Aachen: Heiligtumsfahrt: Pfarrer Stender kommentiert locker die Vesper

Aachen: Heiligtumsfahrt: Pfarrer Stender kommentiert locker die Vesper

Wallfahrten sind voll im Trend: Mit so einem Andrang von Pilgern hatte das Domkapitel am Freitag sicher nicht gerechnet. Weil in den Aachener Dom nur etwa 1000 Besucher passen, hatten sich die Aachener Kurie einfallen lassen, die Erhebungsvesper der Heiligtümer per Großvideoleindwand direkt auf den Katschhof zu übertragen.

1680 Sitzplätze standen dafür zur Verfügung. Aber auch auf der Rathaustreppe zum Markt drängten sich die Besucher. Rund 2000 Menschen wollten Freitagabend auf draußen miterleben, dass die Windel Jesu, das Lendentuch des Herrn, das Kleid Mariens und das Enthauptungstuch des Johannes dem gerade zuvor aufgebrochenen Marienschrein entnommen wurden. 3000 gläubige Christen kamen und nahezu alle waren Punkt 19 Uhr anwesend. Die Domglocken läuteten eine Viertel Stunde vorher feierlich ein.

Pfarrer Christoph Stender moderierte vollformendet die Liturgie auf dem Katschhof. Foto: Harald Krömer

Pfarrer Christoph Stender stand vor der riesigen Domtribüne und moderierte im lockeren Ton das, was im Dom zu sehen war und erläuterte die theologisch und liturgisch nicht so schnell verständliche Dinge, die sich im Münster abspielten.

Er vergaß dabei auch nicht, den Einzug der Stadtoberen zu erklären, die seit dem Konkustienrecht , das 1426 durch den damaligen Jülicher Herzog Adolf II. der Stadt verliehen wurde. Demnach haben Stadt und Stiftskapitel (seit 1930 Domkapitel) die gemeinsame Verantwortung für den Marienschrein in dem die vier Stoffreliquien aufbewahrt werden.

Also marschieren vor der Geistlichkeit der Oberbürgermeister, seine Stellvertreter und die Ratsherren und -Damen durch den Kreuzgang in den Dom. Und unter allen Prälaten, Domkapitularen, Dom Dompropst, dem Dompropst und dem Bischof von Aachen, sah auf der Riesenleinwand auch einen Kardinal. Wer das war, wusste Stender nicht! Aber er machte einen Kardinalfehler: „Den Kardinal erkennt man an seiner violetten Kleidung.“ Dabei ist die Farbe der Kardinäle ein kräftiges Rot. Sei‘s drum, Stender erkärte das Geschehen ansonsten so gut, dass es jeder verstand.

Auch mehrere Pilgergruppen aus Tschechien waren schon Freitag nach Aachen gekommen. Eine 40-köpfige aus der Stadt Kladno, das liegt 20 Kilometer bei Prag, war auf Einladung von Vera Blazet in Kaiser Karls Stadt. Zehn Stunden war die mit dem Bus unterwegs. Andere Wallfahrer aus Tschechien brachen vor 43 Tagen per pedes nach Aachen auf. Dass sie eigens von Stender begrüßt wurden und von den vielen Wallfahrern mit einem Riesenapplaus belohnt wurden, war das eigentlich selbstverständlich.

Bis zum nächsten Sonntag, 29. Juni, werden auf dem Katschhof an jedem Vormittag im 11-Uhr-Gottesdienst die Heiligümer live gezeigt. Nachmittags sind meistens Thementreffen angesagt, so an dem Tag, an dem sich die Schüler der weiterführenden Schulen, Kindergartenkinder oder Grundschüler treffen. Auch ein Soldatentag ist vorgesehen. Und immer wieder wird der Katschhof sehr stark gefüllt sein.