Aachen: Haustiere wünschen sich einen ruhigeren Jahreswechsel

Aachen : Haustiere wünschen sich einen ruhigeren Jahreswechsel

Ein ruhiges Plätzchen im Keller oder eine Decke im geschützten Badezimmer: Das sind laut Verena Scholz, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Tierheim Aachen, die richtigen Orte, an denen Katzen und Hunde die anstehende Silvester-Knallerei unbeschadet überstehen können.

Zum Gassi-Gehen sollten Hunde Silvester gut angeleint werden, damit sie nicht ausbüxen können, wenn Böller schon vor der Zeit gezündet werden. „Und Katzen sollte man frühzeitig in die Wohnung holen“, rät Verena Scholz weiter. Im Tierheim am Feldchen 26 verursacht das mitternächtliche Feuerwerk erfahrungsgemäß keine Probleme. „Das Tierheim liegt ja in einem Gewerbegebiet, und da ist es vergleichsweise ruhig“, sagt Scholz.

Doch trotzdem sorgen die Mitarbeiter auch hier dafür, dass sich die Tiere in dieser Nacht möglichst geborgen fühlen. 80 Katzen und rund 60 Hunde sind derzeit neben vielen Kleintieren am Feldchen untergebracht. Die Katzen werden mit Musik beschallt, und die Hunde werden nach „innen eingeschiebert“, was soviel heißt wie: Sie bleiben in ihren Schutzhütten im Zwinger, bis das Spektakel vorbei ist. „Sicher ist sicher“, meint Scholz. Dass der Jahreswechsel für die Tiere purer Stress ist, zeigen die Zahlen: Nach dem Feuerwerk werden erfahrungsgemäß 30 Tiere als vermisst gemeldet. Die meisten von ihnen landen früher oder später im Tierheim, können dann aber von den Besitzern am nächsten Tag wieder abgeholt werden.

Für Notfälle gibt es am Tierheim einen eigens eingerichteten Zwinger. Auf den hat auch die Feuerwehr Zugriff und kann so die Tiere dort absetzen, die sie bei ihren Einsätzen aufgreift. Per Notfall-Handy können dann die Tierpfleger benachrichtigt werden. „Vor einigen Jahren hat uns die Feuerwehr mal einen Papagei gebracht, und der kann natürlich bei Minus-Temperaturen nicht draußen bleiben“, erzählt Verena Scholz. Er musste also noch in der Nacht in einen beheizten Käfig umquartiert werden.

Ganz offensichtlich haben die Mitarbeiter des Tierheims inzwischen Routine im Umgang mit schwierigen Situationen. Um „Schnellschüsse“ zu vermeiden, gibt es inzwischen auch einen Vermittlungsstopp vor Weihnachten. Denn Kaninchen und Katzen mit einer Schleife unter den Tannenbaum zu legen, ist nach Meinung von Verena Scholz absolut inakzeptabel.

Ratten als Schmusetiere

Gerade Kaninchen oder Meerschweinchen seien für Kinder absolut ungeeignet. „Sie sind Fluchttiere und entsprechend völlig ungeeignet als Schmusetiere“, betont Verena Scholz. Viel besser geeignet seien da Mäuse oder Ratten. Gerade Ratten seien extrem intelligente Tiere, die sehr lernfähig seien und deshalb den Bedürfnissen der Kinder sehr entgegen kämen.

In jedem Fall gelte aber, die Anschaffung eines Haustieres genau zu überlegen. Viele von denen, die Weihnachten verschenkt werden, landen demnach wenige Wochen später im Tierheim. Hier kommen all die Tiere unter, die ausgesetzt wurden, die verloren gegangen sind oder die ihrem ursprünglichen Besitzer abgenommen wurden, weil er das Tier hat verwahrlosen lassen. Das gilt oft gerade auch für die als besonders gefährlich geltenden „Listenhunde“, für die man eine besondere Genehmigung braucht, um sie überhaupt halten zu dürfen. Sie werden im Tierheim wieder aufgepäppelt und sobald es ihnen wieder gut geht, warten die Mitarbeiter gemeinsam mit ihnen auf ein neues Herrchen oder Frauchen.

Ein Terrier-Mix mit langem Fell sitzt zitternd vor dem Gitter seines Zwingers. „Er ist erst heute morgen gefunden worden“, sagt Scholz. Wenn er Glück hat, gibt sein Chip Auskunft über seine Herkunft. Heute bekommen alle Hunde und auch viele Katzen so einen Erkennungschip unter die Haut implantiert. Der hilft dabei, den jeweiligen Besitzer zu ermitteln und gibt Auskunft darüber, ob die Tiere zum Beispiel kastriert sind oder nicht. Die „große Katzenschwemme“ hat sich laut Verena Scholz inzwischen gelegt. Um den Katzennachwuchs auch nachhaltig in Grenzen halten zu können, wünscht sie sich eine Kennzeichnungs- und Kastrierungspflicht für Katzen auch in Aachen.

Sponsoren füllen die Näpfe

Viele Spender aus der ganzen Städteregion sorgen dafür, dass auch die Tiere im Tierheim so etwas wie Weihnachten erleben. Ein Zwinger ist voll gestapelt mit Hundefutter, Leckerli und dicken Knochen. Die einzelnen Pakete sind zum Teil mit den Bildern der Hunde versehen, für die die Überraschung gedacht ist. Und die Kinder- und Jugendgruppen des Tierheims sorgen dafür, dass es Weihnachten ein besonderes Leckerli für die Tiere gibt: Leberwurstbrote für die Hunde, gekochtes Hähnchenfleisch für die Katzen und extra viel Gemüse für Meerschweinchen, Kaninchen und Co.

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