Aachen: Gruppe „Jugend rettet“: Ein seetüchtiges Boot bis April

Aachen: Gruppe „Jugend rettet“: Ein seetüchtiges Boot bis April

Die gefährliche Flucht über das Mittelmeer kostete im vergangenen Jahr Tausende Menschen das Leben. Bei vielen macht sich angesichts solcher Tragödien ein Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht breit, nichts dagegen unternehmen zu können.

Nun geht eine Organisation aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen dieses Problem aktiv an. „Jugend rettet“ heißt die Gruppe, die neben 16 anderen Städten in der Bundesrepublik nun auch in Aachen aktiv wird.

„Jeder kennt die Bilder aus der Zeitung und aus den Nachrichten von den völlig überfüllten Schiffen im Mittelmeer“, so Felix Werner von „Jugend rettet“ in Aachen. Ziel der Organisation sei es daher, mit einem eigenen Boot in Seenot geratene Flüchtlinge vor dem sicheren Tod zu retten. „Schließlich sind auch bereits andere Organisationen wie ‚Ärzte ohne Grenzen’ oder ‚Seawatch’ auf dem Mittelmeer unterwegs.“

Was im ersten Augenblick etwas naiv und unrealistisch klingt, ist aber bereits sehr weit durchdacht. So haben die Jugendlichen keinesfalls vor, selbst mit einem Boot auf hoher See zu kreuzen und nach in Not geratenen Flüchtlingen Ausschau zu halten. „Jugend rettet“ will mit seinen derzeit über 150 Mitgliedern in ganz Deutschland vorerst einmal genügend Spenden sammeln, um den Kauf eines entsprechend seetüchtigen Bootes zu stemmen.

Die Kosten für den Erwerb und den Umbau können sich bereits auf über eine halbe Million Euro belaufen. Erst dann wird eine bereits stehende und erfahrene Crew aus Freiwilligen, bestehend aus Kapitän, Maschinisten, Funker und ärztlicher Betreuung für rund acht Wochen ins Mittelmeer aufbrechen. Geleitet werden sie dort vom maritimen Rettungs-Koordinationszentrum aus Rom, wo auch die Notrufe eingehen und welches den Schiffen die anzufahrenden Häfen zuweist.

Crowdfunding

Mit Schülern zusammen werden nun bundesweit Aktionen ins Leben gerufen, um von Unternehmen und Privaten möglichst viele Spenden zu generieren, auch Crowdfunding über eine Internetplattform spielt dabei eine wichtige Rolle. „Wir werden aber beispielsweise keine Spenden von Parteien annehmen oder Fördergelder von der Bundesregierung in Anspruch nehmen, weil wir ja auch mit einer politischen Forderung an diese herantreten“, wie Werner erklärt.

Diese bezieht sich vor allem auf die derzeitige EU-Mission „Sophia“, in dessen Rahmen auch deutsche Kriegsschiffe im Mittelmeer Jagd auf Schlepper machen. Diese Kapazitäten, so die Jugendlichen, sollten vielmehr wieder zur Rettung von Flüchtlingen eingesetzt werden.

Der Zeitplan, den man sich bei „Jugend rettet“ gesteckt hat, ist eng. Schon bis Ende Februar soll das Geld für das Schiff gesammelt und im April schließlich dessen Umbau abgeschlossen sein. „Wir treffen uns jetzt jeweils wöchentlich und besprechen das weitere Vorgehen sowie die neuen Kontakte, die etwas zum Projekt beitragen können“, wie Helfer Shayli Khozaini sagt.

Dabei erhalten sie auch Beratung von der Bundeswehr, welche sie auf allfällige Probleme bei ihrer künftigen Mission hinweist. Zunächst heißt es für die jungen Helfer aber noch, auf festem Boden nach Spendern für ihr großes Vorhaben zu suchen.

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