Aachen/Landgraaf: Hartes Training für den Kampf in New York

Aachen/Landgraaf: Hartes Training für den Kampf in New York

Gleich ist es geschafft! Zum Glück, denn langsam geht dem Feuerwehrmann, der in voller Montur die steile, 90 Meter hohe Treppe des Wilheminabergs im Park Gravenrode in Landgraaf im Laufschritt erklimmt, die Luft aus.

Schließlich schleppt er auch noch eine 13 Kilo schwere Carbonflasche mit gepresster Atemluft auf seinem Rücken. Ohne Rücksicht darauf, wie sehr Muskeln und Lunge schmerzen, gibt er auf den letzten Metern noch einmal richtig Gas - angespornt von seinen Kollegen, die am Treppengipfel auf ihn warten. „Das geht schon auf den Körper”, sagt der Feuerwehrmann, der Rene Serfs heißt, und schon zum fünften Mal an diesem Tag die 570 Stufen hochgestiegen ist. Klingt anstrengend. „Ist es auch”, stöhnt Serfs.

Sportlicher Wettkampf

Dabei ist der Feuerwehrmann nicht etwa im Einsatz, um Leben zu retten. Er und seine Kollegen Norbert Schwark, Martin Pieren, Daniel Fillinger, Bastian Lambertz und Dominik Szillert nutzen an diesem sonnigen Tag die steile Treppe in Landgraaf fürs Training. Für ihren Einsatz bei den World Police & Fire Games.

Diese Weltsportspiele der Polizei und Feuerwehr sind die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt nach Olympia und der Fußball-WM. „Und die Aachener Berufsfeuerwehr ist mit dabei”, sagt der Dominik Szillert, mit 25 Jahren einer der jüngsten der Gruppe, nicht ohne Stolz.

In diesem Jahr werden die Spiele in New York ausgerichtet. Zehn Jahre nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center werden rund 15 000 Polizisten und Feuerwehrmänner aus der ganzen Welt im „Big Apple” ihre Kräfte messen.

Die Aachener Berufsfeuerwehr reist mit einem 13-köpfigen Team, bestehend aus acht Sportlern, einer Teamärztin und technischen Unterstützern, an. Und wie das Training nicht anders vermuten lässt, treten sie in der Disziplin Stair Race, also Treppensteigen, an.

Im Word Trade Center Tower 7 werden die Männer in voller Ausrüstung ganze 49 Stockwerke erklimmen - und dabei gegen die Stoppuhr ankämpfen. „Das ist etwas ganz Besonderes. Es hat eine historische Bedeutung für uns, an dem Ort, wo vor zehn Jahren 366 unserer Kollegen ihr Leben gelassen haben, unser Bestes zu geben”, sagt Rene Serf. Die Teilnahme an diesem Wettkampf ist den Männern extrem wichtig. „Daran werden wir uns in 20 Jahren noch erinnern”, ergänzt Norbert Schwark. Die Männer haben nicht nur viel trainieren, sondern auch tief ins eigene Portemonnaie greifen müssen. „Wir zahlen die Flüge und den Aufenthalt aus eigener Tasche. Aber das ist es uns wert”, sagt Rene Serf. Für die Trainingsanzüge mit der Aufschrift „Feuerwehr Aachen” haben sie glücklicherweise einen Sponsor gefunden.

Leben im Sportlerdorf

Nächste Woche geht´s schon los - und die Männer können es kaum noch erwarten, in das Sportlerdorf in New York einzuziehen und bei der großen Eröffnungsfeier hinter der deutschen Fahne einzumarschieren. Sportlich wollen sie natürlich auch gut wegkommen. Denn das monatelange harte Training, der Schweiß und Schmerz sollen sich auszahlen. Da sind sich die Männer einig. „Unser Ziel ist es, in der Teamwertung in unserer Disziplin das erste Drittel zu erreichen. Das könnte hart werden, denn da sind wirklich richtig gute Kollegen dabei”, sagt Serf. Aber immerhin starten die Männer unter besten Voraussetzungen. Zwar treten sie das erste Mal bei den World Police & Fire Games an. Aber wenn sportliche Wettkämpfe anstehen, dann sind die Aachener Feuerwehrmänner immer gerne dabei. Am Firefighter Skyrun in Düsseldorf, wo Feuerwehrmänner auf den Stufen des Fernsehturms an ihre Belastungsgrenzen gehen, nahmen sie schon drei Mal teil - und haben stets gute Ergebnisse erzielt.

Diese Tradition soll auch in New York fortgesetzt werden. In unter neun Minuten wollen die härtesten Teammitglieder die 49 Stockwerke nehmen. Eine Taktik - etwa zwei Stufen auf einmal zu nehmen - haben sie sich dafür aber nicht zurecht gelegt, erklärt Norbert Schwark, den die Männer zu ihrem Trainer bestimmt haben. „Am Anfang macht man das vielleicht noch, aber man erkennt schnell, dass das nicht viel Zweck hat - und ab dem 20. Stockwerk hat man dafür ohnehin keine Kraft mehr”, sagt Rene Serf und grinst, noch immer außer Atem.

Kräftezehrendes Training

Der Spaß höre nach zehn Stockwerken auf, was einen dann weiterlaufen lasse, seien die ausgeschütteten Endorphine und der sportliche Kick. Warum tut man sich so etwas an? Die Antwort des 34-jährigen kommt wie aus der Pistole geschossen: „In unserem Beruf sind Kraft, Ausdauer und Durchhaltevermögen absolute Grundvoraussetzungen. Das ist wohl so eine Art Feuerwehrehrgeiz”, erklärt er. Und den legen die Männer sogar beim Training an den Tag.

Mancher Spaziergänger im Park Gravenrode schüttelt den Kopf über die verbissen laufenden Feuerwehrmänner - vor allem, wenn sie in voller Montur und mit Atemschutzmaske die Treppe hochrennen. Aber sie lassen sich nicht beirren. Und so machen sich die sechs bereit für den Treppenabstieg, um dann wieder den Weg nach oben anzutreten - zum sechsten Mal an diesem Tag. Ohne Rücksicht auf Schmerzen, Erschöpfung oder Hitzestau in der Uniform.

Weltsportspiele der Feuerwehr und Polizei

Die World Police & Fire Games finden alle zwei Jahre auf einem anderen Kontinent statt. In diesem Jahr wird es vom 26. August bis zum 5. September in New York sportlich.

In mehr als 60 Disziplinen können sich Polizisten und Feuerwehrmänner testen. Dazu gehören außergewöhnliche Sportarten wie der Treppenlauf, Hufeisenwerfen und Angeln, aber auch olympische Disziplinen wie Schwimmen, Laufen, Springen.

Von der Aachener Berufsfeuerwehr und Wehren aus der Städteregion starten in der Disziplin Stairways Norbert Schwark, Martin Pieren, Daniel Fillinger, Bastian Lambertz, Dominik Szillert, Rene Serf, Markus Busch und Oliver Grooz.

Als Technical Supporter reisen Pascal Bengels und Jörg Prast mit dem Team mit. Als 2. Trainer ist Andreas Kreuwen im Einsatz und Kerstin Schäfers als Teamärztin. Zur moralischen Unterstützung ist der Kollege Thomas Wagenplatz dabei, der seine Jungs richtig anfeuern wird.

Das schnellste Team gewinnt das Treppensteigen: Im Abstand von einer Minute starten die Läufer eines Teams. Am Ende zählen zum einen die Zeiten des einzelnen Läufers. In der Teamwertung werden diese Zeiten der Einzelnen zudem addiert und ergeben die Teamwertung.

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