Kommentar zu Camp Hitfeld: Hänneschentheater

Kommentar zu Camp Hitfeld : Hänneschentheater

Was soll dieses Gerichtsverfahren? Eigentlich sind sich die Verwaltungsspitze in Person des Oberbürgermeisters und Investor Norbert Hermanns im Ziel völlig einig. Zumindest, wenn man glauben darf, was aus Gesprächen kolportiert wird.

Im Raum steht die Vision von einem Gewerbecampus für Elektromobilität. E-Pionier Günther Schuh schwebt so etwas in seiner Heimatstadt schon lange vor: die konkrete Umsetzung von Aachener Spitzenforschung direkt vor Ort. Er selbst hat das mit dem Streetscooter und dem e.Go vorgemacht.

Denkbar ist aber viel mehr. Etwa die Ansiedlung von Zulieferern unmittelbar dort, wo die Produkte dann auch eingebaut werden. Nur: Dazu fehlt in Aachen der Platz. Den würde es geben, wenn Camp Hitfeld in verträglicher Weise dafür zur Verfügung stünde. Mit dem Wegfall der dortigen Wasserschutzzone wäre der Weg frei, zumal auch im Flächennutzungsplan dort Potenzialflächen für Gewerbe ausgewiesen werden sollen.

Also könnte man sich umgehend an den Bebauungsplan machen. Die Zeit drängt. Genau jetzt und in naher Zukunft werden die Standortentscheidungen für Produktionsstätten in Sachen E-Mobilität getroffen. Siehe Batterieproduktion, die nach Münster geht.

Stattdessen streitet man vor Gericht, wem das Gelände denn nun gehören soll. Es geht um Formalitäten. Dabei hat auch die Vorsitzende Richterin angesichts der Vorträge im Gerichtssaal durchaus das Gefühl, dass es hier Sinnvolleres gibt als ein Urteil. Ein Gang durch die Instanzen würde Jahre dauern. Dann muss noch ein Bebauungsplan her. Das würde ewig dauern, mancher Zukunftszug wäre längst an Aachen vorbeigerollt. Das hätte wenig mit dem „Wohl der Allgemeinheit“ zu tun, mit dem die Stadt ihr Vorkaufsrecht begründet.

Nein, es braucht hier kein Urteil, sondern gesunden Menschenverstand. Und der sagt: An einem Strang ziehen, um schnellstmöglich das Maximale – darunter viele Arbeitsplätze und das Siegel einer Hauptstadt für Zukunftstechnologien – für Aachen herauszuschlagen. Das geht so: Der Investor behält Camp Hitfeld, schafft die Altlasten weg und entwickelt die Infrastruktur. Im Gegenzug wird die spätere Nutzung in besagtem Sinne fixiert. Voranmachen ist das Gebot der Stunde und nicht das, was Donnerstag vor Gericht stattfand. Nämlich Hänneschentheater.

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