Grundstein für wichtiges Innenstadtprojekt in Aachen gelegt

Grundsteinlegung : Die Lücke am Theater wird wieder geschlossen

Ein wenig haben sich die Aachener schon an den freien Blick am Theaterplatz und auf die Fassade der altehrwürdigen Elisabethhalle gewöhnt, doch mit rund anderthalbjähriger Verspätung wird die Baulücke nun wieder geschlossen. Am Dienstag wurde dort der Grundstein für ein dreigliedriges Bauensemble gelegt, das von der Landmarken AG errichtet wird und das Vorstand Norbert Hermanns als wichtigen Baustein für die gesamte Innenstadtentwicklung betrachtet.

Der Platz habe „enorm viel Potenzial“, sagte er während des Festakts, an dem nicht nur etliche Geschäftspartner, Architekten und künftige Mieter, sondern auch Oberbürgermeister Marcel Philipp und weitere städtische Vertreter teilgenommen haben. Die Ecke sei leider etwas unter die Räder gekommen, jetzt aber könne dort wieder „etwas Großartiges“ entstehen, meint Hermanns, der von einem „bedeutenden städtebaulichen Aufwertungsprojekt“ spricht.

Rund 60 Millionen Euro wird die Landmarken AG investieren und dafür unter anderem ein neues Hotel für die Kette Motel One mit rund 260 Zimmern bauen. Von der Zimmerzahl her wird es das größte Hotel der Stadt werden, so Hermanns. Gleich nebenan soll das historische Bankgebäude der ehemaligen Dresdner Bank zu einem modernen Bürokomplex umgebaut und um einen modernen Anbau erweitert werden. Hermanns schwebt „der modernste Bau der Stadt“ vor, der mit allerlei technischen Raffinessen ausgestattet werden soll. Und schließlich wird auf einem zur Elisabethstraße hin gelegenen Grundstück gleich neben dem Kloster noch ein Apartmenthaus mit 85 Wohneinheiten für internationale Studenten und Studienabsolventen der RWTH International Academy entstehen. Alles in allem sind das knapp 17.000 Quadratmeter Büro- und Wohnfläche, die aller Voraussicht nach Ende nächsten Jahres bezogen werden können. Für die Architektur des Bürogebäudes ist das Aachener Büro kadawittfeld verantwortlich, Hotel und Apartmenthaus haben die Aachener Architekten Werrens & Hansen entworfen.

Vor allem statische Probleme und archäologische Funde – unter anderem wurden Reste der Barbarossamauer und römische Siedlungsspuren gefunden – haben zu längeren Verzögerungen geführt. Denn den ursprünglichen Plänen zufolge hätte man in diesen Tagen statt der Grundsteinlegung schon die Fertigstellung feiern wollen. Bis jetzt konnte allerdings nur die Bodenplatte fürs Motel One fertiggestellt werden, auf der am Dienstag der Grundstein feierlich eingemauert wurde.

Hoch erfreut zeigte sich darüber nicht zuletzt Marcel Philipp. Grundsteinlegungen zählten zu den Lieblingsterminen eines jeden Oberbürgermeisters, erklärte er. Und offenbar konnte er davon zuletzt mehr absolvieren, als manch einer ahnt. Denn energisch stellte er sich der „gefühlten Stimmungslage“ entgegen, wonach Investoren böse seien und sich in der Stadt nichts tue. Ausdrücklich dankte er der Familie Hermanns für ihr Engagement. Sie gehe ins Risiko und packe große Maßnahmen an, die die Stadt nach vorne brächten.

Philipp warnte davor, Aachen schlechtzureden, stattdessen sprach er von einer „großen dynamischen Entwicklung“ in der Stadt, die man insbesondere Projektentwicklern wie Hermanns zu verdanken habe. „Wenn es für Private nicht funktioniert, funktioniert es für keinen“, sagte Philipp. Diese Einschätzung dürfte freilich all jene Politiker irritieren, die sich derzeit mit der geplanten Altstadtsanierung rund um den Büchel abmühen. Dort haben sich bekanntlich private Investoren wie Hermanns zurückgezogen. Stattdessen spielt die große Mehrheit im Rat nun mit dem Gedanken, eine städtische Baugesellschaft zu gründen und mit dem seit Jahren vor sich hindümpelnden Projekt zu beauftragen.

Ideen für den Theaterplatz

Unterdessen konfrontierten Hermanns und Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck vom benachbarten Theater den Oberbürgermeister mit einem weiteren städtischen Versäumnis. Denn seit vielen Jahren wird auch über eine Umgestaltung des Theaterplatzes und eine Anbindung in Richtung Elisenbrunnen gesprochen, die bis heute auf sich warten lässt.

Jetzt sei der richtige Zeitpunkt gekommen, den Verkehr künftig nur noch an der Seite zum Kapuziner Karree hin vorbeizuleiten und die andere fußgängerfreundlich umzubauen, findet Schmitz-Aufterbeck. Theater und Elisenbrunnen seien zur selben Zeit entstanden und gehörten als ein Ensemble zusammen. So sieht es auch Hermanns, der in unmittelbarer Nachbarschaft zum jetzigen Bauprojekt weitere Häuser besitzt, die er in Kürze sanieren will und in denen 45 neue Wohnungen entstehen sollen. Schmitz-Aufterbeck erhofft sich von einer Umgestaltung des Theaterplatzes eine höhere Aufenthaltsqualität, mehr Gastronomie im Umfeld und Platz für Begegnungen. Mit Freude blickt er vor allem aber auch der Fertigstellung des „großen Hotels, vielleicht mit vielen Besuchern für uns“ entgegen.

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