Aachen: Gut Pfaffenbroich: Großes Stück Aachen unter dem Hammer

Aachen : Gut Pfaffenbroich: Großes Stück Aachen unter dem Hammer

Aachen ist, so steht es jedenfalls im Internet, 160,8 Quadratkilometer groß. Ein guter Batzen davon, im Westen der Stadt und am Rande von Laurensberg, steht nun zum Verkauf: mehr als 0,6 Quadratkilometer.

Genauer: Gut Pfaffen­broich, kurz vor der niederländischen Grenze gelegen und noch als landwirtschaftlicher Betrieb genutzt, wird im September zwangsversteigert, samt der umliegenden Areale, die von der Grensstraat in Vaals und der Vaalser Straße bis hin zum Schneeberg (Golfplatz an der Schurzelter Straße) reichen.

Für den 13. und 14. September sind beim Amtsgericht Aachen vier Termine angesetzt, es handelt sich nämlich um unterschiedliche, getrennt ins Grundbuch eingetragene Flurstücke, zwischen 186,51 und 2436,06 Ar groß.

Zusammengerechnet werden 613 353 Quadratmeter Ackerland, Waldfläche, Grünland und Unland, Gehölz-, Sumpf- und Gewässerfläche, ebenso eigene Wege aufgerufen. Wobei Unland per Definition eine unbebaute Fläche ist, die nicht geordnet genutzt wird, etwa Felsen oder Böschungen.

Dazu natürlich Gut Pfaffenbroich selbst, eine mehrflügelige, geschlossene Hofanlage mit zweigeschossigem Wohngebäude (345 Quadratmeter groß) und Betriebsgebäuden (1500 Quadratmeter groß). Die Immobilien werden — bis auf das Wohnhaus — als überwiegend sanierungsbedürftig beschrieben, zwei Ruinen auf dazugehörigen Grundstücken sogar als abbruchreif.

Trotz des überwiegend maroden Zustands der Ställe, Hallen und Garagen ist für das Gesamtobjekt, also alle vier Lose zusammen, ein stattlicher Betrag von rund 4,8 Millionen Euro zu entrichten. Ein gut gefülltes Konto ist also Voraussetzung, wenn man am 13. und 14. September im Saal A 3.017 des Justizzentrums am Adalbertsteinweg den Zuschlag bekommen will. Zumal auf Verlangen zehn Prozent der gebotenen Summe als Sicherheitsleistung hinterlegt werden müssen.

Das Interesse dürfte sicherlich dennoch groß sein, denn wann kam man schon einmal einen derartigen Batzen Aachen erwerben?

Es handelt sich um eine „Zwangsversteigerung zur Aufhebung der Eigentümergemeinschaft“, die üblicherweise dann angesetzt wird, wenn Eheleute sich trennen oder Erben sich nicht über die Verteilung des Nachlasses einig werden, wenn zum Beispiel kein Geld vorhanden ist, um einen der Beteiligten auszuzahlen. Der Verkehrswert ist von einer öffentlich bestellten und vereidigten Gutachterin festgestellt — kein einfaches Unterfangen bei einem derartig außergewöhnlichen, kaum vergleichbaren und umfangreichen Objekt.

Die denkmalgeschützten Gebäude stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, teilweise wurden ab 1970 geringfügige Modernisierungen vorgenommen. Der Hof ist teilweise von einem Teich umgeben, allerdings nicht ans öffentliche Kanalnetz angeschlossen. Die Wohnlage wird von der Gutachterin, der Architektin Heike Grafen, als gut bezeichnet.

Urkundlich erwähnt wird Gut Pfaffenbroich schon deutlich früher als im 17. Jahrhundert, so dass sich auf dem Gelände Reste von Vorgängerbauten befinden könnten. Bei einem eventuellen Umbau zu Wohnzwecken könnten folglich archäologische Untersuchungen fällig werden, das treibt eventuelle Neubaukosten in die Höhe.

Der gegenwärtige Pachtvertrag läuft noch bis Ende 2018, für einen Teil der Anlage ist ein Nießbrauch in Form eines lebenslangen Wohnrechts eingetragen. Besonders interessant für Kaufwillige dürfte sein, ob und inwieweit die Grundstücke im Außenbereich, für die kein Bebauungsplan besteht, über die bestehenden Gebäude hinaus bebaut werden dürfen.

Einst gab es 30 Bauernhöfe

Nach Kriegsende gab es in Vaalserquartier noch 30 Bauernhöfe, wenn man auch die kleinsten einbezieht. Zuletzt wurden noch zwei Höfe bewirtschaftet: Gut Pfaffenbroich und Gut Reinartzkehl (inzwischen Reiterhof). Die anderen Höfe sind zu Wohnungen umgebaut worden, die Ländereien wurden teilweise an das Land NRW für das Uniklinikum verkauft.

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