Aachen: Hagel, Blitze und Regen in der Kaiserstadt

Aachen : Hagel, Blitze und Regen in der Kaiserstadt

Fuhr man am frühen Montagmorgen bergauf oder bergab durch die Stadt, entschied das auch darüber, ob man sich mit der Flut oder dagegen bewegte. Gleich mehrere Gewitter waren über Aachen hinweggezogen und sorgten für überschwemmte Fahrbahnen und vollgelaufene Keller.

Auf dem Berliner Ring stand der Schlamm so hoch, dass die vierspurige Straße zumindest in Fahrtrichtung Autobahn gesperrt werden musste und erst am Montagnachmittag wieder befahrbar war. Bei der Einsatzleitstelle der Polizei gingen innerhalb von 70 Minuten 320 Notrufe ein. Wer in der Lage war zu helfen — Mitarbeiter von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW) und Stawag etwa — der konnte in dieser Nacht nicht auf nächtliche Erholung hoffen. Auf etlichen Straßen und in Tiefgaragen sammelte sich in kurzer Zeit so viel Wasser, dass Autos eingeschlossen wurden.

Einsatzreiche Nacht: Ob auf der Roermonder Straße in Laurensberg (oben, links), auf dem Berliner Ring (unten) oder am Kaiserplatz (darunter) — der Regen hat in Aachen allenthalben für viel Arbeit und hohen Sachschaden gesorgt. Foto: Ralf Roeger

Bis 3.30 Uhr war die Feuerwehr allein im Stadtgebiet etwa zu 370 Einsätzen ausgerückt. Es habe sich dabei hauptsächlich um überschwemmte Keller, vollgelaufene Kanäle und überflutete Straßen gehandelt, meldete die Einsatzleitung. In der Folge schwächte sich die Zahl der unwetterbedingten Einsätze etwas ab. Bis 14 Uhr registrierte die Leitstelle insgesamt 410. Die Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehren und der Berufsfeuerwehr waren mehr als zwölf Stunden lang pausenlos im Einsatz.

Einsatzreiche Nacht: Ob auf der Roermonder Straße in Laurensberg (oben, links), auf dem Berliner Ring (unten) oder am Kaiserplatz (darunter) — der Regen hat in Aachen allenthalben für viel Arbeit und hohen Sachschaden gesorgt. Foto: Ralf Roeger

Zu Spitzenzeiten haben die Mitarbeiter der städteregionalen Leitstelle rund 400 Notrufe in der Stunde angenommen, etwa 1300 innerhalb von 24 Stunden. Zwar sei es zu nicht unerhebliche Sachschäden gekommen, immerhin jedoch sei niemand verletzt worden.

Um 1 Uhr in der Nacht bat die Feuerwehr den Ortsverband des THW darum, bei der Bewältigung der Einsatzlawine zu helfen. Vier Teams, mit jeweils zwischen fünf und sieben Kräften, rückten aus. Das erste kehrte gegen Mittag zurück. „Die waren total fertig“, erklärte ein Mitarbeiter. Die drei anderen Teams waren zu diesem Zeitpunkt immer noch unterwegs. Kurz vor Mittag mussten sich die Helfer des THWs dann in ihrer eigenen Zentrale in der Eckenerstraße helfen — im Keller des Verwaltungsgebäudes stand das Wasser 25 Zentimeter hoch.

Am Nachmittag war auch die Stawag vor allem zu von Laub und Ästen verstopften Gullis ausgerückt, die Anrufer beinahe pausenlos meldeten. Kaum ein Problem habe es indessen mit den Windrädern auf Stadtgebiet gegeben. „Die Räder schalten sich bei zu starkem Wind ab“, erklärte Stawag-Sprecherin Eva Wußing. Das sei in der Nacht und am Morgen aber nicht nötig gewesen. Im Gegenteil: kurz vor und kurz nach dem Unwetter haben die Räder stillgestanden, weil die Windgeschwindigkeit zu gering war. Von vollgelaufenen Fundamentlöchern auf der Baustelle im Münsterwald wisse man demgegenüber nichts. Allerdings sei dies auch kein großes Problem, da sich die Fundamentlöcher einfach auspumpen ließen.

Probleme taten sich mit den Wassermassen allerdings im Brunnen am Europaplatz auf — oder besser gesagt darunter. Einige der Anlagenräume seien voll Wasser gelaufen und hätten Stellen erreicht, die für den Betrieb des Brunnens nötig sind. Ob die Inbetriebnahme des Brunnens — er sollte ursprünglich am 1. Mai anfangen zu sprudeln — dadurch gefährdet ist, prüft die Stadt derzeit.

Im Aachener Wald hätten sich in der Nacht Spaziergänger, wären sie auf den Waldwegen unterwegs gewesen, nasse Füße geholt. Nach Angaben von Harald Beckers vom Presseamt waren die Wegegräben voll Wasser gelaufen und hätten die Wege überflutet. Immerhin: der Förster war froh über das Wasser für die im Frühjahr gepflanzten Jungbäume.

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