Aachen: Hausbesetzer am Muffeter Weg wollen noch ein bisschen bleiben

Aachen : Hausbesetzer am Muffeter Weg wollen noch ein bisschen bleiben

Die Gruppe, die seit dem vergangenen Wochenende das Haus am Muffeter Weg 5 in Aachen besetzt hat, will bleiben: Am Sonntagnachmittag, der das Ende ihrer Aktionswoche bilden soll, haben sie eine Stellungnahme im Internet veröffentlicht. Sie sagen: Es gibt keinen Zweifel daran, dass das Projekt weitergehen muss.

Am frühen Sonntagnachmittag sieht es am Muffeter Weg nicht gerade nach Auszug aus. Überall wird gehämmert und gebastelt, ein „Umsonst-Flohmarkt“, bei dem brauchbare Waren kostenlos den Besitzer wechseln, wird vorbereitet. Die Aktionswoche ist zwar vorrüber, doch die Hausbesetzung ist es nicht.

Gekommen, um zu bleiben: Die Hausbesetzer am Muffeter Weg wollen das ehemalige RWTH-Institut auch nach Ablauf ihrer Aktionswoche noch nicht räumen. Sie hoffen auf weitere Duldung durch den BLB. Foto: Gombert

Sie hätten „bewiesen, dass wir das Haus und den dazugehörigen Garten besser nutzen können als der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW“, schreiben die Aktivisten in ihrer Stellungnahme. Tatsächlich haben sie den zum Haus gehörigen Garten, das bis vor einigen Jahren von einem Institut der RWTH genutzt wurde, innerhalb einer Woche ein wenig auf Vordermann gebracht.

Gekommen, um zu bleiben: Die Hausbesetzer am Muffeter Weg wollen das ehemalige RWTH-Institut auch nach Ablauf ihrer Aktionswoche noch nicht räumen. Sie hoffen auf weitere Duldung durch den BLB. Foto: Gombert

„Wir haben Pflanzen eingesetzt, die wir zum Teil von unseren Nachbarn geschenkt bekommen haben“, erzählt einer der Hausbesetzer bei einem Rundgang über das Gelände. Überall haben sich die Hausbesetzer mit kleinen Graffitis verewigt, die auf humorvolle Weise Kritik üben am Kapitalismus oder an Sexismus.

Der junge Aktivist weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass die Hausbesetzung nicht nur als Protest gegen ungenutzten Leerstand in Aachen zu verstehen sei. „Wir wollen zeigen, dass man auch Wissen vermitteln kann, ohne viel Geld dafür zu verlangen.“ Die Sträucher, Kräuter und Bäume im Garten sind daher mit Schildern ausgezeichnet worden, sowohl mit dem deutschen als auch dem lateinischen Namen.

Am Haus selbst, das von den Hausbesetzern „Muffi“ genannt wird, hat sich noch mehr getan: An der Straße steht mittlerweile ein „Food Sharing“-Schrank, in dem nicht benötigtes Essen abgelegt werden kann. Die Küche wurde soweit eingerichtet, dass Essen zubereitet werden kann. Mehrere Schlafzimmer wurden eingerichtet. Es gibt eine Komposttoilette im Garten, ein paar Hängematten und viele Sitzgelegenheiten. Was allerdings fehlt: fließendes Wasser.

Warten auf Entscheidung des BLB

Ob der Bau und Liegenschaftsbetrieb, dem die Immobilie gehört, die Hausbesetzung weiter dulden wird, ist unklar. Vor einigen Tagen hatte ein Sprecher der Behörde auf Anfrage unserer Zeitung mitgeteilt, dass man nach Ablauf einer Woche über weitere Schritte nachdenken werde.

Was das Haus angeht, so sagen die Aktivisten, würden die nächsten Tage spannend: „Wenn der BLB sich entscheidet, uns rausschmeißen zu lassen, rufen wir zu Aktionen der Solidarität auf.“ Und weiter heißt es in der Stellungnahme: „Und zur zur Erinnerung: Die Muffi ist nicht das einzige haus, das leer steht.“ Was auch immer komme: Es fühle sich wie ein Anfang an, nicht wie das Ende. Auch aus diesem Grund rufen die Hausbesetzer dazu auf, „in Aachen oder sonstwo“ die Aktion zu kopieren und „Räume, die gebraucht werden, einfach zu nehmen und zu gestalten.“

Die rechtliche Einschätzung einer Hausbesetzung hängt ganz davon ab, was der Eigentümer davon hält: Nur, wenn eine Anzeige erfolgt, liegt nach Auskunft der Polizei ein Hausfriedensbruch vor. Und nur auf Verlangen des Eigentümers hin wird die Polizei aktiv. Wenn — wie in diesem Falle — der BLB und die RWTH das Verhalten der Hausbesetzer dulden, dann liegt aus Sicht der Polizei eine Zustimmung zur unentgeltlichen Nutzung vor.

Die Hausbesetzung am Muffeter Weg ist die erste in Aachen seit Jahren. Zuletzt hatte es in der Silvesternacht 2011 eine Hausbesetzung an der Kasinostraße gegeben, die allerdings nur einen Tag lang gedauert hatte.

Mehr von Aachener Nachrichten