Aachen: Haftstrafen für Angeklagte im Rockerprozess gefordert

Aachen : Haftstrafen für Angeklagte im Rockerprozess gefordert

„Wir sind in diesem Saal nur sicher, weil so viele Polizeikräfte und Beamte des Justizzentrums hier für Ordnung sorgen“, beschrieb Staatsanwalt Michael Jung in seinem Plädoyer die Lage im Prozess um den sogenannten Rockerkrieg unter Aachens Lederjackenträgern und organisierten Bike-Fahrern.

Nach elf Verhandlungstagen vor der 7. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht (Vorsitz Richter Jürgen Beneking) und aktuell einem halben Dutzend abgeschmetterter Beweisanträgen konnte am Dienstagmittag die Beweisaufnahme geschlossen werden.

Und wieder gab es die übliche Klage in Rockerprozessen: „Man hat den Eindruck, dass selbst Opfer lieber in die Strafbarkeit gehen, als hier die Wahrheit zu sagen“, prangerte Jung die Einschüchterungspraxis der Gruppen an, die in diesem Verfahren den Hells Angels nahe stehen. Allerdings: Ihre Kontrahenten bei der Rocker-Gruppierung Bandidos handhaben dies keineswegs anders.

So gab es am Dienstag für Staatsanwalt Jung weiterhin keine Zweifel, dass die gewalttätige Aktion vom 6. September 2015 an einem Sonntagnachmittag an einer Tankstelle Ecke Eisenbahnweg und Trierer Straße von dem Haupttäter Engin K. (33) und weiteren Tätern begangen wurde. Drei von ihnen waren mit K. festgenommen worden, weitere blieben jedoch unerkannt. Engin K. sei ein „Prospect“ (Anwärter) der Hells Angels in Aachen. Er und seine Kumpane seien dort auf mutmaßlichen Zugehörige der Aachener Bandidos-Szene gestoßen und hätten mit ihnen einen Revierkampf begonnen.

Mit Knüppelschlägen seien sie in den Verkaufsraum der Tankstelle getrieben worden, der gemeinschaftliche Überfall sei juristisch ein „schwerer Landfriedensbruch“, der später sogar blutig mit Messerstichen endete. K. war als erster mit einem Knüppel auf die Bandidos an der Zapfsäule losgegangen, hatte einen in den Verkaufsraum getrieben. Der wehrte sich, zog ein Messer und verletzte Angreifer K.. Der wiederum entwandt dem Kontrahenten das Messer und stach es ihm in den Bauch. K. hatte als Anlass angegeben, die beiden Bandidos hätten zuvor seine Familie bedroht, den Mercedes an der Tankstelle habe er zufällig erkannt.

Der Staatsanwalt beantragte für alle vier Haftstrafen. Engin K. soll vier Jahre absitzen, für Serkan P. (27) forderte er zwei Jahre und sechs Monate, Selcuk O. (37) soll zwei Jahre und zehn Monate absitzen und für Burhan S. (26) sind zwei Jahre ohne Bewährung beantragt. Verteidiger Peter Schäfer forderte für Engin K. eine Bewährungsstrafe. K. sei auch Opfer der Presse, deren Vertreter Schäfer als „Schmeißfliegen“ bezeichnete. Das Urteil wird am morgigen Donnerstag um 9 Uhr gesprochen.