Aachen: Happy End mit einem richtigen Schulranzen

Aachen: Happy End mit einem richtigen Schulranzen

Man stelle sich vor: Es ist der erste Tag an der Grundschule, stolz präsentieren die Jungen und Mädchen ihre neuen Schulranzen. Ein Junge streckt sein Piraten-Exemplar in die Höhe, ein Mädchen zeigt auf die quietschbunten Prinzessinnen ihrer Tasche. Nur ein einzelnes Kind steht im Hintergrund — keinen Ranzen, sondern einen einfachen Stoffbeutel in der Hand.

Der Hintergrund: „Nicht alle Eltern können ihren Kindern einen Schulranzen schenken“, erklärt Verleger Wolfgang Habedank. Dabei zählt ausgerechnet der Ranzen als „eine Art Statussymbol für Kinder“, so Habedank.

Es ist eine Geschichte, die sich genau so in der Städteregion Aachen abspielen könnte. Innerhalb der letzten zwei Jahre verteilte der Kölner „Tatort“-Verein in Aachen mit dem erfolgreichen Spendenprojekt „Wir starten gleich — Kein Kind ohne Schulranzen“ über 200 Ranzen an Kinder von finanziell benachteiligten Familien sowie Flüchtlingsfamilien.

Rund 10.000 Euro waren dafür notwendig, finanziert aus Spendengeldern. „Ohne diese wäre das unmöglich“, betont Habedank, Mitorganisator der Aktion. „Und der Bedarf wird jetzt im Hinblick auf das nächste Schuljahr wieder steigen.“ Das kurzfristige Ziel: die Neuanschaffung von 150 bis 200 Ranzen. Daher bitten die Verantwortlichen auch weiterhin um tatkräftige Mithilfe.

Der Schulranzen kommt ganz unkompliziert zum Kind: Die Kitas der gesamten Städteregion fungieren als Vermittler, informieren sich über die Anzahl finanziell benachteiligter Familien und richten sich damit an den Tatort-Verein.

„Auf manche Eltern gehen wir zu, andere sprechen uns an“, erzählt Denise Gluth-Wolke vom Familienzentrum Clara Fey. Auch in ihrer Einrichtung zeigte sich, dass tatsächlich vier der 25 Kinder ohne Schulranzen dastünden. Wäre da nicht die Spendenaktion. „Es ist wie Weihnachten für Kinder und Eltern“, so Gluth-Wolke.

Dank besonderer Einkaufskonditionen der Firma Frankenne können die Schulranzen preiswert erworben und an die bedürftigen Eltern abgegeben werden. Die direkte Abgabe an die Jungen und Mädchen sei hingegen nicht erwünscht. „Schließlich sollen die Kinder nicht wissen, dass die Ranzen ursprünglich nicht von Mutter und Vater stammen“, sagt Habedank.

Und so gibt es am Ende dann doch ein Happy End: Ohne Stoffbeutel, ohne Tränen und erst recht ohne benachteiligtes Kind.