Aachen: Händler bangen um den Wochenmarkt

Aachen : Händler bangen um den Wochenmarkt

Die Öffnungszeiten der Wochenmärkte sollen nicht verlängert werden. Dafür wollen sich am kommenden Mittwoch die Lokalpolitiker im Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft aussprechen. Die Marktbeschicker hatten eine Verlängerung der Öffnungszeiten in der vorgeschlagenen Form zuvor mehrheitlich abgelehnt.

Aus Sicht der Interessengemeinschaft Aachener Wochenmarktbeschicker besteht dennoch dringender Handlungsbedarf. „Wenn sich in den nächsten drei bis fünf Jahren nichts ändert“, sagt deren erster Vorsitzender Bernd Krämer, „dann stirbt der Wochenmarkt.“

Frische Lebensmittel aus der Region können alle Aachener dienstags und donnerstags von 6 bis 14 Uhr auf dem Markt kaufen. Nicht nur dort — Wochenmärkte gibt es auch in den Stadtteilen —, aber gerade vor dem Rathaus liegt laut Krämer einiges im Argen. „Der Dienstag rechnet sich für die allermeisten Marktbeschicker gar nicht mehr“, sagt er. Bis auch der Donnerstag unrentabel werde, sei es nur noch eine Frage der Zeit. Und dann „gehen die Beschicker laufen“ und der Wochenmarkt sterbe — oder werde zu einer Art Trödelmarkt.

Um das zu verhindern, genüge es jedoch nicht, die Öffnungszeiten einfach zu verlängern. Das könnten die Marktbeschicker auch gar nicht leisten. „Natürlich haben die bei der Befragung durch die Verwaltung Nein zur Verlängerung gesagt. 12 bis 14 Stunden auf dem Markt stehen — das geht nicht.“ Auch viele der frischen Waren machten das nicht so einfach mit. Ein Wochenmarkttag, der sich an den Bedürfnissen von Berufstätigen orientiert, müsse her. Das sei auf dem Markt allerdings nur schwer umsetzbar, sagt Krämer. In den Außenbezirken, seien die Öffnungszeiten in Ordnung — in der Innenstadt nicht. Man müsse beginnen, sich an den Bedürfnissen der Kunden zu orientieren. Und da gehe die Frage nach den Öffnungszeiten Hand in Hand mit der Frage nach dem Ort.

Auf dem Markt könne man nicht einfach freitags etwa Stände aufbauen und von 15 bis 20 Uhr betreiben. Dort müsse zum einen auf die Gastronomie mit Sonderöffnungszeiten, zum anderen immer wieder auf Veranstaltungen Rücksicht genommen werden. Und der Markt sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch nicht so einfach zu erreichen wie etwa — und das wären Vorschläge der IG — am Elisenbrunnen oder auf dem Münsterplatz. „Wichtig ist nicht, wo die Stadt den Wochenmarkt haben will, sondern wo die Bürgerinnen und Bürger ihn haben wollen.“

Eine Ansicht, die nicht jeder teilt. Für Simon Adenauer von der CDU-Fraktion muss der Markt bleiben, wo er historisch gewachsen ist: auf dem Markt. Dort bilde er ein wichtiges Gegengewicht zum Aquis Plaza, sorge in diesem Teil der Stadt für Attraktivität. Immerhin: Über die Erreichbarkeit könne man sprechen, sagt Adenauer und verweist auf die Diskussion um den Marktliner. Und ein Freitagsmarkt? „Der müsste sich in ein Gesamtkonzept einfügen“, erklärt er. Andere Markttage dürften nicht wegfallen, und auch die Märkte in den Stadtteilen zu bedienen müssten sich die Marktbeschicker weiterhin leisten können.

Wie die Kollegen von der CDU habe auch ihre Fraktion intensive Gespräche mit den Marktbeschickern geführt, sagt Fabia Kehren (SPD). Im Ergebnis „sind wir offen, über einen Markttag am Elisenbrunnen zu sprechen“, sagt sie. Es könne allerdings schwierig werden, da alle Beteiligten unter einen Hut zu bekommen. Lisa Lang (Grüne), stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses, wird gemeinsam mit ihren Fraktionskollegen dem Verwaltungsvorschlag wohl auch „schweren Herzens“ folgen. „So haben die Berufstätigen nichts davon“, erklärt sie. Ihre Fraktion plädiere für einen Feierabendmarkt in der Stadt. Am Elisenbrunnen sei es aber ein wenig eng dafür. Und auch Lang sagt, über einen Marktliner werde noch zu reden sein.

Zum Ergebnis, dass die nächste Sitzung des Ausschusses für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft am kommenden Mittwoch hervorbringen wird, war auch schon der Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss gekommen — einstimmig. Endgültig beschließen, ob die Öffnungszeiten der Aachener Wochenmärkte verändert werden, muss der Stadtrat. Nach den dann vorliegenden eindeutigen Empfehlungen aus den Ausschüssen und den Ergebnissen der Beschickerbefragung ist es aber sehr wahrscheinlich, dass die Öffnungszeiten der Wochenmärkte in der vorgeschlagenen Form nicht kommen. Endgültig abgehandelt ist das Thema Wochenmarkt in der City mit einem Beschluss am Mittwoch allerdings nicht.