Aachen: Gut Branderhof: Ein Objekt für Gleichgesinnte?

Aachen: Gut Branderhof: Ein Objekt für Gleichgesinnte?

Der ehemalige Reiterhof am Branderhof Weg ist aus Sicht der Grünen das ideale Areal, um auch in Aachen ein neues Wohn- und Baukonzept zu etablieren, mit dem andere Städte bereits große Erfolge feiern: das Bauen in der Baugemeinschaft.

Der Zusammenschluss privater Baufamilien zu sogenannten Baugemeinschaften erfreut sich vor allem in Freiburg und Tübingen großer Beliebtheit, setzt sich aber auch in anderen Großstädten wie Köln, Hamburg oder Berlin zunehmend durch.

Denn selbst anspruchsvolle Objekte oder große Grundstücke verlieren ihren Schrecken, wenn sich mehrere Menschen zur Baugruppe zusammenschließen, um gemeinsam ihre Träume zu verwirklichen. Im Team wird vieles denkbar, was sich Einzelne nie leisten könnten — angefangen von der modernen Lüftungs- oder Solaranlage bis hin zum Partykeller, Fitness-Raum oder Swimmingpool mit Sauna.

Das in Teilen denkmalgeschützte Gut Branderhof schreit nach Ideen solcher Baugruppen, meint die wohnungspolitische Sprecherin der Grünen, Martina Hörmann. Ihre Fraktion hat daher jetzt beantragt, die leerstehenden Gutsgebäude zur Vergabe an eine Baugruppe auszuschreiben.

Den Zuschlag soll am Ende nicht die Gruppe erhalten, die den höchsten Preis zahlt, sondern diejenige, die den qualitativ besten Umbauplan vorlegt. Konkurrenz ist gewollt: Je größer die Nachfrage, desto mehr gute Ideen werden entwickelt. Damit die Baugruppen kalkulieren können, soll ein Gutachterausschuss zuvor einen festen Preis für den Gutshof festlegen.

Die Anlage sei ideal für gemeinschaftliches Wohnen, findet Hörmann. Ein echter Nachbarschaftstreff könnte sich in dem erhaltenswerten Ensemble entwickeln, der das gesamte Viertel bereichern könnte. Wie viele Familien sich letztlich zu einer Baugruppe zusammenschließen müssen, ist offen. „Das hängt auch vom Platzbedarf der einzelnen Interessenten ab“, so Hörmann.

„Wir hoffen, dass die anderen Fraktionen unseren Antrag unterstützen und dass dieses neue Verfahren auch für Aachen ausprobiert werden kann“, sagt Hörmann. Andernorts spricht man bereits vom „Bauherrenmodell der Zukunft“. In Gruppen könnte vieles effektiver und finanziell günstiger erledigt werden. Der Umbau werde ganz auf die Bedürfnisse der späteren Bewohner zugeschnitten, die sich gemeinsam für ihr Quartier und Wohnumfeld verantwortlich fühlten.

Bislang beabsichtigt die Stadt, den Gutshof in Burtscheid an einen Investor zu verkaufen. Auf den umliegenden Freiflächen soll ein Wohngebiet entstehen. Insgesamt geht es dort um die Bebauung eines etwa elf Hektar großen Areals. Im Frühjahr 2014 soll die Öffentlichkeit beteiligt werden, zuvor sollen noch einige Ställe und Reithallen abgerissen werden.

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