Heidi Theissen zeigt Tier- und Menschenbilder in der Galerie S

Aachen : Seelenportraits von Mensch und Tier in der Galerie S

In die Belle Epoque entführen die Bilder von Heidi Theissen. In glanzvolle Zeiten vor dem Ersten Weltkrieg. Die Pracht der Vergangenheit liefert die Rahmen für die Seelenportraits von Mensch und Tier und hebt die Frage nach einer Wesenseinheit, nach Symbiosen von Mensch und Tier, auf eine höhere Ebene.

Schon viele Jahre setzt sich Heidi Theissen mit Tiergestalten und Tierseelen im Sinne der Deutschen Romantik auseinander, nun bringt sie Tiere und Menschen in eine Beziehung und fragt nach einer gemeinsamen oder individuellen Identität. Beispielhaft für eine klar definierte Beziehung ist das Gemälde einer Dame der Gesellschaft mit einem edlen Barsoi-Hund. Beide tragen Pelz — sie von einem toten Tier, er hat ein üppiges Fell. Während sie entschlossen nach oben schaut, blickt der Hund treu ergeben nach unten. Besitzen Herrin und Hund eine gemeinsame Identität?

Eine ganze Reihe weiterer Mensch-und-Tier-Paare illustriert die Frage der Fragen und zeigt etwa einen bärtigen Mann mit einem Braunbär. Mit echtem Blattgold bearbeitet ist ein antiker Rahmen für einen Hermelin, jenes kleine weiße Pelztier, das für königliche Roben gejagt wurde.

Edel in Weiß gekleidet ist ein kleines Mädchen, auf dessen Schulter ein Hermelin sitzt und freundlich mit ihr nach vorne schaut. Eine Bäuerin zeigt sich mit einer blumengeschmückten Kuh, zu einer strengen Dame in Schwarz mit Perlen im Haar gehört ein seltener Schwarzstorch.

Alte Kabinettfotografien

Ein halbes Jahr Vorarbeit leistete die Künstlerin mit der Suche nach alten Kabinettfotografien von Männern, Frauen und Kindern, die die Personen in charaktervollen Posen und maßgeschneiderter, standesgemäßer Kleidung zeigen. Auf Flohmärkten vor allem im französischsprachigen Raum fand sie Fotos, Bilderrahmen, Spiegel, Hölzer, Bleche und andere Objekte, die ihren Vorstellungen entsprachen und machte sich vor allem mit Acrylfarbe und Buntstiften ans Werk. Innerhalb weniger Monate entstanden so die 26 Tafelbilder der Ausstellung, die jeweils eine ureigene Geschichte oder gar ein Märchen erzählen.

Besonders beredt sind zwei Objekte aus dem maritimen Bereich. Aus dem Kopf einer einstigen Galionsfigur, die als geheimnisvoller Schiffswächter fungierte, machte sie eine mit Ähren bemalte Kornmuhme — eine keinesfalls harmlose Wächterin der Felder. Gefährlich werden könnte auch die dreieckige Spitze eines uralten Schiffsmasts: mit ihren leicht aufgebrochenen Seiten sieht sie aus wie Krokodil, das langsam das Maul öffnet und seine Zähne zeigt.

„Identitas“ ist eine Ausstellung, die neugierig macht auf immer neue Mensch-Tier-Verbindungen. Das große Staunen hört nicht auf angesichts der charaktervollen Schönheiten und der prachtvollen Rahmungen aus der Vergangenheit, die die Ausstellung weit weg vom Alltag, in die Vergangenheit und womöglich eine Parallelwelt führt.

Zu sehen ist die Schau bis zum 19. Juni in der Galerie S., Hof 3, freitags von 17 bis 21 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr und montags/dienstags von 15 bis 19 Uhr.

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