sich in den nächsten Wochen vielfach mit dem Projekt befassen müssen. In verschiedenen Gremien müssen die nächsten Schritte getan werden, an deren Ende — frühestens allerdings in etwa zwei Jahren — ein Baubeschluss stehen soll. Mit einer 80- bis 100-prozentigen Landesförderung soll die Region dann ihren ersten Radschnellweg erhalten. Kosten in Höhe von gut 20 Millionen Euro sind dafür angesetzt.

Doch es gibt Gegenwind: Bürger entlang der denkbaren Trassenführung äußern schon jetzt schwere Bedenken. Sie fürchten um ihre Sicherheit, andere bangen auch um den Naturschutz und kritisieren die hohen Kosten. Barbara Hillebrand behauptet, mit ihrer Aktion gegen den Radschnellweg über den Bahndamm in Laurensberg und durchs Wurmtal bereits 1000 Unterschriften gesammelt zu haben.

In Laurensberg hat der Widerstand schon die Politik erreicht. Zwar betonen Vertreter aller Fraktionen der Bezirksvertretung, dass sie einen Radschnellweg keinesfalls ablehnen. Die drei Trassenvorschläge für den Bereich von der Innenstadt über Laurensberg nach Richterich stellen sie allerdings grundsätzlich unter den Vorbehalt der technischen Machbarkeit. Vor allem die Verkehrsführung im Bereich Tittardsfeld sieht SPD-Sprecher Java Saramaz „noch stark klärungsbedürftig“.

Sein CDU-Kollege Alexander Gilson hingegen weiß aus vielen Gesprächen, „dass sich viele Laurensberger keine Brücke über die Schlossparkstraße vorstellen können“, nachdem die dortige Eisenbahnbrücke schon vor Jahrzehnten abgerissen worden war.

Uwe Zink, der als Baudezernent auf städteregionaler Ebene das Projekt in wesentlichen Teilen mitverantwortet, rät zum jetzigen Zeitpunkt zu mehr Gelassenheit, denn noch sei ja gar nicht klar, wie die Strecke dereinst verlaufen soll. Auch gibt es noch keine Umweltverträglichkeitsprüfungen und Kosten-Nutzen-Analysen. Doch auch Zink ist überzeugt, dass der Radverkehr eine stärkere Förderung verdiene. „Wir müssen nach Alternativen suchen, wenn es mit den fossilen Brennstoffen zu Ende geht.“

Da dürfte ihm Claudius Wettsteins Initiative für den Radschnellweg und eine bessere Radinfrastruktur insgesamt gerade recht kommen. Unterschriftenlisten sollen in Kürze auch in Fahrradläden ausgelegt werden.

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