Aachen: Gustav-Heinemann-Preis: Buch in Aachen ausgezeichnet

Aachen : Gustav-Heinemann-Preis: Buch in Aachen ausgezeichnet

„Wir können Menschen, die vor dem Krieg fliehen, nicht sagen: ‚Hier kommt keiner durch‘“. Mit diesem Fazit bedankte sich die portugiesische Kinderbuchautorin Isabel Minhós Martins für den Gustav-Heinemann-Preis, der ihr im Forum M der Mayerschen Buchhandlung verliehen wurde.

Und dass Aachen ein „wirklich passender Ort für die Preisverleihung war“, daran ließ Staatssekretär Klaus Kaiser gleich zu Beginn der Ehrung keinen Zweifel. Denn Aachens Grenzen zu den Nachbarländern sind offen, und Sinn und Unsinn von Grenzen ist das Thema bei Isabel Minhós Martins.

In ihrem Bilderbuch „Hier kommt keiner durch“ mit Illustrationen von Bernardo P. Carvalho, mit dem sie sich den Preis teilt, geht es gerade um die Öffnung von Grenzen. Der General in ihrem Buch verbietet es, die rechte Seite des Buches zu betreten.

„Warum?“, fragt ein erster neugieriger Besucher. Nach und nach drängeln sich immer mehr Menschen auf der linken Seite des Buches: Und keiner darf hinüber auf die völlig leere, weiße Seite. Und dann geschieht es: Spielende Kinder werfen ihren Ball unbeabsichtigt auf die leere Seite, und der General erlaubt ihnen nach einigem Zögern, den Ball zu holen. Damit scheint der Bann gebrochen.

Nach Meinung von Staatssekretär Klaus Kaiser geht Isabel Minhós Martins den umgekehrten Weg wie die Weltpolitik. Statt über die Errichtung neuer Mauern wie beispielsweise der in Mexiko nachzudenken, reiße sie Mauern ein. Und lässt es zu, dass alle möglichen, bunten Gestalten auf den Seiten ihres Buches zu Hause sind.

„Ich liebe es, feste Ideen und Weltbilder umzustürzen“, sagte sie in ihrer Dankesrede. Preise wie der Gustav-Heinemann-Friedenspreis seien vor allem deshalb so wichtig, weil sie den Blick auf schwierige Bücher lenkten, meinte sie weiter.

Seit 1983 vergeben

Der Gustav-Heinemann-Friedenspreis wird seit 1983 in Erinnerung an den ehemaligen Bundespräsidenten vergeben und will Kinder- und Jugendbücher auszeichnen, die sich für Menschenrechte, gewaltfreie Konfliktlösung, für die Integration von Minderheiten und für ein friedliches Zusammenleben einsetzen.

„‚Hier kommt keiner durch‘ bringt im ungewöhnlichen Format eines Wimmelbuchs den Friedensgedanken auf zweierlei Weise zum Ausdruck“, heißt es im Flyer zur Preisverleihung. Denn unsinnige Befehle und ungerechte Privilegien müssten unbedingt in Frage gestellt werden. Das lustvolle Hinterfragen der Grenzen in „Hier kommt keiner durch“ sei ein überzeugender Beitrag zur friedenspolitischen Erziehung.

Isabel Minhós Martins freute sich sichtlich über diese Auszeichnung, die sie auch im Namen ihres Illustrators entgegennahm. „Er ist eine große Anerkennung unserer Arbeit“, sagte sie.

Der Preis ist mit 7500 Euro dotiert und wird jährlich von der NRW-Landesregierung vergeben. Bei der feierlichen Preisverleihung in Aachen war auch ein Enkel Gustav Heinemanns unter den Gästen. Alle waren sich einig, dass Aachen ein wunderbarer Ort für die Verleihung eines Preises für ein Buch ist, bei dem es um Grenzen geht.

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