Aachen: Hansemann-Realschule: Nur die Zehner behalten ihre alte Bleibe

Aachen: Hansemann-Realschule: Nur die Zehner behalten ihre alte Bleibe

Die Weichen sind gestellt. In einer Sondersitzung hat der Schulausschuss am Montag eine Empfehlung verabschiedet, wo die verbleibenden Klassen der David-Hansemann-Realschule ab Sommer unterrichtet werden sollen.

Einstimmig auf den Weg gebracht wurde die Variante, die sich bereits am Freitag als Kompromiss angedeutet hatte. Den Beschluss fasst am Mittwoch der Stadtrat.

Ab August hat die Realschule, die auslaufend geschlossen wird, nur noch die Jahrgänge 9 und 10. Am Ende des Schuljahrs 2015/16 beenden die letzten Klassen ihre Schulzeit. Bis dahin, so steht es ausdrücklich im Vorschlag an den Rat, bleibt die David-Hansemann-Realschule offiziell erhalten.

Die Schülerschaft allerdings soll ab Sommer aufgeteilt werden. Die vier Zehnerklassen sollen nach der Vorstellung der Schulpolitiker auch ihr letztes Schuljahr am angestammten Sitz der Schule an der Sandkaulstraße 12 verbringen. Die drei Klassen, die im Sommer in die Jahrgangsstufe 9 kommen, sollen dagegen an der Hugo-Junkers-Realschule unterrichtet werden. Die ohnehin vorgesehen Anbindung an eine andere Realschule für den letzten Jahrgang wird damit ein Jahr vorgezogen.

Die vierte Gesamtschule, die derzeit mit drei Jahrgängen an der Sandkaulstraße 75 arbeitet, soll ab Sommer komplett auf die andere Straßenseite, an die Sandkaul-straße 12, wechseln. Aachens jüngste Gesamtschule hat dann bereits rund 480 Schüler und braucht dringend mehr Platz.

Die alten Pavillons auf dem Gelände Sandkaul­straße 75 sollen ab dem Schuljahr 2014/15 nicht mehr genutzt werden, empfehlen die Schulpolitiker. Auf dem Gelände, wo die vierte Gesamtschule bisher provisorisch untergebracht ist, kann dann der Bau der „neuen“ Gesamtschule vorangetrieben werden — ein mehrjähriges Mammutprojekt mit geschätzten Kosten von gut 15 Millionen Euro inklusive Zweifachsporthalle.

Die Standortdiskussion um die Sandkaulstaße hatte in den vergangenen Wochen für reichlich Aufregung gesorgt. Schüler, Eltern und Lehrer der David-Hansemann-Schule setzten sich vehement dafür ein, dass alle Klassen bis zum Schluss an der Sandkaul­straße 12 lernen dürfen.

Nach all den emotionalen Diskussionen brauchte es im Schulausschuss dann keine halbe Stunde mehr, um den Kompromiss auf den Weg zu bringen. Ausschussvorsitzender Wolfgang Boenke lobte ausdrücklich die „konstruktive Mitarbeit bei der Entscheidungsfindung“.

„Es gibt keine Gewinner, es gibt keine Verlierer“, bilanzierte Peter Tillmanns (CDU). Eine Einigung der beiden Schulen sei leider nicht zustande gekommen, deshalb sei es Aufgabe der Politik zu entscheiden. Der Vorschlag, der auf dem Tisch liege, sei „ausgezeichnet, ein echter Kompromiss“.

„Einige Vorteile und wenige Nachteile“ erkannte auch Bernd Krott (SPD). Für die letzten beiden Jahrgänge der Realschule bringe der Sommer die Trennung. „Die Gesamtschule wiederum muss zusammenrücken und mit weniger Differenzierungsräumen auskommen.“

In all den Gesprächen in den vergangenen Wochen sei immer wieder der Wunsch geäußert worden, dass die Schüler „in Ruhe lernen können“, erinnerte Ulla Griepentrog. Das werde nun bestmöglich erreicht. Und: „Wir erwarten Konzepte von den Schulen. Deshalb haben wir auch die Verantwortung dafür, dass diese Konzepte umgesetzt werden können.“ Ein „bisschen saurer Apfel“ sei der Kompromiss natürlich, „aber auf beide Schulen verteilt“.

Georg Biesing (Linke) verwies ebenfalls darauf, dass das weithin beachtete Konzept der vierten Gesamtschule nicht eingeschränkt werden dürfe. „Die Debatte hat gezeigt, wie wichtig der Austausch mit Eltern und Lehrern ist“, erklärte Biesing, „und dieser Austausch hat tatsächlich stattgefunden“.

Gretel Opitz (FDP) zeigte sich erfreut, dass die Belastung durch den Baulärm einigermaßen reduziert werden könne. „Mein Wunsch ist, dass der Kompromiss nun von allen getragen werden kann“, so Opitz, „und dass die provisorische Situation professionell gestemmt wird.“

Ilse Zimmerman, die Schulleiterin der David-Hansemann-Schule, begleitet die drei Neunerklassen quasi an die Bischofstraße. Denn Zimmerman wird im August neue Schulleiterin der Hugo-Junkers-Realschule.

Lehrerversorgung sicherstellen

Die Lehrerversorgung der David-Hansemann-Schüler an zwei Standorten muss ab Sommer allerdings intelligent gelöst werden. Ulla Griepentrog sieht hier einen Arbeitsauftrag an die Verwaltung. Und sie formulierte ausdrücklich: „Auch die Gesamtschule trägt mit Verantwortung, dass das zehnte Schuljahr der Realschule mit Lehrern versorgt ist.“

Eltern, Lehrer und Schüler beider Schulen, die die Debatte im Ausschuss verfolgten, nahmen die Entscheidung schweigend zur Kenntnis. Auf dem Flur gab es dann aber noch reichlich Gesprächsbedarf.