Aachen: Grundschüler ziehen gemeinsam mit Unicef durch die Innenstadt

Aachen : Grundschüler ziehen gemeinsam mit Unicef durch die Innenstadt

Manch ein Passant rieb sich am Dienstagmorgen in der Aachener Altstadt verdutzt die Augen. Etliche junge Menschen zogen vom Holzgraben zum Rathaus und brüllten lautstark „Kinder haben Rechte“. Soweit, so unspektakulär — würde das Durchschnittsalter der „Demonstranten“ nicht im Grundschulbereich liegen.

Zuvor hatte Christiane Raumanns, Sprecherin der Aachener Unicef-Gruppe, „einen Umzug mit viel Krach“ versprochen. Sie hat Wort gehalten. Ausgestattet mit Trommeln und Rasseln polterten die Jungen und Mädchen aus zwanzig Grundschulen als „Aachener Kinderparlament“ durch die Innenstadt. Friedensfähnchen wurden geschwenkt, Plakate umgebunden, Schilder hochgehalten. „Die Kinder sollen lernen, ihre Rechte in Anspruch zu nehmen“, erklärte Raumanns, die die Aktion mitorganisiert hat.

Jeder habe das Recht auf eine Kindheit, ergänzt sie. „Das ist bei Flüchtlingskindern aber leider nicht gegeben.“ Passend zum Weltflüchtlingstag benannten sie nämlich nicht nur ihre eigenen Rechte, sondern engagierten sich auch für die Kinder, die in Not oder auf der Flucht sind.

Anstrengend, aber cool

Die Aktion zeigte Wirkung: Zahlreiche Menschen drehten sich um, runzelten die Stirn und lauschten den Rufen der Schülerinnen und Schüler. „Es ist schon etwas anstrengend“, gab einer der jungen Teilnehmer schweratmend zu: „Aber es ist cool. Und wir haben keine Schule.“

Paradox, schließlich protestiert er genau dafür: Schule. Denn Bildung ist neben Gleichheit, Spiel und Freizeit, gewaltfreier Erziehung sowie dem Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung eines von vielen Kinderrechten. Auch für Mara und Lorenz war der Umzug ein „tolles Gefühl“, wie die beiden erzählten. „Obwohl es schon etwas peinlich war“, beichteten sie grinsend.

Am Puppenbrunnen sammelte sich die Gruppe kurz, eine Betreuerin stimmte das Lied „Kinder haben eine Stimme“ an. Zögerlich sangen die Ersten mit, bis sie nach wenigen Sekunden von „Kinder haben Rechte“-Rufen übertönt wurden. Offensichtlich ist die Entscheidungsgewalt, welches Lied gesungen wird, auch ein solches Recht.

Dann ging es mit viel Getöse und Gebrüll auf den Markt, wo das Kinderparlament von Bürgermeisterin Hilde Scheidt empfangen wurde. „Es ist wichtig, dass die Kinder für ihre Rechte auf die Straße gehen“, sagt sie. Und wo gehe das besser als vor dem Rathaus, „dem Haus für die Bürger von morgen“?

Gemeinsam bildeten sie eine Kinderkette auf der Rathaustreppe und trällerten das Lied „Hand in Hand“ hinunter. „Jedes Kind braucht ein Haus, braucht ein Dach über dem Kopf“, heißt es darin. Von dort aus zogen die Grundschüler weiter, verteilten „Give-Aways“ gegen Spenden und befragten die Passanten zur Flüchtlingsproblematik.

Empfang beim OB

Und Mara und Lorenz? Die verkauften bunte Papier-Boote, die sie zuvor in der Schule gebastelt hatten. „Dreißig Euro haben wir schon“, berichteten sie stolz. Im November empfängt Oberbürgermeister Marcel Philipp das „Aachener Kinderparlament“.

Mehr von Aachener Nachrichten