Aachen: Gut Melaten steht vor strahlender Zukunft

Aachen: Gut Melaten steht vor strahlender Zukunft

Ein Kreis schließt sich. Das historische Kleinod Gut Melaten, einst die Wiege des Krankenhauswesens in Aachen, ist dem Universitätsklinikum vom Land für einen symbolischen Betrag übertragen worden. Sprecher Dr. Mathias Brandstädter: „In Zukunft soll dieses Gebäude der Medizinischen Fakultät als zusätzliche Forschungsstätte dienen.“

„Außerdem war und ist das denkmalgeschützte Gut mit seinem historischen Ambiente ein beliebter Veranstaltungsort. Wir werden dort auch künftig Büroräume und Tagungsflächen für die Medizinische Fakultät und die Uniklinik RWTH Aachen errichten.“ Allerdings muss zunächst eine aufwendige Renovierung vorgenommen werden, erste Vorarbeiten haben schon begonnen.

Gut Melaten war im Mittelalter so etwas wie die Keimzelle des Hospitalwesens in Aachen und kehrt jetzt in den Schoß des Universitätsklinikums, das sich in Sichtweite befindet, zurück. Davon profitiert auch der Freundeskreis Botanischer Garten, dessen Geschäftsführer Karl Josef Strank auf die Ecke deutet, in der das Lern- und Lehrlabor eingerichtet wird. Vorher muss allerdings umfassend saniert werden. Foto: Andreas Herrmann

Ein Teil des Vierecksgebäudes drohte nämlich um 2010 herum einzustürzen, zuletzt stand es leer und verfiel. „Das kann ein Sahnestück mit zeitgenössischer Nutzung werden“, sagt auch Dr. Karl Josef Strank, der Geschäftsführer des Freundeskreises Botanischer Garten, der gemeinhin nicht zu Übertreibungen neigt. „Wenn alles funktioniert, wird es ein Aushängeschild für die ganze Gegend.“

Gut Melaten war im Mittelalter so etwas wie die Keimzelle des Hospitalwesens in Aachen und kehrt jetzt in den Schoß des Universitätsklinikums, das sich in Sichtweite befindet, zurück. Davon profitiert auch der Freundeskreis Botanischer Garten, dessen Geschäftsführer Karl Josef Strank auf die Ecke deutet, in der das Lern- und Lehrlabor eingerichtet wird. Vorher muss allerdings umfassend saniert werden. Foto: Andreas Herrmann

An der er und andere seit vielen Jahren mitgearbeitet haben und von dem der Arbeitskreis profitierten wird. Er soll in der sogenannten Scheune im hinteren Bereich ein etwa 90 Quadratmeter großes Gebäude mit mehreren Ebenen bekommen, in dem ein Lern- und Lehrort für Schüler eingerichtet wird, inklusive eines Wintergartens zum Karlsgarten und zur Obstwiese sowie dem Arboretum hin, wo Klassen samt Lehrer schon immer unter freiem Himmel Wasser, Luft und Boden erkunden konnten. Aber nur im Sommer, bislang gab es dafür in Gut Melaten keine (geheizten) Räume.

Das einzige Leprosorium

In dem Lern- und Lehrlabor, das jetzt angelegt wird, sollen aber nicht nur Kinder und Jugendliche unterwiesen werden, sondern auch angehende Lehrer prüfen, ob sie für die Studienrichtung und den Beruf des Pädagogen geeignet sind. Strank: „Das ist neu.“ Ohnehin will die TH verstärkt „Education Labs“ einrichten, um eine engere Anbindung zwischen den hiesigen weiterführenden Schulen und der Eliteuni herbeizuführen.

Gut Melaten liegt nur 100 Meter vom Klinikum an der ehemaligen Via regia, der Königsstraße zwischen Aachen und Maastricht. Der Hof wurde absichtlich dorthin gebaut, damit die Leprakranken und Aussätzigen, die dort untergebracht waren, ihren Lebensunterhalt auch durch Betteln verdienen konnten.

Die ehemalige mittelalterliche Leprastation vor den Toren der Stadt, urkundlich erstmals 1230 erwähnt, war gut isoliert und diente für mehr als 300 Jahre als Leprastation, ehe sie um 1550 in einen landwirtschaftlichen Pachtbetrieb umgewandelt wurde, der mit seinen Einnahmen das Hospitalwesen unterstützte.

Deutschlandweit ist Gut Melaten das einzige in seiner Eigenart erhaltene mittelalterlich Leprosorium überhaupt. Auch ist es ein frühes Zeugnis für die Beziehungen Aachens in die Euregio, es gehörte nämlich zum Bistum Lüttich. Seit 1966 ist Gut Melaten im Zuge der Hochschulerweiterung im Eigentum des Landes NRW, der landwirtschaftliche Betrieb wurde in den 1970er Jahren aufgegeben.

Der Friedhof der weitgehend abgerissenen Kapelle wurde 2011 von der Melaten-Kapelle in einen würdigen Zustand versetzt. Mit den Steinen aus Melaten wurde die Kapelle auf dem Ostfriedhof errichtet. Von den mehr als 100 Skeletten, die auf dem Gelände entdeckt wurden, waren viele Leprakranke, einige aber auch geköpft worden, ergaben Untersuchungen eines Anatomie-Instituts der RWTH.

Möglicherweise ist Gut Melaten aber noch viel älter und geht bis auf die Römerzeit zurück. Das könnte man sicherlich erkunden, wenn der Brunnen in einem Seitengebäude genauer untersucht würde. Er geht fast 17 Meter in die Tiefe und besteht aus behauenen Quadern, wie sie im Mittelalter verwendet wurden.

Durch Holzproben oder Untersuchung von Mörtelresten könne man sicher eine genauere Datierung bekommen. Strank: „Die Archäologen haben großes Interesse.“ Das Problem ist, im Taucheranzug und mit Atemschutz in die Tiefe gelassen zu werden, der Brunnen ist nämlich einigermaßen eng.

Zeitgleich mit dem Neustart von Gut Melaten soll auch der Arbeitskreis Botanischer Garten neuen Schwung aufnehmen. 440 Mitglieder hat er derzeit, die Zahl sank zuletzt. Nun sollen auch die Lehrenden und Studenten der Biologie angesprochen werden, die auf dem Gelände schon ihre Bienenstöcke untergebracht hatten.

Schließlich war die Idee, einen Botanischen Garten anzulegen, in den 1980er Jahren bei den Biologen der RWTH entstanden, auch hier schließt sich ein Kreis. Der erste Standort befand sich in der Nähe des Gästehauses an der Melatener Straße, bevor man in den Bereich Gut Melaten umzog, wo im Karlsjahr 2000 der Karlsgarten eröffnet wurde.

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