Gut Branderhof in Aachen

Spendenaktion startet am Freitag : Für das neue „Wohnzimmer“ eines Viertels

Der kommende Freitag wird für die Burtscheider und die Mitglieder des Vereins „Gut! Branderhof e.V.“ wohl ein wegweisender Tag. Denn dann beginnt offiziell die Spendenkampagne für den geplanten Umbau des Gehöfts am Branderhofer Weg ab 16 Uhr mit einem Benefizkonzert.

Der Verein hat Großes vor: Bis 2023 möchten er den alten Pferdehof, der bereits jetzt ein erfolgreiches Nachbarschaftszentrum ist, weiter ausbauen. Aus dem angrenzenden alten Pferdestall soll ein großer Saal für Veranstaltungen entstehen, und aus dem Hauptgebäude soll mit einer neuen Küche das „Wohnzimmer des Viertel“ werden, wie Ingeborg Haffert, Vorsitzende des Vereins, es formuliert.

Doch der Haken an der Sache und auch der Anlass für das Benefizkonzert: Das Land Nordrhein-Westfalen finanziert etwa 1,7 Millionen Euro der benötigten 2,4 Millionen Euro für die Sanierung nur, wenn der Verein etwa zehn Prozent der Mittel selbst aufbringt – 30.000 Euro bis zum kommenden Sommer, weitere 210.000 Euro in den darauffolgenden Monaten.

Auch die Stadt Aachen steuert 480.000 Euro der benötigten Gesamtsumme bei, wenn die Burtscheider die 250.000 Euro selbst zusammenbekommen. „Wir sind an einem entscheidenden Punkt angelangt“, sagt Haffert, „von nun an sind wir auf die Geldbörse der Anwohner angewiesen und hoffen auf muntere Unterstützung.“

Das Ziel, bis zum Herbst so viel Geld einzusammeln, sei zwar ambitioniert, sagt sie, doch durchaus machbar, denn: „Die Leute können uns auch mit Sachspenden und Eigenleistungen unterstützen.“

Läuft alles nach Plan, möchte der Verein Mitte 2021 mit dem Bau beginnen und setzt für die Dauer etwa drei Jahre an. Wichtig sei, Schritt für Schritt vorzugehen und erst den Umbau der Pferdescheune fertigzustellen, bevor es an das Hauptgebäude geht. „Das Nachbarschaftszentrum läuft bereits jetzt so erfolgreich, dass wir es uns nicht erlauben können, für so lange Zeit komplett dicht zu machen“, sagt Haffert.

Zu dem erfolgreichen, bereits bestehenden Programm gehört unter anderem das „Repair-Café“, bei dem die ehrenamtliche Mitglieder bei kleineren Reparaturen etwa von Fahrrädern helfen, und das Angebot „Gerda kocht“, bei dem die Anwohner freitags beim gemeinsamen Kochen und Essen das Wochenende einläuten. Auch die „Branderhofer Spieleabende“, bei denen Kinder und Erwachsene sich zum Beispiel zu Brettspielen verabreden, würden sehr gut angenommen.

Mit dem Umbau soll der Gutshof über Burtscheids Grenzen hinaus bekannter werden und für jeden offen stehen – ob für große Veranstaltungen als Treffpunkt für Initiativen und Vereine im Viertel oder um nur mal eben bei einem Tee ins Gespräch zu kommen.

Experimentelles Wohnen

Und all das soll erst der Anfang sein. Stück für Stück möchte der Verein auf dem umliegenden Grundstück auch das erste sogenannte „experimentelle Wohnen“ Aachens verwirklichen. Auf dem Gelände rund um den Hof sollen bis zu 70 barrierefreie Wohnungen für mehr als 100 Menschen jeden Alters entstehen.

Johannes Hucke, Architekt des Vereins, sieht in dem Vorreiterprojekt eine große Chance für die Stadt, die auch in Burtscheid mit den Folgen des demographischen Wandels zutun habe. „Die Stadt hat sich dagegen entschieden, das Gelände zu ‚versilbern‘ und Luxusanlagen hochzuziehen und investiert stattdessen in den dringend benötigten sozialen Wohnungsbau“, sagt er.

Doch nun sind die „Branderhofer“ erst einmal auf das anstehende Benefizkonzert mit den Sängern Kalle Bäcker und Ernie Reinecke mit seinen „Aachener Liedern“ und dem Aachener Urgestein Jupp Ebert gespannt. Denn Haffert betont: „Noch ist die Unterstützung des Landes nicht gesichert. Erst einmal muss die Spendenaktion ein Erfolg werden!“

www.gutbranderhof.de

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