Heidemarie Ernst berichtet von ihren ersten Wochen am Bushof in Aachen

Situation am Bushof : Die Kümmerin gibt zur Hoffnung Anlass

Es tut sich etwas am Bushof. In der Bezirksvertretung Aachen-Mitte stellte sich Heidemarie Ernst als die neue „Kümmerin rund um den Bushof“ vor.

Sie tat das mit solcher Bravour, dass das anerkennende Wort des CDU-Fraktionsvorsitzenden Ralf Otten für alle Fraktionen gelten konnte: „Das war ein guter Aufschlag.“

Bezirksbürgermeisterin Marianne Conradt sprach vom „Sorgenkind Bushof“, was die Situation fast verniedlicht. Die Lage ist seit Jahren dramatisch. Im vergangenen langen warmen Sommer spitzte sie sich gewaltig zu. Der strategisch wichtige innerstädtische Raum mit seinem hohen Pendleraufkommen ist zum Anziehungs- und Treffpunkt von Menschen mit Suchtproblemen aller Art geworden. Einzelhandels-Leerstände und üble städtebauliche Mängel verschlimmern die Situation. Viele Menschen fühlen sich am Bushof unsicher.

Heidemarie Ernst soll es richten. Seit Dezember hat die bisherige Integrationsbeauftragte der Stadt im Eckhaus Peterstraße/Blondelstraße ihr Büro aufgeschlagen, die vom Sozialausschuss und der Bezirksvertretung Aachen-Mitte beschlossene „Koordinationsstelle Bushof und Gebiet“. Ihre Aufgabe: mit allen Beteiligten aus Verwaltung, Politik, Polizei, Handel, Gesellschaft und den Menschen vor Ort kreative Ideen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Umweltverbesserung entwickeln und umsetzen.

Nicht von heute auf morgen

Das geht nicht von heute auf morgen. Aber was Heidemarie Ernst in der Bezirksvertretung voller Elan über die erst wenigen Wochen ihrer Tätigkeit berichtete, gibt zu allen Hoffnungen Anlass. Mit dieser „Kümmerin“ hat die Stadt einen Glücksgriff getan. „Das Netzwerk Bushof ist aufgebaut“, berichtete Heidemarie Ernst. Will heißen: Die Koordinationsstelle macht sich bekannt, die Akteure rund um den Bushof wissen, da ist jemand Kompetentes, an den wir uns wenden können.

Die Bestandsaufnahme durch Heidemarie Ernst zeigte die vielfach bekannten Schreckensbilder: verschmutzte Leerstände am Bushof und in der City-Passage; an der langen Aseag-Haltestelle „die klassischen Szenen“ (Ernst) mit Suchtkranken, dazwischen Schulkinder und Passanten, die sich durchschlängeln; haufenweise Müll und Unrat der Obdachlosen, die in der Passage ihr Pappkarton-Nachtlager aufschlagen; Aufräumarbeiten dort jeden Morgen unter „kaum auszuhaltendem Gestank“; oft müssen Krankenwagen anrollen; ein junger Mann, der sich am helllichten Tag eine Spritze setzt; Müll und Dreck in der Bushof-Unterführung; Graffiti überall, Wettbüros, Spielhallen.

Heidemarie Ernst hat sich als Kümmerin vom Bushof jetzt der Bezirksvertretung Mitte vorgestellt. Foto: Stadt Aachen/Andreas Herrmann

Heidemarie Ernst hat mit den Anwohnern gesprochen, die von ihrem Ärger, ihrer Ohnmacht und Unsicherheit erzählten. Sie hat die Nationalitäten und Altersgruppen der Nachbarschaft erfasst. Sie hat Daten erfasst: 40.000 Menschen steigen täglich am Bushof ein- und aus, 1000 Fahrzeuge passieren stündlich den Bushof, 2000 Fußgänger strömen pro Stunde vorbei. Heidemarie Ernst ist mit den Geschäftsleuten im Gespräch. Sie ist mit einem Sicherheitsdienst nachts losgezogen. Sie hat Flyer verteilt: „Gemeinsam mehr erreichen.“ Und sie glaubt: „Das Unsicherheitsgefühl hat sich gemindert.“ Jochen Moselage (FDP) ist beeindruckt: „Bemerkenswert, wie Sie in wenigen Wochen eine so tiefgreifende Analyse erzielt haben.“

Die im Bushof ansässige Volkshochschule macht für ihre sinkenden Besucherzahlen die Missstände ringsum mitverantwortlich. Interessenten hätten Angst, abendliche Veranstaltungen zu besuchen. „Das können wir auf Dauer nicht tolerieren“, mahnt FDP-Politiker Moselage. Der Liberale kritisiert massiv die Polizei: „Auch die Polizei muss sich endlich bewegen. Es reicht nicht aus, dass sie sich die Szenerie nur anschaut und sagt: Och, das ist aber schlimm!“ Seit langem ist immer mal wieder ein „Revier Innenstadt“ im Gespräch, im Gebäude der Koordinationsstelle – aber es geschieht nichts.

Als „kleinen Mosaikstein, kleine Hilfe“ berichtet Detlef Fröhlke, Leiter des Ordnungsamts, über einen inzwischen eingesetzten privaten Sicherheitsdienst. Die Zwei-Personen-Wache rund um die Uhr ist allerdings nur auf privaten Flächen befugt, so Fröhlke, Anwohner registrierten jedoch schon, „dass da Menschen sind, die da sind“. Der städtische Ordnungsdienst habe zudem seine Schichtpläne geändert, er sei jetzt am Bushof früher unterwegs, auch in der Passage. Detlef Fröhlke: „Wir wollen es hinkriegen, dass die Situation am Bushof bis Sommer besser wird.“

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