Aachen: Handynetz: Noch sind einige Funklöcher zu stopfen

Aachen : Handynetz: Noch sind einige Funklöcher zu stopfen

Unterwegs im Bus. Eine gute Gelegenheit, ein paar Nachrichten auf dem Handy zu beantworten. Wenn man aber gerade auf der Monschauer Straße in Richtung Lichtenbusch unterwegs ist, könnte dies etwa ab Höhe des Waldfriedhofs scheitern. Irgendwann auf der Strecke — unser Fotograf hat es selbst getestet — erscheint auf dem Handydisplay „Kein Netz“.

Es ist eines der bekanntesten Funklöcher in Aachen. Doch auch die letzten sollen geschlossen werden, fordert Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der auch für die digitale Infrastruktur zuständig ist. Er hat den Funklöchern den Kampf angesagt. „Wir haben die Pflicht, dafür zu sorgen, dass die Bürger nicht im Funkloch stecken bleiben“, sagte Scheuer der Funke-Mediengruppe.

Das Funkloch-Problem ist vor allem auf Bahnstrecken bekannt. Wer schon mal mit der Regionalbahn 33 von Aachen Richtung Mönchengladbach gefahren ist, der weiß, wovon die Rede ist. Zum Beispiel zwischen dem Bahnhof West und dem Bahnhof Kohlscheid liegen fünf Minuten, in denen viele Smartphone-Besitzer auf eine gute bzw. vollständig auf eine Internetverbindung verzichten müssen.

Aber nicht nur auf dem Weg aus Aachen heraus, sondern auch mittendrin gibt es Netzprobleme. Leser meldeten uns zum Beispiel die Promenadenstraße zwischen Bushof und Aquis Plaza als Funkloch oder einen Teil zwischen dem Soerser Weg und der Berensberger Straße. Andere nannten den Brander Markt die Johannstraße oder die Hahner Straße.

Doch warum gibt es diese Funklöcher? Warum deckt das Netz nur diese kleinen Bereiche nicht ab? „Das hat meist entweder physikalische oder ökonomische Gründe“, erklärt Jörg Borm, Pressesprecher der Telefónica Germany, einer der drei großen Mobilfunkanbieter neben Telekom und Vodafone. „Das heißt, entweder stehen die Kosten einer Versorgung bestimmter Landstriche deutlich geringeren Erlösen gegenüber oder die Topologie eines Standorts führt zu einer schwierigen Versorgungslage“, sagt Borm.

Auch die Telekom bestätigt: Ist ein Standort unbesiedelt, ist es unwirtschaftlich, dort einen Mobilfunkmast aufzustellen. „Außerdem benötigt man eine Genehmigung dafür“, erklärt Andre Hofmann, Pressesprecher der Telekom. Wenn eine Stadt oder Gemeinde den Mast nicht genehmigt, sind uns die Hände gebunden, ebenso wie in Naturschutzgebieten.“

Auch zwischen Waldfriedhof und Lichtenbusch ist die Stadt natürlich nicht gerade dicht besiedelt. Doch besonders in abgelegenen Gegenden wie dieser geht ohne Handynetz auch ein Stück Sicherheit verloren. „Wenn man — gerade als Frau — dort alleine unterwegs ist und etwas passiert, hat man ohne Netz keine Chance, Hilfe zu holen“, befürchtet Elke Lieben aus Würselen. Ihrer Meinung nach sollte es gar keine Funklöcher geben.

Mit dieser Meinung ist die 53-Jährige nicht alleine. Bei einer Befragung in der Innenstadt geben viele Passanten verschiedenen Alters an, dass sie jederzeit erreichbar sein möchten. Sicherheit ist dabei nur ein Grund, auch Bequemlichkeit und Flexibilität sind vielen wichtig. Aber es gibt auch diejenigen, die ein Funkloch wenig oder gar nicht stört. „Wenn man sich ein paar Hundert Meter weiter bewegt, hat man ja irgendwann wieder Netz“, meint Nadine Hommes, die in Aachen arbeitet. Andere sehen es sogar als Wohltat, wenn das Netz mal weg ist.

Ausbau von LTE

Dennoch: Die großen Mobilfunkanbieter wollen die Netzabdeckung deutschlandweit verbessern. Telekom und Telfónica geben an, bereits an der flächendeckenden Versorgung mit dem Mobilfunk-Standard LTE zu arbeiten. Vodafone wird noch konkreter: Dieses Jahr seien für Aachen 26 Bauvorhaben geplant, darunter zehn Neubauten von Sendestationen sowie die erstmalige Installation von LTE an sieben bestehenden Standorten. Trotz der Versprechungen will auch die Politik an dem Thema dranbleiben. Andreas Scheuer hat ein Treffen mit den großen Anbietern noch vor der Sommerpause angekündigt. Zudem erwartet der CSU-Politiker den Start des im Koalitionsvertrag vorgesehenen Funkloch-Melders noch in diesem Jahr. Mit dieser App sollen Bürger die Möglichkeit haben, Funklöcher zu melden.

Doch nicht immer steckt eine Schwäche des Netzanbieters hinter den Funklöchern. Auch durch elektromagnetische Störungen kann es zum Ausfall kommen. Im Fall der Uniklinik, die unsere Leser als „Funkloch“ meldeten, gibt es eine andere Begründung: „Wir sind als größtes zusammenhängendes Krankenhausgebäude Europas entsprechend massiv gebaut, unter anderem mit Stahlbeton, der Mobilfunkstrahlung absorbiert“, erklärt Mathias Brandstädter, Sprecher der Uniklinik.

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