Aachen: Gudrun Pavel mit Bundesverdienstkreuz geehrt

Aachen: Gudrun Pavel mit Bundesverdienstkreuz geehrt

„Hier ist es schöner als in Schloss Bellevue“, schmunzelt einer der vielen Gäste, die sich an diesem Nachmittag im Weißen Saal des Aachener Rathauses versammelt haben. Einen schöneren Ort als das sonnendurchflutete Rathaus könnte es für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse an Gudrun Pavel wohl nicht geben — eben auch nicht den Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten in Berlin.

Oberbürgermeister Marcel Philipp und Städteregionsrat Helmut Etschenberg übernahmen gemeinsam die seltene Ehrung im Kreis von Familie und Weggefährten von Gudrun Pavel. Als Gründerin der „Fundação Pavel“, der Stiftung Pavel, habe sie sich in besonderem Maß um die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Brasilien im sozialen Bereich verdient gemacht, heißt es in der Begründung der Auszeichnung.

Und weiter heißt es: „Angesichts ihrer großen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland, ihrer gesamten Lebensleistung … wird vorgeschlagen, Frau Gudrun Pavel das Verdienstkreuz erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu verleihen.“

Marcel Philipp lobte das bescheidene Auftreten der Geehrten, die aufgrund ihrer Verdienste mit ihrem Ehemann Klaus sogar zu einer Privataudienz von Papst Franziskus eingeladen war. Klaus Pavel ist brasilianischer Honorarkonsul, Unternehmer und Ehrenpräsident des Aachen-Laurensberger Rennvereins.

„Mit der Unterstützung ihres Ehemannes hat Gudrun Pavel sich mehr als 25 Jahre sozial engagiert und insbesondere benachteiligten Kindern eine Perspektive geschenkt“, betonte Philipp. Im Sinne des Leitsatzes „Gib mir die Angel und nicht den Fisch“ unterstützt die Stiftung Menschen in Maranhão, dem ärmsten Bundesstaat von Brasilien, mit Hilfe zur Selbsthilfe.

„Gudrun Pavel erreicht mit ihrer positiven Ausstrahlung die Herzen der Menschen, sie ist geprägt von Bescheidenheit und Optimismus und hat einen beeindruckenden Lebenslauf“, unterstrich Städteregionsrat Helmut Etschenberg.

Mit familiären Wurzeln im polnischen Hirschberg in der Partnerregion der Städteregion Aachen in Jelenia Góra und geboren 1939 in Wien habe Pavel die damaligen Flüchtlingsströme miterlebt. „Pavel ist eine Weltbürgerin, bringt ihre große Lebenserfahrung ein und ein offenes Herz. Für die Kinder in Brasilien ist sie ein helfender Engel“, lobte Etschenberg.

Nähkurse für Mädchen

Gudrun Pavels Engagement begann 1992 mit der Organisation von Nähkursen für junge Mädchen in dem kleinen Ort Barão de Grajaú, der Heimat von Iva Engels-Carvalho, der Sekretärin von Klaus Pavel. Als sie dem brasilianischen Honorarkonsul Klaus Pavel und seiner Frau Gudrun begegnete, entwickelten sie gemeinsam die Idee, aus der das Projekt „Eine Nähmaschine für zu Hause“ entstand. Die Stiftung stellte den Frauen leihweise die Maschinen zur Verfügung. So können sie ihren Lebensunterhalt eigenständig bestreiten.

Auch heute noch erhalten junge Frauen diese einmalige Chance zur Selbstständigkeit. Vor Ort wird das Projekt durch die Familie von Iva Engels-Carvalho betreut. Inzwischen sind daraus 30 Aktivitäten gewachsen. 30 festangestellte Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer betreuen Tag für Tag mehr als 1000 Kinder und Jugendliche.

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