Aachen/Würselen: Grundschüler lernen, im Ernstfall vielleicht Lebensretter zu sein

Aachen/Würselen : Grundschüler lernen, im Ernstfall vielleicht Lebensretter zu sein

„Wie oft muss ich drücken? Wie tief muss ich drücken? Kann ich dem Verletzten Schmerzen zufügen?“ — die Drittklässler der Gemeinschaftsgrundschule Am Höfling in Burtscheid haben viele Fragen. Mit drei Reanimationspuppen bilden Klaus Claßen und Anne Theilig vom Rhein-Maas Klinikum die Kinder in Wiederbelebungsmaßnahmen aus.

Hierbei geht es auch um Dinge wie Druckfrequenz und -stärke, die richtige Körperhaltung und die „Basics“, wo man ansetzen muss und was genau bei der Reanimation mit dem Körper passiert.

In der GGS Am Höfling werden alle Drittklässler zu „Rettungsexperten“ geschult. Schulleiter Ulrich Nellessen verspricht sich von der Schulung, Hemmungen und Hilflosigkeit bei den Schülern abzubauen. „Die Schüler trauen sich zu agieren und bekommen dabei noch medizinisch-biologische Grundkenntnisse vermittelt.“

Im vergangenen Jahr wurde mit einer Klasse die Probe aufs Exempel gemacht, nun hat man sich für eine Erweiterung des Programms entschieden. „Rund 70 Schüler und Schülerinnen können wir so zu potenziellen Ersthelfern in Notfallsituationen ausbilden“, informiert Klaus Claßen. Der am Rhein-Maas Klinikum in Würselen tätige Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie gilt als Reanimationsexperte — auch unter seinen Kollegen.

Als ausgebildeter Megacode-Trainer weiß er genau wie man eine Herz-Lungen-Wiederbelegung strukturiert durchführt. Von diesem Wissen lässt er seine Mitmenschen profitieren. Auch Anne Theilig, Leiterin der Logopädie am Würselener Krankenhaus, beteiligt sich intensiv an den Reanimationsübungen. „Eines meiner Kinder geht selbst zur GGS Am Höfling“, begründet sie ihre Motivation, die Kinder in Notfallkompetenzen zu schulen.

Prüfen. Rufen. Drücken.

Dabei lernen die Kinder auch, dass man nichts falsch machen kann. Wichtig ist, überhaupt zu reagieren. Im Falle eines Falles gilt das Prinzip „Prüfen. Rufen. Drücken“. Zuerst prüft man, ob die betroffene Person noch atmet. Anschließend wählt man den Notruf unter der europaweit gültigen Notrufnummer 112, dann darf man mit der Reanimation beginnen. Dabei ist die Mund-zu-Mund-Beatmung zweitrangig. Mit einer Herz-Druck-Massage werden Gehirn und Organe in der Regel bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Wie anstrengend das Drücken in der Mitte des Brustkorbs sein kann, und dass man sich dabei auch abwechseln kann, wissen die Drittklässler der GGS Am Höfling nun sehr gut. Geplant sind weitere Schulungen sowie ergänzende Basiskurse.

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