Aachen: Heimatministerin zu Besuch: Traditionen kennenlernen und bewahren

Aachen : Heimatministerin zu Besuch: Traditionen kennenlernen und bewahren

Etwa 160 Stufen geht es hinauf. Oben angekommen, wird man mit einem Ausblick auf ganz Aachen belohnt. Inmitten der Dachstühle des Aachener Doms steht Ina Scharrenbach, die NRW-Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung. Während ihr Blick über Aachen schweift, gibt ihr der Dombaumeister Helmut Maintz einen Überblick, wie der Dom in den vergangenen 30 Jahren Instand gehalten wurde.

Aktuell steht eine weitere bauliche Maßnahme an — der Anlass für den Besuch der Ministerin: Das Schieferdach der Taufkapelle ist in die Jahre gekommen und soll erneuert werden. Das Land sagte zwar bereits zu, die Sanierung mit Denkmalfördermitteln in Höhe von 100.000 Euro zu bezuschussen. Doch auf einem acht Meter hohen Gerüst an der Taufkapelle kann sich die Ministerin selbst ein Bild vom Zustand des Daches machen. „Einige Schieferplatten sind schon herausgerutscht oder sind kurz davor“, erklärt Maintz der Ministerin. Das demonstriert er gleich einmal und rüttelt kräftig an einer der Platten. „Das Dach muss komplett erneuert werden.“

Insgesamt könnte dieses Vorhaben 300.000 bis 500.000 Euro kosten, berichtet der Dombaumeister. Nach dem Sommer will man mit der Baumaßnahme beginnen. Die neue Abdeckung soll mit heimischem Mosel-Schiefer bestückt werden, der nicht nur dem alten Material entspricht sondern auch sehr robust ist und wieder 200 Jahre lang halten könnte.

Ohne eine Erneuerung werde das Dach undicht, sodass Wasser eindringt und die Tragkonstruktion feucht und modrig werden könnte, erklärt Maintz. Daher soll auch die Holzschalung unter der Schiefereindeckung im Zuge der Sanierung überprüft werden. Möglicherweise muss diese auch neu gemacht werden.

Rund 37 Millionen

Baumaßnahmen wie diese fallen immer wieder an. In den vergangenen 31 Jahren wurden rund 37 Millionen Euro in den Dom und die zugehörigen Gebäude investiert. Die Grundsanierung hatte das Land NRW mit jährlichen Denkmalfördermitteln bezuschusst. Scharrenbach hält diese Denkmalpflege für wichtig: „Es bedeutet, das historisch kulturelle Erbe einer traditionsreichen Stadt wie Aachen zu bewahren — und da gehört der Dom fest zu.“

Als Heimatministerin will Scharrenbach nach und nach die Städte NRWs kennenlernen. „Das ist wichtig, denn wir wollen den Menschen ihre Stadt weiterentwickeln unter der Wahrung von Traditionen und Werten.“

Was den Aachener Dom betrifft, ist Scharrenbach nach dem Rundgang mit Dombaumeister Maintz mehr als gut informiert. Nach einer spontanen Einlage des Organisten zeigt Maintz ihr die bunte Verglasung der Chorhalle und führt sie hinauf zu den Dachstühlen des Doms. Dort fällt der Blick auf das Bleidach einer Kapelle, unter der sich ein Mörtelpflaster mit Carbonfasern — selbstverständlich entwickelt in Aachen — befindet. „Formel 1 im Dom“, nennt es der Dombaumeister.

Erstes Bauwerk

Doch auch ohne Hightech ist der Dom eine Besonderheit für die Ministerin, denn die Unesco nahm die vor über 1200 Jahren von Karl dem Großen erbaute Kirche 1978 als erstes Bauwerk in Deutschland auf die Liste der Welterbestätten auf. Auch die Dombauhütte, die sich um die Sanierungsarbeiten im Dom kümmert, könnte bald zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt werden, verrät Maintz.

Zum Abschluss des Besuchs muss die Ministerin dann noch selbst ran: Aus einem Steinersatzgemisch gießt sie unter Anleitung der Handwerker Figuren, die als Ersatz bei Restaurierungsarbeiten genutzt und seit Neustem auch von Besuchern als Souvenir gekauft werden können.

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